Hey ihr Lieben,
Tik-Tok, Instagram und Co. sind längst keine reinen Unterhaltungsplattformen mehr. Sie sind eure Nachrichtenquelle, eure Trend-Scanner und auch eure Meinungsmacher. Influencer sind die neuen Stars, die neuen Vorbilder. Wenn eure Lieblings-Creatorin ein neues Make-up empfiehlt, ist es morgen ausverkauft.
Aber was passiert, wenn sie plötzlich beginnt, politische Meinungen zu verkaufen? Und zwar nicht als Werbung gekennzeichnet, sondern getarnt als ganz normaler, „authentischer Content“?
Mich hat eine Nachricht erreicht, die dieses moderne Dilemma perfekt beschreibt: „Hey Dr. Sommer, ich bin total verwirrt. Ich folge dieser einen Influencerin (…) schon ewig. Normalerweise macht sie nur Beauty-Tipps und zeigt ihre Urlaube. Aber in letzter Zeit postet sie zwischendurch immer mal wieder ‚lustige‘ Memes, die sich über Politiker lustig machen, oder sie droppt ganz beiläufig ‚Fakten‘ über Themen wie Migration. Es klingt alles voll authentisch, aber neulich habe ich einen Bericht gesehen, dass Parteien und Lobbygruppen Influencer bezahlen, damit sie solche Ansichten ‚organisch‘ verbreiten. Ohne Kennzeichnung als Werbung! Woher weiß ich jetzt noch, was sie wirklich denkt oder ob das nur sagt weil sie Geld kriegt? Manchmal fühle ich mich echt verarscht!“
Puh. Das ist ein Volltreffer. Deine Verwirrung ist total verständlich. Du hast genau das richtige Bauchgefühl: Hier wird ein Spiel gespielt, bei dem du der Ball bist.
Lass uns mal den „Lobby-Filter“ aufsetzen und das sortieren.
Zum einen sollten wir in einer Demokratie wissen, wer zu uns spricht, um seine Absichten einzuschätzen. Wenn der ADAC über E-Mobilität spricht, wissen wir, er vertritt Autofahrer-Interessen. Das ist legitim, wenn es transparent ist.
Zum anderen – und das ist nicht mehr so schön – haben Parteien und Lobbygruppen im Jahr 2026 längst verstanden, dass sie euch mit klassischer Werbung nicht mehr erreichen. Sie wissen, dass ihr Influencern vertraut. Also nutzen sie dieses Vertrauen aus.
Sie bezahlen Influencer dafür, politische Ansichten ganz beiläufig in ihren Lifestyle-Content einzubauen. „Die neue Creme ist super, und übrigens, habt ihr gehört, wie Quatsch Gesetz XY ist? #JustSaying.“ Das ist pures Gift für die freie Meinungsbildung.
Das Problem ist die fehlende Kennzeichnung. Wenn Influencer nicht sagen: „Dieser Beitrag wurde von der Partei XY bezahlt“, dann ist das Wählertäuschung. Du denkst, es ist eine echte Meinung, aber es ist bezahlte Propaganda. Das nennt man „Astroturfing“ – man fälscht eine Grassroots-Bewegung.
Dein Plan für digitale Selbstverteidigung
Wie kannst du dich davor schützen, manipuliert zu werden?
- Der „Hä?-Moment“: Wenn deine Lieblings-Influencerin für eine Gesichtscerme wirbt und dann plötzlich eine politische Meinung „tragen Musliminnen eh nicht auf“ droppt, die gar nicht zu ihr passt: Werde misstrauisch. Stell dir die Frage: „Hä? Woher kommt das jetzt?“
- Die Geldspur suchen: Auch wenn es nicht gekennzeichnet ist, frage dich: Wem nützt diese Aussage? Wer hat ein Interesse daran, dass du das glaubst?
- Haltung oder Auftrag? Wenn ein Influencer immer nur eine politische Seite unterstützt und nie kritisch nachfragt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es kein echter Fan ist, sondern ein bezahlter Dienstleister.
- Check der Kommentar-Spalte: Oft haben andere Follower das Spiel schon durchschaut. Wenn dort diskutiert wird, ob der Beitrag gesponsert ist, nimm das ernst.
Also, die Verarsche ist durchaus real. Aber du bist nicht hilflos. Der beste Schutz für deine Demokratie ist dein eigener, kritischer Kopf. Vertraue deinem Bauchgefühl. Wenn es sich nicht richtig anfühlt, folge ihr nicht nur, sondern hinterfrage sie. Demokratie braucht keine passiven Follower, sondern mündige Bürger.
Bleibt wachsam, bleibt kritisch!
Euer Dr. Sommer der Demokratie

Ob Aufklärung über populistische Parolen, Hintergrundwissen zu den Grundrechten oder Hilfe bei politischen Fragen: Dr. Sommer der Demokratie ist für dich da! Schreib ihm mit Betreff an „Dr. Sommer der Demokratie“ an tiefgang@sued-kultur.de
