Heiko Langanke ist aus der Kulturszene im Hamburger Süden kaum wegzudenken. Seit er im Jahr 2005 den Jazzclub im Stellwerk mitinitiierte, hat er ein Geflecht aus kulturellen Initiativen gewoben, das von der Musik über die Bildende Kunst bis hin zum geschriebenen Wort reicht.
Im Zentrum des literarischen Kosmos stehen die SuedLese Literaturtage, die seit elf Jahren einen besonderen Akzent setzen. In unserem Gespräch spricht er über die Bedeutung von Orten, den Mut zum ersten Satz und die Frage, wie man eine geerdete Szene lebendig hält.
Tiefgang (TG): Herr Langanke, die SuedLese ist in den vergangenen elf Jahren von einer ersten Beobachtung zu einem beachtlichen Festival mit jährlich über 40 Veranstaltungen gewachsen. Hätten Sie diese Beständigkeit zu Beginn für möglich gehalten?
Heiko Langanke: Offen gestanden, nein. Unser ursprünglicher Impuls war es lediglich, denjenigen, die sich im Hamburger Süden mit Schrift und Wort beschäftigen, ein wenig Spotlight zu verschaffen. Spotlight, will heißen: eine gezielte öffentliche Aufmerksamkeit, die das Augenmerk auf das Schaffen im Verborgenen lenkt. Dass daraus ein etabliertes Festival erwachsen würde, auf das die Literaturfreunde und -freundinnen jährlich hinarbeiten, war damals nicht abzusehen. Es ist jedoch eine schöne Bestätigung für die Beharrlichkeit unserer Formate, die selbst schwierige Zeiten wie die Pandemie überstanden haben.
TG: Ein Kernaspekt Ihres Konzepts ist die Einheit von Autor und Autorin sowie dem jeweiligen Leseort. Lehnen Sie große, anonyme Räume zugunsten eines persönlicheren Ansatzes ab?
Heiko Langanke: Es ist eine Frage der Authentizität. Bei uns findet nichts statt, was die Akteure und Akteurinnen vor Ort nicht selbst gestalten wollen. Der Abend bildet eine organische Einheit, bei der das eine ohne das andere kaum denkbar ist. Wir motivieren die beteiligten Institutionen – vom Hotel bis zur Geschichtswerkstatt – dabei gar nicht aktiv; sie bringen ihre eigenen Ideen und ihre eigenen Protagonisten und Protagonistinnen mit. Für uns bedeutet das zwar, dass wir bei der Programmgestaltung oft erst spät wissen, wohin uns die Reise führt, aber genau das macht den Reiz aus.
TG: Die SuedLese wird oft als das Kinderzimmer der kommenden Autoren und Autorinnen bezeichnet. Nun unterstützt die ZEIT-Stiftung Bucerius das Festival gezielt bei der Vorstellung von Debütantinnen und Debütanten.
Heiko Langanke: Diese Unterstützung ist für uns ein wichtiges Signal. Debütantinnen und Debütanten, will heißen: Verfasserinnen und Verfasser, die ihr allererstes Werk der Kritik und der Öffentlichkeit vorstellen. Namen wie Ben Westphal oder Regine Seemann haben bei uns ihre ersten Schritte gemacht. Ein Festival bietet mit seinem Medienzauber eine ganz andere Bühne als das bloße Lesen vor Freunden und Freundinnen im Café um die Ecke. Es erfordert Mut, sich diesem neuen Publikum zu stellen, gibt aber auch die notwendige Motivation für den weiteren Weg.
TG: Für das Jahr 2026 kündigen sich bereits neue Stimmen wie Kea von Garnier und Rina Schmeller an. Worauf legen Sie bei der Förderung dieser jungen Talente besonderen Wert?
Heiko Langanke: Wir bauen stetig unsere Kontakte zu Verlagen und Netzwerken aus. Ein Fest wie die SuedLese kann hier besonders nachhaltig wirken, da es eine geerdete Szene bietet. Diese Basis ist entscheidend, bevor literarische Strömungen irgendwann in der sogenannten Hochkultur gewürdigt werden. Es geht uns um ein Gespür für den Punk in der Literatur, für Themen wie Subkultur oder gesellschaftliche Härte, wie wir sie etwa bei Dominik Bloh oder Kristjan Knall sehen.
TG: In Buxtehude wagen Sie zudem mit einer speziellen Ausgabe der Ladies Crime Night den Vorstoß in das Krimi-Genre. Was versprechen Sie sich von diesem Format?
Heiko Langanke: Buxtehude ist literarisch sehr bewandert, kannte dieses spezifische Format aber bisher noch nicht. Dass die Mörderischen Schwestern eine so exzellente Nachwuchsarbeit leisten, ermöglicht uns eine ganze Nacht im Zeichen der Spannung. Wir wollen das Publikum erreichen, das neugierig auf die Bücher von morgen ist. Wo genau uns das hinführt, wird wie immer die Zeit zeigen.
TG: Vielen Dank für das Gespräch und wir lassen uns – wie jedes Jahr – mal wieder überraschen …!
Die SuedLese Literaturtage finden meist vier Wochen vor Ostern und im Hamburger Raum südlich des Elbflusses statt. In 2026 dann eben vom 1. bis 31. März und fast an „jedem Tag ein Literat“. Das Programm findet sich zum Anschauen oder auch zum Download unter www.suedlese.de oder gedruckt in den jeweiligen Leseorten.
