Dr. Sommer der Demokratie antwortet:

Die Rückkehr der Wehrpflicht

Foto: JensMo / Pixabay

Frohes neues Jahr 2026, ihr Lieben!

Wir schreiben das Jahr 2026, und während viele von euch Pläne für die Zeit nach der Schule machen – Studium, Ausbildung, Weltreise –, hängt plötzlich ein Thema wie eine dunkle Wolke über allem: Die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht für Männer.

Mich hat eine Nachricht erreicht, die die aktuelle Stimmung bei vielen Jungs auf den Punkt bringt: „Hey Dr. Sommer, überall in den Nachrichten heißt es, dass 2026 die Wehrpflicht für Männer wiederkommen soll, weil die Weltlage so unsicher ist. Ich habe total Panik. Ich will nicht zum Militär, ich habe ganz andere Pläne für mein Leben! Kann der Staat mich einfach zwingen, Soldat zu werden? Ich dachte, wir haben Berufsfreiheit in Deutschland. Gilt das Grundgesetz jetzt nicht mehr?“

Hand aufs Herz: Diese Sorge ist total verständlich. Niemand lässt sich gerne in seine Lebensplanung pfuschen, schon gar nicht, wenn es um etwas so Einschneidendes wie den Dienst an der Waffe geht.

Die gute Nachricht vorweg: Das Grundgesetz gilt natürlich noch! Aber die Sache ist komplizierter, als man denkt. Wir müssen uns dafür einen ganz bestimmten Artikel anschauen, der wie ein juristisches „Ja, aber…“ funktioniert.

Das Grundprinzip: Deine Freiheit (Artikel 12 GG)

Zum einen hast du völlig recht mit der Berufsfreiheit. Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes ist heilig. Da steht: „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“

Das bedeutet: Der Staat darf dir normalerweise nicht vorschreiben, ob du Bäcker*in, Informatiker*in oder eben Soldat*in wirst. Das ist eine der wichtigsten Errungenschaften unserer freien Gesellschaft. Niemand soll zu einer Arbeit gezwungen werden, die er nicht will (das Verbot von Zwangsarbeit steht in Absatz 2).

Die große Ausnahme: Die Verteidigung (Artikel 12a GG)

Zum anderen – und jetzt kommt der Haken, der für die aktuelle Debatte 2026 so wichtig ist – gibt es eine Ausnahme, die das Grundgesetz selbst macht, wenn es um die Sicherheit des Landes geht.

Schau dir Artikel 12a GG an. Der wurde später ins Grundgesetz eingefügt, als die Bundeswehr gegründet wurde.

Darin steht in Absatz 1 ganz klar: „Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften […] verpflichtet werden.“

Das ist der Knackpunkt. Das Grundgesetz sagt also: Ja, du hast Berufsfreiheit. Aber wenn der Staat entscheidet, dass er Soldaten zur Verteidigung braucht, dann kann er diese Freiheit für Männer einschränken und sie einziehen.

Fakten-Check zur aktuellen Lage 2026:

  1. Die Wehrpflicht war nie weg: Viele denken, sie wurde abgeschafft. Das stimmt nicht. Sie wurde 2011 nur ausgesetzt. Man hat quasi die „Pause-Taste“ gedrückt, weil die Sicherheitslage damals entspannt schien. Die Gesetze existieren aber noch alle. Um die Wehrpflicht wieder zu aktivieren, muss das Grundgesetz nicht geändert werden – ein einfacher Parlamentsbeschluss reicht aus.
  2. Warum nur Männer? Das Grundgesetz spricht in Art. 12a explizit nur von Männern. Das wirkt heute total veraltet. Eine Wehrpflicht auch für Frauen einzuführen, wäre aber viel komplizierter, weil man dafür das Grundgesetz mit einer Zweidrittelmehrheit ändern müsste. Deshalb konzentriert sich die politische Debatte 2026 aktuell auf das, was rechtlich schnell machbar ist: die Männer.
  3. Der Notausgang: Kriegsdienstverweigerung: Das ist ganz wichtig! Selbst wenn die Wehrpflicht kommt, musst du nicht gegen dein Gewissen an der Waffe dienen. Artikel 4 Absatz 3 GG garantiert dir das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern. Wer das tut, muss dann aber einen Ersatzdienst leisten (früher „Zivildienst“ genannt, heute würde das vielleicht anders aussehen, z.B. im Katastrophenschutz oder in der Pflege). Auch das regelt Artikel 12a.

Was bedeutet das jetzt für dich?

Die Debatte, die 2026 geführt wird, ist eine der schwierigsten in unserer Demokratie. Es geht um die Abwägung zwischen:

  • Deiner individuellen Freiheit (Dein Leben so zu planen, wie du willst).
  • Der Sicherheit aller (Die Notwendigkeit, dass im Ernstfall genug Leute da sind, die unsere Demokratie verteidigen können).

Es ist keine leichte Entscheidung. Die Politik muss sich fragen: Ist die Bedrohung von außen so groß, dass dieser massive Eingriff in die Freiheit junger Männer gerechtfertigt ist?

Mein Rat: Informiere dich genau, was gerade im Bundestag diskutiert wird. Es geht um deine Zukunft. Wenn du die Wehrpflicht falsch findest, organisiere dich, geh auf Demos, schreib deinen Abgeordneten. Wenn du sie richtig findest, vertritt auch diese Meinung.

Das Grundgesetz erlaubt die Wehrpflicht, aber es schreibt sie nicht zwingend vor. Ob sie aktiviert wird, ist eine politische Entscheidung – und die können wir in einer Demokratie beeinflussen.

Bleib wachsam in diesem spannenden Jahr 2026!

Euer Dr. Sommer der Demokratie

Ob Aufklärung über populistische Parolen, Hintergrundwissen zu den Grundrechten oder Hilfe bei politischen Fragen: Dr. Sommer der Demokratie ist für dich da! Schreib ihm mit Betreff an „Dr. Sommer der Demokratie“ an tiefgang@sued-kultur.de

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