Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Gipfeltreffen des inneren Teams

War 2017 alles Käse und wenn, war es deshalb schlimm? (Foto: Despositphotos)

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin. Ich denke über einen guten Start ins neue Jahr nach. Die privaten, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen möchte ich starken Interessenvertretern anvertrauen, die für meine Werte stehen und sich konsequent dafür einsetzen. Daher lud ich die Ressortleiter zu einem informellen Treffen ein. Zunächst ging es darum, sich auf eine gemeinsame Linie und realistische Ziele zu verständigen. Die Details wurden später in kleinen Arbeitsgruppen ausgehandelt.

Mein Gesundheitsminister forderte erst einmal wieder, ganz die alte Spaßbremse: mehr Sport oder wenigstens Bewegung, gesündere Ernährung, regelmäßige und frische Mahlzeiten, weniger Genussmittel – die alte Leier. Doch zu fortgeschrittener Stunde, nach langem Herumsitzen und etlichen Gläsern klaren Wassers, kamen doch noch brauchbare Vorschläge: Wohlgefühl für Körper, Geist und Seele, ein ganzheitlicher Ansatz. Hört, hört!

Und dann kam ein echter Knaller: Ich soll morgens in den Spiegel sehen und mir ein Lächeln schenken! Das gefiel mir. Richtig innovativ! Und so motivierend. Viel Beifall von allen Seiten. Ein gelungener Auftakt!

Mein Minister für Arbeit und Soziales traf mit seinen Vorschlägen auf geteilte Meinungen. Einerseits plädierte er für ein Programm zur Existenzsicherung, sprich: Arbeitssuche. Andererseits räumte er ein, dass es wichtig wäre, die Berufung nicht zu sehr außer Acht zu lassen. Allgemeines Nicken und Kopfschütteln in der Runde. Ja, Geld verdienen ist schon recht – dies vor allen Dingen die Position des Finanzministers. Aber zufrieden und erfüllt soll ich auch leben.

Das war das Stichwort für meinen Glücksminister. Er hat manchmal die Angewohnheit, sehr weit auszuholen. Er ist ein großer Philosoph. Also sprach er: „Die Vergangenheit akzeptieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft begrüßen.“

Er ließ seine Worte wirken. Wir warteten alle gespannt, doch da kam nichts mehr.

„War das schon alles? Ist das dein ganzes Programm?“

„Im Prinzip ja.“ Mit bedeutungsschwangerer Stimme erklärt er: „Die Gegenwart ist von zentraler Bedeutung. Da steckt das größte Potential drin. Man muss nur den Augenblick sehr bewusst erleben und verantwortungsvolle Entscheidungen treffen.“

Am Fenster leises Klopfen. Ich öffnete die Augen und ließ die Seele rein bzw. raus. Beflügelt schwebte sie in die gesellige Runde und sprach mit sanfter Stimme:

„Ich möchte mich gerne verbinden. Ich bitte darum, dass jede Gelegenheit wahrgenommen wird, das Leben zu genießen, teil zu haben – das dürfte auch im allgemeinen Interesse des Mitteilungsbedürfnisses liegen.“

Zustimmendes Gemurmel.

Die Familienministerin richtete sich an Teilnahme: „Ich sehe das genauso und spreche auch für Freunde und Bekannte. Wir haben einen großen Überschuss an Empathie. Die könnten wir in gemeinnützige Projekte stecken. Wer ist dafür?“

Alle Finger fuhren in die Höh´, Vorschlag einstimmig angenommen.

Ich fasste die Beschlüsse zusammen: „Ich stimme mich morgens mit einem Lächeln ein, vergesse das Essen nicht, gehe ab und zu an die frische Luft, schreibe und amüsiere mich anderweitig nach Lust und Laune, verdiene nebenbei Geld, unterhalte und vernetze mich, bin zuversichtlich, hilfsbereit und bereichere das Leben von anderen. Habe ich etwas vergessen?“

„Spontanität!“, entfährt es dem ersten Impuls, der seinen Einsatz am Anfang der Sitzung wohl verschlafen hatte, weil er sich bei Programmen schrecklich langweilt.

Der Verteidigungsminister nickt und nimmt damit die späte Wortmeldung in Schutz.

Wir stimmten noch einen Termin für das Treffen im kommenden Jahr ab und brachen sofort und hochmotiviert in Richtung Zukunft auf.

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