Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Vögelperspektive

Foto: S. Alphonso

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin.
Ich denke über Gleichberechtigung und Doppelmoral nach. Promiskuität bei Männern wird gesellschaftlich weniger geächtet als bei Frauen. Das Bedürfnis nach sexueller Abwechslung wird verherrlicht und verharmlost und als gottgewolltes Naturgesetz dargestellt. Bei Frauen ist dieses Bedürfnis mancherorts ein Grund zur Steinigung.
Während Männer als Casanovas, Dandys und Frauenhelden betitelt werden, sind Frauen schon nach dem ersten Abenteuer als Schlampen verschrien, Flittchen und Huren.
Die Doppelmoral erlaubt es, Sex als Gewerbe zuzulassen. Die Kunden sind sogenannte Freier. Das klingt doch ganz nett. Dass wiederum Männer dabei das bessere Geschäft mit der schmutzigen Ware Frau abschließen, versteht sich wohl von selbst. Sie übernehmen schließlich die verantwortungsvolle Aufgabe, als Zuhälter dafür zu sorgen, dass nicht jeder rein und raus kann. Sondern nur, wer dafür bezahlt. Da beutet sich der Mann quasi selber aus. Die Frau spielt beruflich eine untergeordnete Rolle. Auch das scheint ein gottgewolltes Naturgesetz zu sein: dass Frauen weniger verdienen als Männer. Wie will man auch Äpfel und Birnen miteinander vergleichen?

(21. Jan. 2017, SZ)

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