Der Jahres-Rückblick mit „Tiefgang“:

Das war´s!

Einmal im Jahr haben im Grunde alle einen Knall ... (Foto: Kohji Asakawa / Despositphotos)

Ein Jahresrückblick. Brauchen wir das? Läuft das nicht schon auf allen Sendern und ist in allen Gazetten zu lesen? Ja. Na und?

Denn erstens ist jeder Rückblick anders und zweitens einer von „Tiefgang“ jetzt überhaupt erst möglich. Denn  „Tiefgang“ ist nun ziemlich genau ein Jahr alt. Juhuu!

Als Ende 2016 klar war, dass der Bezirk Harburg ein wenig finanzielle Unterstützung zum relaunch des Online-Portals www.sued-kultur.de gibt, wurde den Konzeptionsleuten der SuedKultur klar, dass neben all den Terminen und Listen von Kulturvereinen und –aktivitäten eines fehlt: Inhalt. Platzt für Besprechungen, Diskurse, Austausch.

Dass hatte seine Bewandtnis, denn als die Initiative SuedKultur vor nunmehr 11 Jahren ins Leben gerufen wurde, war noch lange nicht absehbar, ob und wie so einen inhaltliche Auseinandersetzung verlaufen würde. In all den Jahren hat sich aber die Medienlandschaft ebenso gewandelt wie die Kulturszene selbst auch. Und da mit Facebook statt Harburger Anzeigen&Nachrichten auch der Platz für Austausch und Diskussion sich verschob, die Kultur schleichend aber gewiss dem Diktat von Zahlenspielen  („wie viele kommen wohin, zahlen wie viel und wen geht das eigentlich was an?“) statt Ansprüchen unterworfen wurde, schien es an der Zeit. Und Dank der  unkonventionellen, schnellen Zusagender Alfred Toepfer Stiftung konnte während der Relaunch-Arbeiten auch gleich „Tiefgang“ ins Leben gerufen werden: das neuen Online-Feuilleton mit Schwerpunkt Hamburger Süden.

Und zum Auftakt ging es im Januar gleich zur Sache mit einer kurzen Serie zum „Wert der Kultur“: Es ging um die Wertfrage an sich – Was ist eigentlich der „Wert der Kultur“? / Die Eintrittsfrage bei Museen / Die Finanzierung von Theatern / und auch der Musikspielstätten.

Im Februar schauten wir schon mal voraus zu den zweiten Literaturtagen „SuedLese“, die bevorstanden und waren erstaunt, wie viele Literat*innen gleich nebenan von uns wohnten, lebten und arbeiteten:  So nicht nur unsere Wochenkolumnistin Sophie Selbst-Zweifel, die uns seither mit Gedanken zur aktuellen geistigen Lage erfreut. Sondern auch Conny Schramm, Ex-Kirchdorferin Cristiane Fux, Ute Holst, Volker Maaßen, Birgit Storm oder Gisela Baudy, Und klar: auch die Stars der SuedLese 2017 wie Wladimir Kaminer oder Fatih Çevikkollu knöpften wir uns vor. Dank an Euch alle für die tollen Literaturtage 2017!

Im März dann aber auch schlimme Nachrichten: der in Harburg lebende und arbeitende Künstler namens „Toro“ schließt seine Kunstgalerie „MyToro“ im sogenannten Gloria-Tunnel zwischen  Lüneburger Straße und Seevepassage. Für uns ein klarer Fall von politischer Dilletanz. Der März bringt auch erstmals einigen SuedKulturlern der bildenden Kunst dazu, sich näher mit dem Thema „Artothek“ zu befassen, von der „Tiefgang“ eine in direkter Nachbarschaft – nämlich Buxtehude – mal vorstellte.

April, April, dachten sich einige, als sie erstmal von dem Projekt von Künstler Boran Buchhardt einer „Goldenen Wand“ auf der Veddel hörten. Das Kunstprojekt schlug hohe Wellen und gab uns auch zu denken über den Umgang mit der Kunst. Der ehemals in Harburg lebende und arbeitende Rockmusiker Joachim Griebe startete eine bisher und dem Thema geschuldete unvollendete Serie rund um die Künstlersozialkasse.

Im Mai starteten wir die Serie „Gedenken in Harburg“ und in Kooperation mit dem gleichnamigen Verein. Dieser erforscht die Biographien einstiger Verfolgter des Nationalsozialismus und zusammen mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig setzen sie an bekannten ehemaligen Wohnorten die „Stolpersteine“. Und leider werdet Ihr weiterhin auch hier im „Tiefgang“ über diese Schicksale „stolpern“.

Und die Fischhalle Harburg öffnete seine Pforten und ist seither aus Harburgs Kulturleben schon nicht mehr wegzudenken. Schön …

Im Juni wirft der geplante G20-Gipfel seine Schatten voraus und  schon hier zeigt sich, dass auch Kunst und Kultur recht ratlos zum Thema und Treffen sind. 1000 Gestalten stachen da noch am besten heraus.

Im Juli legt der G20-Gipfel zumindest eine zeitlang Hamburg lahm und wirkt bis heute.  In Sachen Kultur fordert SuedKultur die Parteien des Bezirks auf, von der sogenannten „Wohnungsbauprämie“ des Senats auch die Kultur zu bedenken. Keine Reaktion ist auch eine … Und auch der Abbau der Neonstele an der früheren Post hinterm Bahnhof verläuft weitestgehend unaufgeregt – oder besser: desinteressiert?

Der August hätte eigentlich ein schöner, träger Sommermonat werden können. Wurde er aber nicht. Und so waren wir froh, dass der Bundestagswahlkampf uns umso besser langweilte – erst Recht in Sachen Kultur. Wem das zu wenig war, fuhr eben nach Buxtehude zum ersten und wahrlich schönen Kunstfest. Mehr davon!

Eine brillante Idee hatte auch die niedersächsische CDU des Landkreises als sie Vorschlug, Harburg einfach umzubenennen. Nach der Landtagswahl, bei der die CDU nun mitregiert und alle Fäden in der Hand hat, ist die Frage aber plötzlich nicht mehr so relevant. Zum Glück?

Von  September an stellten wir Euch dann schon mal vorab einige Künstler*innen  der kommenden SuedKultur Music-Night (Okt.)  und des Harburger Kulturtages (Nov.) vor.

Im Oktober erlebten wir dann eine fantastische SuedKultur Music-Night, fragten uns aber  auch schon, wie das in der (Welt-)Stadt Hamburg und erst recht Harburg eigentlich so weitergehen soll? Eine Idee: ein Plan muß her!

Der November war der Monat der Jubiläen: Der Dachverband der Stadtteilkulturzentren, Stadtkultur Hamburg, feierte sein 40jähriges und wir teilten seine Geschichte in einer Serie, die auch zeigt, wie sich  Gesellschaft, Kultur und Denkweisen änderten und noch immer ändern. Doch auch in Harburg wurde gefeiert: denn der Irish Pub „The Old Dubliner“ konnte auf sein 20jähriges Bestehen und die Inhaberinnen auf 10 Jahre ihrer „Großen Koalition“ zurückschauen. Und auch das „Alles wird schön“ in Heimfeld hat einer seinem Ziel 25 Jahre später nichts geändert. Konkret nur sind die Räume für alles Schöne nun definitiv zu klein geworden. Was bei uns unterging und doch war: 10 Jahre ContraZt e.V. in Heimfeld samt Umsonstladen und Lesungen und Konzerten. Und auch das Kulturcafé Komm du hätte 5jähriges feiern können. Aus privaten Umständen war aber keine rechte Feierstimmung und unser Mitgefühl dafür wird weit ins nächste Jahr reichen. Unter den Neugeborenen entstand – erstmal nur temporär – das Kulturwohnzimmer im Gloria-Tunnel.

Und auch wenn alle sich zum Dezember schon auf eine besinnliche Zeit einstimmten und endlich mal alle Fünfe gerade sein lassen wollten: der nächste Ärger kündigt sich an. Das Clubkombinat, der Dachverband der privaten Musikclubs Hamburgs, starteten die Kampagne #FuturMusicCityHH samt Petition und stießen damit die Debatte, wie wir in einer Metropole eigentlich künftig zusammen leben wollen aufs Neue an.

Aber auch ohne dies: über 1.000 Konzerte, Lesungen, Filme, Theater oder Tanzveranstaltungen schafften SuedKulturler in 2017. Zudem Workshops, Kurse, Rundgänge und was es alles Spannendes gibt. Offenbar hat vieles gefallen, denn über Besuchermangel hat sich niemand beschwert.  Also: auf ein Neues!

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