Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Spieglein

Foto: Frank Winkler / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Obwohl ich ein großer Fan von Reflexionen bin, habe ich ein eher zerrüttetes Verhältnis zu Spiegeln.

Zu solchen, die mir nicht schmeicheln, also fast allen. Am schlimmsten sind die in den Umkleidekabinen der Damenunterwäsche bei Karstadt in Harburg, wo sonst? Leserinnen können das vielleicht aus eigener Erfahrung bestätigen, männliche Begleiter als Augenzeugen, wenn ihre Frau, Mutter, Schwester, Freundin oder Geliebte kreidebleicher nach der Anprobe wieder auftaucht.

Dort ist das Licht nicht einfach nur unvorteilhaft, nein: Es ist voll fies. Grausam anzusehen, was sich dort als eigen Fleisch und Blut darstellt. Solche Beleuchtungskörper gehören verboten! Welche Verkaufsstrategie sich dahinter verbergen mag, kann ich nur mutmaßen. Vielleicht macht es sich bezahlt, damit Kundinnen unbesehen kaufen, statt anzuprobieren, um sich den Frust zu ersparen.
Im Urlaub machte ich die niederschmetternde Erfahrung, dass es solche Spiegelbilder auch woanders gibt. Ich war irritiert. Ist das schon wieder ein Stresstest? Gab es davon in den letzten Monaten noch nicht genug?? Der Spiegel antwortet nicht. Vielleicht denkt er sich seinen Teil. Reden ist Silber, Schweigen ist sicherer. Denn ein Spiegel lebt gefährlich, besonders wenn er ehrlich seine Meinung sagt.

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