Der März im Hamburger Süden beginnt nicht leise, sondern mit einer literarischen Wucht, die man in dieser Dichte nur einmal im Jahr findet. Die 11. SuedLese Literaturtage beginnen …
Wenn am 1. März der Startschuss für die 11. SuedLese fällt, verwandelt sich die Region zwischen Harburg und Buxtehude in eine pulsierende Bühne für das Wort. Die erste Woche setzt dabei sofort ein Zeichen: Es geht um Tiefe, um den Mut neuer Stimmen und um die Frage, wie Literatur uns helfen kann, die Welt – und uns selbst – besser zu verstehen.
Den Auftakt macht am Sonntag (1.3., 16 Uhr) eine fast meditative Begegnung mit der Natur. In der Heimfelder Friedrich-Naumann-Straße bei Alles wird schön e.V. laden Ulrike Burbach, Gisela Baudy und Christian Baudy zu einer Lesung für den Baum ein. Es ist eine Einladung zur Entschleunigung, will heißen: ein bewusstes Innehalten in einer Zeit, die oft zu schnell an uns vorbeizieht. Hier wird der Baum nicht als Kulisse, sondern als lebendiges Mitwesen begriffen – eine poetische Mahnung in Zeiten des ökologischen Umbruchs.
Ein erstes Highlight der Woche erwartet uns am Mittwoch (4.3., 19 Uhr) in der Fischhalle Harburg. Der Historiker Dr. Tillmann Bendikowski nimmt uns mit in Sagenhafte Nordgeschichten. Bendikowski ist ein Meister darin, staubige Archivfunde in lebendige Erzählungen zu verwandeln. Von Untoten im Kloster Harsefeld bis zur Entstehung des berühmten Diercke Schulatlas – er zeigt uns die Seele des Nordens jenseits der Klischees.
Besonders intensiv wird es am Freitagabend (6.3., 20 Uhr) im Treffpunkthaus Heimfeld. Dominik Bloh liest aus seinem neuen Werk Die Straße im Kopf. Bloh, der selbst elf Jahre obdachlos war, beschreibt darin eindringlich den täglichen Kampf mit der Normalität. Auch wenn er heute Bestsellerautor und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist, bleibt die Straße in seinem Kopf präsent. Sein Buch ist kein bloßes Anklagen, sondern ein augenöffnender Bericht über das Leben zwischen zwei Welten und die Hürden eines Alltags, den man nach Jahren auf dem Asphalt erst mühsam wieder erlernen muss.
Am Samstagabend (7.3., 19 Uhr) lohnt sich dann ein Besuch in Buxtehude, denn der hört man dann ganz frische Stimmen des Verbrechens. Die Ladies Crime Night ist ohnehin ein Erfolgsformat des Vereins Mörderische Schwestern e.V., doch diesmal stehen exklusiv Debütantinnen im Rampenlicht. Dank einer neuen Förderung durch die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS liegt dieses Jahr erstmals ein besonderer Fokus auf diesen neuen Talenten. Das Prinzip ist nervenaufreibend: Fünf Autorinnen wie Hedda Anders oder Jana Stieler haben jeweils exakt zehn Minuten Zeit, ihre kriminellen Welten zu entfalten. Wenn der Schuss fällt, ist die Lesezeit gnadenlos vorbei. Ein Format, das perfekt zur energischen Atmosphäre der SuedLese passt.
Den Abschluss der ersten Woche bildet am Sonntag (8.3., 15 Uhr) ein intimer Einblick in die norddeutsche Seele. In einer privaten Wohnzimmerlesung in Harburg präsentiert Claus-Peter Rathjen plattdeutsche Texte von Hans-Joachim Meyer. Es ist dieser persönliche Rahmen, der die SuedLese so besonders macht – Literatur zum Anfassen, direkt in der Nachbarschaft.
Die Termine der ersten Woche im Überblick:
So., 01. März, 16 Uhr: Burbach, Baudy & Baudy – Lesung für den Baum, Alles wird schön e.V., Friedrich-Naumann-Straße 27, 21075 Hamburg; Eintritt: frei / Spende erwünscht
Mi., 04. März, 19 Uhr: Tillmann Bendikowski: Sagenhafte Nordgeschichten, Fischhalle Harburg, Kanalplatz 16, 21079 Hamburg; Eintritt: 15 Euro
Fr., 06. März, 20 Uhr: Dominik Bloh: Die Straße im Kopf, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: VVK 12 Euro / AK 15 Euro
Sa. 07. März, 19 Uhr: Ladies Crime Night – Debüts, Stadtbibliothek Buxtehude, Fischerstraße 2, 21614 Buxtehude; Eintritt: 12 Euro
So., 08. März, 15 Uhr: Wohnzimmerlesung mit Claus-Peter Rathjen: Plattdüütsche Texte von Hans-Joachim Meyer, Hastedtstraße 34, 21073 Hamburg; Eintritt: frei / Spende erwünscht (Anmeldung erforderlich)
