Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Vorbildcharakter

Eine studentische Initiative belebt den Gloria-Tunnel als KulturWohnZimmer. Bei der lokalen Politik aber blitzte sie ab. (Foto: KuWoZi)

Mein Name ist Philo Sophie und ich bin Denkerin.

Ich denke, mit der Politik ist es so eine Sache. Schwer durchschaubar. Undurchsichtig für unsereins. Vielleicht liegt es an meinem kulturellen Tunnelblick, wenn mir manche Entscheidungen nicht einleuchten wollen.

Vom Prinzip her weiß ich, dass ich nichts weiß. Doch ich hörte von Bezirken, in denen es transparenter zugeht. Könnten sich unsere Volksvertreter nicht ein Beispiel daran nehmen? Sie könnten wohl, doch wollen sie überhaupt? Den politischen Willen vermag ich nicht zu erkennen, von einzelnen Stimmen abgesehen, die jedoch leider nicht erhört werden bzw. nicht ins Gewicht fallen, wenn es an die Abstimmungen geht.

Natürlich ist mir klar, dass im Kleinen wie im Großen und besonders in der Politik auch andere Interessen vertreten werden. Sogar der Rüstungsetat muss verzweifelt verteidigt und eine Erhöhung hart erkämpft werden. Wenn es an die Mittelvergabe geht, scheint es nur recht und billig zu sein, dass auch die Kultur zu kurz kommt. Der Staat hat halt Wichtigeres zu tun: sparen.

Die Pflicht zur schwarzen Null im Interesse folgender Generationen, die Stärkung der Wirtschaft, um die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze zu erhalten, all das wird gebetsmühlenartig heruntergeleiert.

Aber der Staat kann auch anders. Beispielsweise gut Diäten machen. Schnell und wirkungsvoll, frei nach der Devise: klotzen, nicht kleckern. Hauptsache es herrscht Einigkeit über die Prioritäten, damit das öffentliche Ansehen was hermacht. Schöne Lippenbekenntnisse und ein gepflegtes Erscheinungsbild, schicke Autos, eine tiefere Elbe und viel Symphonie für Prestigeprojekte.

Dagegen sieht ein bisschen Stadtkultur schon sehr fragwürdig aus. Für den Gloria-Tunnel sehe ich schwarz. Viel zu unterirdisch.

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