Robert Lebeck – ein Name, der bei Kenner*innen der deutschen Fotografie einen besonderen Klang hat. Jetzt zu sehen in Stade.
Stade. Seine Bilder sind mehr als bloße Abbildungen; sie sind Seismografen einer Epoche, Spiegel menschlicher Befindlichkeiten und – nicht zuletzt – Zeugnisse eines außergewöhnlichen fotografischen Talents. Vom 5. Juli bis zum 21. September 2025 öffnet das Kunsthaus Stade seine Türen für eine Hommage an diesen Meister der Reportagefotografie: die Ausstellung „Robert Lebeck. Hierzulande“.
Man könnte ihn als einen Chronisten des Augenblicks bezeichnen, einen Beobachter, dessen Kamera immer dann zur Stelle war, wenn das Leben seine ungestelltesten und wahrhaftigsten Momente offenbarte. Lebeck ((1929–2014) war kein Mann der großen Inszenierungen, sondern des feinen Blicks, der die vermeintliche Normalität in ein aussagekräftiges Tableau verwandelte. Das, was andere vielleicht übersehen hätten, fing er ein: die gestohlene Geste, das unbewusste Detail, das flüchtige Gefühl. Seine Aufnahmen, oft für den „Stern“ entstanden, wurden zu Legenden, weil sie nicht nur informierten, sondern auch tief berührten.
Im Zentrum der Stader Ausstellung stehen Lebecks Porträts, und hier zeigt sich seine Meisterschaft in ihrer ganzen Bandbreite. Er begegnete den Giganten seiner Zeit – Willy Brandt, dessen Augen die Last der Geschichte trugen; Maria Callas, deren Ausdruck die Dramatik ihrer Kunst spiegelte; Alfred Hitchcock, dessen Kauzigkeit auf seinen Bildern eine ganz eigene Pointe erhielt; oder Romy Schneider, in Momenten ungeschminkter Authentizität. Lebeck schaffte es, diesen Berühmtheiten so nahe zu kommen, dass ihre Prominenz in den Hintergrund trat und der Mensch zum Vorschein kam. Er verstand es, ihre Aura einzufangen, ohne sie zu entmystifizieren, sondern sie vielmehr in ihrer Menschlichkeit zu erden.
Doch Lebecks Blick war niemals elitär. Er galt in gleichem Maße den sogenannten „einfachen“ Menschen, denen er mit derselben Neugier und demselben Respekt begegnete. Er fotografierte, wenn die Liebe sich in einem Kuss offenbarte, wenn das Leben ausgelassen gefeiert wurde – sei es beim Trinken oder Tanzen. Aber auch die Schattenseiten des Daseins hielt er fest, immer mit einer spürbaren Empathie: Kriegsheimkehrer aus russischer Gefangenschaft, deren Blicke von unermesslichem Leid zeugten; die raue, doch lebendige Szene von St. Pauli nachts um halb eins; oder die Gesichter von Karnevalsgästen und Straßenmusiker*innen, in denen sich Freude, Melancholie und die Geschichten eines ganzen Lebens spiegelten.
Was Lebecks Werk so einzigartig macht, ist die Verbindung aus tiefem Mitgefühl, unstillbarer Neugier und einem feinen, oft hintergründigen Humor. Seine Fotografien sind ein umfassendes Sittenporträt unserer Gesellschaft, ein visuelles Archiv menschlicher Interaktionen, das über die Jahrzehnte hinweg seine Relevanz behalten hat. Man blickt auf seine Bilder und erkennt: Dies ist das Leben, in all seinen Facetten, eingefangen mit einer Ehrlichkeit, die selten ist.
Dass das Werk Robert Lebecks nun im Kunsthaus Stade gewürdigt wird, ist eine besondere Gelegenheit für das Publikum in der Region. Bereits zu seinem 80. Geburtstag wurde sein Schaffen im renommierten Gropius Bau in Berlin gefeiert – ein Beweis für seine nationale und internationale Bedeutung. Die Stader Ausstellung, die in Kooperation mit dem Kunstarchiv der Sparkassenstiftung Lüneburg und dem Archiv Robert Lebeck entsteht, verspricht, die Besucher*innen tief in die menschliche Seele blicken zu lassen. Ein Muss für alle, die sich für Fotografie, Zeitgeschichte und die kleinen, großen Dramen des Lebens begeistern.
Ausstellung „Robert Lebeck. Hierzulande“ – 05. Juli bis 21. September 2025
Kunsthaus Stade, Wasser West 7, 21682 Stade
