SuedLese 2025: Interview mit Ben Westphal zu seinem brandneuen Krimi

Schreiben als Ventil des Fahnders

Ben Westphal ist realer Rauschgiftfahnder, schreibt „nebenbei“ genau darüber Krimis und ist gerne gehörter Gast bei den SuedLese Literaturtagen. Das wollten wir mal genau wissen …

Ben Westphal, 1981 in Hamburg geboren, machte nach dem Abitur eine Ausbildung als Kriminalbeamter. 2006 wechselte er ins Rauschgiftdezernat. Einige Jahre später entdeckte er seine Leidenschaft fürs Schreiben.

Tiefgang (TG): „Der Bulle in der Hafencity“ ist der bereits fünfte Hafen-Krimi, der gerade frisch erscheint. Worum geht´s?

Ben Westphal: „Der Bulle in der HafenCity“ ist ein authentischer und realitätsnaher Krimi mit tiefen Einblicken in die Subkultur der organisierten Kriminalität. Ein südamerikanisches Kartell, das zunehmend versucht in Hamburg Fuß zu fassen, um den Markt mit allen Mitteln an sich zu reißen und dabei auch nicht davor zurückschreckt, über Leichen zu gehen, gerät ins Visier des Hamburger Rauschgiftdezernats.

Inmitten der kriminellen und mörderischen Machenschaften kann es der Pensionär und ehemalige Rauschgiftfahnder Gerd Sehling nicht sein lassen, sich immer wieder in die Ermittlungen der ehemaligen Kollegen einzumischen, nachdem er ominöse Treffen von altbekannten Drogendealern aus früheren Zeiten in der HafenCity beobachtet.

TG: Du bist gelernter Kriminalbeamter mit Schwerpunkt Rauchgiftkriminalität. Ist der Job nicht aufregend genug, dass man noch drüber schreibt? Wie ist es dazu gekommen?

Ben Westphal: Mein Weg vom Rauschgiftfahnder zum Krimi-Autoren ist gespickt von vielen Zufällen und Menschen, die mich aus purer Freundlichkeit unterstützt haben. Mit dem Schreiben eines Krimis habe ich begonnen, weil ich einem besonderen Kollegen, der stets das Herz am rechten Fleck trug, ein besonderes Pensionsgeschenk bereiten wollte. Er tat sich sehr schwer mit seiner Pensionierung. So wollte ich ihm mit meinem ersten Rauschgiftkrimi „Ich war Bulle“ die aufkommende Wehmut ein Stück weit nehmen und Hoffnung spenden, dass die Ermittlungen und der Kontakt zu uns trotz des Ruhestands nicht enden müssen. Hierbei fand er sich als Hauptprotagonist in der Geschichte wieder, als ehemaliger Bulle, der das ermitteln nicht sein lassen konnte.

Das zweite Buch „Bulle bleibt Bulle“ schrieb ich einem schwer an Lungenkrebs erkrankten Kollegen und sammelte 50 Extraseiten individueller Genesungswünsche ein, die ich dem Text in einem Unikat anfügte. Erst als dieses Buch gedruckt und das Feedback durchweg positiv war, fasste ich den Entschluss, es ein wenig professioneller angehen zu wollen. Durch die Buchhandlung am Sand, die meine im Selfpublishing erschienenen Bücher bei sich fest ins Sortiment aufnahmen, wurde ich an den Emons Verlag vermittelt, die ihr Interesse daran bekundeten, meinen dritten Band „Elbe Hafen Bulle“ zu veröffentlichen. Im letzten Jahr folgte mit „Der Bulle von Hamburg“ mein vierter Band, der endgültig dafür sorgte, dass meine Bücher in und um Hamburg in den Buchhandlungen auch dauerhaft zu finden sind.

Mein Beruf als Rauschgiftfahnder ist sehr abwechslungsreich, spannend und kurzlebig. Das Schreiben bietet mir jedoch zusätzlich ein kreatives Ventil, das ich nutzen kann, um viele Erlebnisse aus knapp zwanzig Jahren im Rauschgiftdezernat in meinen fiktiven Geschichten zu verarbeiten. Zudem erfüllt es mich mit purer Begeisterung, wenn ich Leserinnen und Lesern auf meinen Lesungen begegne oder auf der Arbeit und im privaten Umfeld angesprochen werde, und mir berichtet wird, wie viel Lesefreude meine Bücher bereitet haben. Es ist unglaublich motivierend weiterzumachen, neue Geschichten zu entwickeln und aufzuschreiben und sich immer wieder überraschen zu lassen, welche Türen sich als nächstes für einen öffnen und neue Erlebnisse mit sich bringen.

TG: Es gibt gleich zwei Lesungen bei der SuedLese. Und auch die vorherigen Kriminalromane wurden bei der SuedLese vorgestellt. Was macht die SuedLese so besonders?

Ben Westphal: Durch die Suedlese wurde mir in der Fischhalle Harburg im Jahr 2022 als völlig unbekannter Autor meines Selfpublishing-Krimis „Ich war Bulle“ eine Chance gegeben. Ich durfte im Rahmen einer Lesung meinen Weg zum Schreiben und mein Buch vorstellen. Sie war nicht nur mein erster Meilenstein in die Lesungswelt, sondern öffnete gleichzeitig meinen Weg nach Buxtehude, weil eine Veranstalterin im Publikum saß, die mich inzwischen bereits acht Mal zu Lesungen eingeladen hat.

Die Veranstaltung sowie die Einladung nach Buxtehude schenkten mir damals den Mut, mich um weitere Lesungen zu bemühen und ebneten mir den Weg weiter Fuß zu fassen in der Bücherwelt.

Aber nicht nur mir verhalf die Suedlese zu einer erfreulichen Aufmerksamkeit. Sie schenkt vielen kleinen Veranstaltern, unbekannten Autoren und Künstlern ein öffentliches Fenster, unterstützt sie bei der Werbung für Lesungen durch eine breite Öffentlichkeit und verhilft kulturellen Veranstaltungen in schweren Zeiten wieder dazu, in den Mittelpunkt des Interesses gerückt zu werden.

TG: Was reizt beim Schreiben und wie lange braucht so ein Roman?

Ben Westphal: Das Schreiben gibt mir die Möglichkeit, Erlebnisse zu verarbeiten, aber gleichzeitig auch Menschen zu erreichen und ihnen eine Freude zu bereiten mit unterhaltsamen und ebenso spannenden Lesestunden.

Das Schreiben an sich ist für mich mindestens ebenso unterhaltsam, wie einen guten Film zu schauen oder ein spannendes Buch zu lesen. Natürlich habe ich inzwischen die Geschichten im Groben vorgeplant bevor ich mit dem Schreiben beginne. Dennoch durchlebe ich das jeweilige Kapitel, das ich am Abend auf der Couch schreibe, mit vollem Herzen, bin praktisch in Gedanken dabei, wenn mein Pensionär seine Beobachtungen macht, die Bösen ihrem Treiben nachgehen oder die Kollegen mit Sonderrechten auf Verbrecherjagd durch die Straßen Hamburgs jagen. Wenn ich mit einer Geschichte begonnen habe, dann will ich diese ebenfalls unbedingt von der ersten bis zur letzten geschriebenen Seite durchleben und bin manchmal selbst überrascht über Wendungen, die sich erst im Verlauf des Schreibens ergeben.

Für ein Manuskript benötige ich ungefähr vier bis sechs Monate. Jeden Abend schreibe ich ein Kapitel, wobei es auch Tage gibt, an denen ich nicht zum Schreiben komme. Nach der Abgabe an den Verlag vergehen weitere acht Monate bis zur Veröffentlichung des Buches, die gefüllt sind mit dem Lektorat und dem Korrektorat, dem Layout sowie dem Finden eines Titels und eines Covers.

TG: Hamburgs Süden ist nicht gerade für Kultur bekannt. Wie aber ist der Eindruck bei den Lesungen?

Ben Westphal: Ich empfinde den Hamburger Süden und dessen Umland als sehr kulturinteressiert und lesebegeistert. Das Publikum geht bei den Geschichten mit, lacht gerne dabei und freut sich über jeden Funken Lokalkolorit, der sich in den Büchern wiederfindet. Es besteht eine große Herzlichkeit und Dankbarkeit dem Autoren gegenüber und sie haben es mir noch niemals übelgenommen, wenn ich mal wieder maßlos überziehe.

Im Hamburger Süden spielen Großteile meiner ersten Bücher. Hier fanden sie ihren Weg in den realen Buchhandel und es wurde völlig uneigennützig der Grundstein für meinen schriftstellerischen Werdegang gelegt. Ich verspüre hierfür eine große Dankbarkeit und komme daher immer gerne zurück in den Hamburger Süden, der mir inzwischen so viel Licht geschenkt hat, nach all seinen Schattenseiten, die ich zuvor berufsbedingt kennenlernen musste.

TG: Vielen Dank für das Gespräch und sowohl in Harburg als auch Kirchdorf wünschen wir ein volles Haus!

Termine:  

  • Do., 20. März, 19 Uhr: Ben Westphal – Der Bulle in der Hafencity (Buchpremiere!), Eintritt: 15,- €

          Fischhalle Harburg | Kanalplatz 16 | 2 079 Hamburg-Harburg (Hafen)

  • Sa., 29. März, 18 Uhr: Ben Westphal – Der Bulle in der Hafencity, Eintritt: 8,- € / erm. 5,- €

          Bücherhalle Kirchdorf | Wilhelm-Strauß-Weg 2 | 21109 Hamburg-Kirchdorf

Zur Buchvorstellung berichtete das Hamburg Journal vom NDR am 14. März. 2025:

 

 

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