Die Zaunreiterin – Kunst im Zwischenraum

Bild einer Klientin - Die Zaunreiterin

Die Figur der Zaunreiterin gehört zu den archetypischen Gestalten an den Übergängen. In vielen mythologischen Traditionen erscheinen Wesen, die zwischen den Welten leben. Sie bewegen sich an Schwellen und an Orten, an denen Grenzen durchlässig werden.

von Ulrike Hinrichs

Der Begriff der Zaunreiterin wird oft mit der Figur der weisen alten Frau verbunden. Sie lebt am Rand des Dorfes. Sie kennt die Schwellenräume und kann den Zaun (die Grenzen) zwischen den Welten überschreiten. In der Arbeit mit Ahnenbildern kann die mythische Figur der Zaunreiterin eine hilfreiche Metapher sein. Die Zaunreiterin erinnert daran, dass biografische und transgenerationale Themen oft an den Rändern auftauchen. An den Stellen, an denen etwas weder ganz sichtbar noch ganz verborgen ist. Sie steht für das Lauschen auf leise Impulse, für das Wahrnehmen von Emotionen, Erinnerungen und inneren Bildern, die sich erst allmählich zeigen.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Die Ahnenreise beschreibt in diesem Zusammenhang einen inneren Prozess. Menschen wenden sich bewusst den Geschichten ihrer Herkunft zu. Sie betrachten familiäre Muster und wiederkehrende Themen. Sie erkennen Belastungen und Ressourcen, die über Generationen weitergegeben wurden. Die Reise führt nicht in eine äußere Welt. Sie führt in die eigene innere Geschichte und in die Beziehung zu denjenigen, die vor einem lebten.

Die Zaunreiterin dient dabei als Symbol für eine achtsame Haltung. Sie lädt dazu ein, Fragen zu stellen. Welche Spuren meiner Ahnen trage ich in mir? Was davon stärk mich? Was belastet mich? Was darf ich neu gestalten? Was braucht Heilung?

Die Zaunreiterin hilft, diesen Prozess nicht wertend, sondern beobachtend zu begleiten. So verbindet sich die mythologische Bedeutung der Figur mit der psychologischen Perspektive der Ahnenarbeit.

Die Zaunreiterin als Collage

Die Zaunreiterin lädt dazu ein, die innere Schwelle zu überschreiten. Sie fordert dazu auf, bewusst hinzusehen. Die Kunst als Ausdrucksform hilft dabei.

Wenn du diesen Impuls künstlerisch aufgreifen möchtest, kannst du dazu eine Collage gestalten, wie wir es in meiner Gruppe Heimat und Biografie: Begegnungen mit Pinsel und Farbe gemacht haben. Als Beispiel ist ein Werk aus der Gruppe abgebildet. Die Collage „Die edle Rebellin“ verbindet eine fröhliche, farbintensive Figur mit einer ruhigeren, fast zeitlosen Person in Schwarzweiß. Es ist ein Foto der Großmutter, welches in die Collage eingearbeitet wurde. Dadurch entsteht ein Gefühl von zwei Zeitebenen, die gleichzeitig anwesend sind. Vergangenheit und Gegenwart. Die Motive aus Nahrung, Pflanzen und organischen Mustern vermitteln Erdung. Sie wirken wie Symbole für Versorgung, Fülle und das Wissen der Kräuterfrauen. Auch das kleine Stofftier mit Verband weckt Assoziationen an Fürsorge und Heilung. Die Collage erzählt von einer Figur, die beides vereint: Erdung und Wildheit. Humor und Ernst. Vergangenheit und Gegenwart. Sie wirkt wie eine Ahnin, die sich zeigt, um Kraft zu geben und gleichzeitig etwas zu hinterfragen.

Wie sieht deine Collage aus?

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