Kommunikation der Bezirksversammlung an Geförderte irritiert

Böhmsche Briefe

Geht es nach der Harburger Bezirksversammlung versiegen manche Förderquellen (Foto: ptra / Pixabay)

Viele Institutionen erreichten die Tage Briefe der Bezirksversammlung, die im Grunde nur eines sagen: gefördert wird weniger und eher Neues. Die Wirkung ist fatal und völlig überflüssig!

Wer in diesen Tagen über die Elbe blickt, sieht nicht nur den Nebel über den Harburger Schloßbezirk ziehen, sondern auch das herannahende Ende einer mühsam kultivierten Hoffnung. Es geht um mehr als nur ein paar Euro für Stadtteilfeste; es geht um die Seele eines Bezirks, der sich gerade erst anschickte, sein kulturelles Selbstbewusstsein in einem Kulturentwicklungsplan (KEP) zu manifestieren. Doch während die Tinte unter den lobenden Worten zum Runden Tisch Kultur kaum getrocknet ist, erreicht die Kulturschaffenden und andere ein Schreiben, das wie ein Grabstein für bürgerschaftliches Engagement wirkt.

Die Szenerie ist paradox: Über Jahre hinweg saßen Politiker*innen, Verwalter*innen und Kulturschaffende an jenem Runden Tisch zusammen. Man entwarf Visionen, priorisierte Handlungsfelder und feierte die Kooperation als neues Zeitalter der Ermöglichung. Doch nun, im Februar 2026, scheint das politische Gedächtnis eine fatale Lücke aufzuweisen. Holger Böhm, der Vorsitzende der Bezirksversammlung, verschickt Briefe, die die bisherige Förderung kurzerhand zur bloßen Anschubfinanzierung umdeuten. Eine dauerhafte Unterstützung? Nicht vorgesehen.

Für das Netzwerk SuedKultur, das seit 2007 die zerstreuten kreativen Energien südlich der Elbe bündelt, ist dies ein Schlag ins Gesicht. Jan Schröder und seine Mitstreiter*innen sehen die Kulturentwicklung beerdigt, bevor sie überhaupt richtig laufen lernte. Projekte wie die SuedLese, Sommer im Park oder das Hafenfest sind keine Eintagsfliegen, die nach einem Schubs von alleine fliegen. Sie sind gewachsene Institutionen, die auf Verlässlichkeit angewiesen sind. Wer Kultur nur als Startup-Modell begreift, das sich nach zwei Jahren selbst tragen muss, verkennt die ökonomische Realität soziokultureller Arbeit fundamental.

Der Verweis auf die Förderrichtlinie für Gestaltungsmittel wirkt dabei wie eine bürokratische Nebelkerze. Zwar wird dort von innovativen Ansätzen gesprochen, doch der Geist des Kulturentwicklungsplans zielte gerade auf die Stärkung vorhandener Strukturen ab. Wie sollen eine Kulturkoordination oder ein Raummanagement Früchte tragen, wenn der Boden, auf dem sie wachsen sollen, systematisch ausgetrocknet wird? Es entsteht der Eindruck einer Einschüchterungstaktik, die jene bestraft, die über Jahre hinweg ehrenamtlich das Rückgrat der Harburger Identität gebildet haben.

Harburg droht nun, das zu verlieren, was es sich mühsam erkämpft hat: eine Sichtbarkeit, die über die Grenzen des Bezirks hinausstrahlt. Wenn die Bezirksversammlung sich auf den Standpunkt zurückzieht, dass Bewährtes kein Geld mehr wert ist, wird Innovation zum Selbstzweck degradiert. Ein Hafenfest ohne Tradition ist nur eine leere Kaimauer, eine Lesereihe ohne Kontinuität nur ein flüchtiges Wort im Wind.

Die Frage, die über dem Rathausplatz schwebt, ist existenziell: Besteht wirklich ein Interesse an einer nachhaltigen Kulturentwicklung, oder war der Runde Tisch nur eine folkloristische Inszenierung, um die Akteur*innen ruhigzustellen? Wenn die Politik jetzt nicht einlenkt und die nötige Planungssicherheit garantiert, wird der Kulturentwicklungsplan als das teuerste Märchenbuch in die Harburger Geschichte eingehen. Es ist Zeit, die Schaufeln beiseitezulegen und stattdessen das Fundament zu stärken, auf dem die Vielfalt dieses Bezirks ruht. Kultur ist kein Projekt, das man anstößt und dann vergisst – sie ist ein Prozess, der Atem und Ausdauer verlangt. Alles andere wäre in der Tat ein Begräbnis erster Klasse.

Harburgs Politik wäre gut beraten, künftig eine andere Kommunikation an den Tag zu legen. Viel, bedeutender aber wäre wohl, ernsthaft darlegen zu können, dass man in der Hamburger Bürgerschaft und im Senat die Interessen Harburgs vertritt und sich für eine bessere Finanzierung einsetzt. Davon war bisher wenig zu lesen und zu hören. Und einfach nur zu Jammern, das Geld sei zu knapp, ist ja der Vorwurf, den eigentlich sonst Kulturschaffende zu hören bekommen.

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