´Obsessive Underground Festival` feiert in Harburg Abschied:

Der Pirat aus dem Stadtpark

Elbperle Soma Pysall als Meerjungfrau (Fotos (4): Kathrin Enghunsen)

Das Harburger „Stellwerk“ im Bahnhof Harburg wird am Wochenende zum großen Kino. Denn das international schon preisgekrönte Hamburger Filmkollektiv “Obsessive Filmmakers” lädt zur Premiere ihres zweiten gemeinsamen Spielfilms.

An diesem Wochenende, 02. und 03. Dezember 2017, findet das sechste und letzte internationale „Obsessive Underground Film Festival“ statt. Jeweils ab 18:00 werden im Stellwerk im Bahnhof Harburg (über dem Fernzuggleis 3) Harburg Independent Kurz- und Spielfilme aus aller Welt gezeigt. „Erstmals werden wir in dieser Ausgabe auch Awards vergeben. Bei uns gibt es den ´Goldenen Dietrich` – gestaltet nach dem Ebenbild von Dietrich Kuhlbrodt, Oberstaatsanwalt a. D., Filmkritiker und Schauspieler, der auf unserem Plakat von je her charmant den Mittelfinger zeigt. 
Am Samstag Abend präsentieren wir romantische Komödien. Es gibt, wie bei unserem Festival üblich, einen Sektempfang um 18:00. Danach läuft ein Kurzfilm-Block und schließlich die Spielfilme „Naomi and the Pirate“ (Premiere) und „On the 7th Date“,
so Lars Henriks, einer der Organisatoren.  

Erstmals Preisverleihungen

Der Sonntag steht dann ganz im Zeichen des Genres. Fantasy, Horror und SciFi Kurzfilme ab 18:00, danach der Spielfilm „Absorption“. Beendet wird der Abend mit der Preisverleihung. Über die Preisträger kann das Publikum an beiden Tagen schriftlich abstimmen. Viele der Filmemacher*innen werden anwesend sein und dem Publikum Rede und Antwort stehen.

Klabautermann Jens Holzheuer

Da zwei der drei Veranstalter*innen im Januar das Land verlassen, um den widrigen Umständen, die unabhängigen Filmproduktionen in Deutschland im Weg stehen, zu entgehen, wird dies allerdings das letzte Obsessive Underground Festival in Hamburg sein.

Premiere hat zudem der Film “Naomi & the Pirate” – eine romantische Komödie irgendwo zwischen “Manhattan” und “Der kleine Prinz”. Naomi ist noch nicht so richtig über die Trennung von ihrem Ex-Freund David hinweg, als eines Abends Isaac vor ihrer Tür steht, behauptet, ein Pirat zu sein, und sie bittet, ein paar Tage auf ihrer Couch übernachten zu dürfen. Isaacs weltfremde Art und seine bunten Lügengeschichten stellen Naomis ganze Welt auf den Kopf. Zwischen schwarz-weißem Alltag und knallbunter Kinderbilderbuch-Ästhetik, begleitet von einem melancholischen Jazz-Soundtrack, wechseln sich Diskussionen über Alltagsprobleme urbaner Mittzwanziger mit phantasievoll-philosophischen Episoden ab.

Filmdreh: Schwertkampf im Harburger Stadtpark.

Stadtpark statt Hollywood

Den Soundtrack zum Film steuerte der britische Komponist Johnny Moutzouris bei, der dieses Jahr unter anderem für den renommierten Kurt-Raab-Preis nominiert war. Ein Jazz-Septett spielte alles live ein. Im Cast finden sich neben Kino-Legenden wie Dietrich Kuhlbrodt (bekannt aus Lars von Triers “Europa” und sämtlichen Arbeiten von Christoph Schlingensief) bekannte Fernsehgesichter wie Soma Pysall (“In your Dreams”, “Tierärztin Doktor Mertens”) und Hamburger Theaterschauspieler wie Moritz Mutzmann und Anna Koslowski. Und es wurden etliche Szenen an naheliegenden also Hamburger und auch Harburger Orten gedreht – so an der Elbe oder im Harburger Stadtpark.

Celine Yildirim als Piratin Anne Bonny

Die Filmemacher Nisan Arikan und Lars Henriks sind keine Neulinge im Independentfilm-Geschäft: Vor “Naomi & the Pirate” drehten sie bereits die Science Fiction Komödie “Leon muss sterben”, die auf zahlreichen Festivals in aller Welt lief und Auszeichnungen in den USA, Italien und Vietnam gewann. Nisan Arikan zeichnet sich bei beiden Filmen für Produktion, Ausstattung und Schnitt verantwortlich, Lars Henriks führte Regie und schrieb die Drehbücher. Beide sind als Schauspieler bereits aus Film und Fernsehen bekannt (Nisan Arikan u. a. aus “Macho-Man”, “Kückückskind” und “Morden im Norden”, Lars Henriks aus “In your Dreams” und “Die Pfefferkörner”)

Die Premiere von “Naomi and the Pirate” im Rahmen des letzten “Obsessive Underground Festivals” wird eine kurze aber fruchtreiche Ära des phantasievollen Independentfilms in Hamburg, der die engen Grenzen des deutschen Marktes sprengt, vorerst beenden. Verpassen sollte das niemand.

sued-kultur.de/Termin

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