Kulturstiftung des Bundes bewilligt 26,6 Mio. Euro für digitale Vorhaben

Die Kunst und das Hacking

Eselsohrenfrei: Manches Buchregal ist schon komplett digitalisiert (Foto: janeb13 / Pixabay)

Die Digitalisierung kommt nicht und bietet sich an. Sie ist da und verändert uns bereits permanent. Jetzt trifft es auch die Kultur. Und sie soll dabei nicht einfach zusehen sondern aktiv gestalten.

Unter Vorsitz der Kulturstaatsministerin Monika Grütters tagte kürzlich der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes und damit bereits zum 34. Mal seit Gründung der Stiftung im Jahr 2002. Verabschiedet wurden diesmal Programme und Projekte im Umfang von insgesamt 26,6 Mio. Euro.

Das größte Vorhaben dabei ist das Programm Kultur digital. Es erhält bis Jahresende 2024 insgesamt 18 Mio. Euro. Gefördert werden insbesondere die Entwicklung und Umsetzung digitaler Vorhaben in den Bereichen digitales Kuratieren, künstlerische Produktion, Vermittlung und Kommunikation in Kulturinstitutionen jeglicher Sparten. Die Häuser arbeiten im projektbezogenen Verbund von mindestens zwei Kultureinrichtungen sowie mit Expertinnen für Digitales zusammen, um sich neue Kompetenzen anzueignen, Wissen und Inhalte auszutauschen und in offenen Netzwerken zu veröffentlichen. Ab Herbst 2018 können dafür Anträge für bis zu 880.000 Euro pro Verbund im Fonds digitalgestellt werden.

Außerdem wird bis 2022 achtmal ein Kultur-Hackathon Coding da Vinci bundesweit an wechselnden Standorten ausgerichtet, um weniger erfahrenen Kultureinrichtungen Einblicke in die Möglichkeiten digitaler Technologien zu geben. Der Hackathon ist ein Veranstaltungsformat, das Kultureinrichtungen aller Sparten mit Experten aus den Bereichen Programmierung, Entwicklung, Design oder Computerspiel zusammenbringt und sich dafür einsetzt, das Angebot offener und frei zugänglicher Kulturdaten auszubauen.

Als drittes Vorhaben im Rahmen des Programms Kultur digital werden in den Jahren 2019 bis 2021 insgesamt 54 Künstlerstipendien für Theaterschaffende an der in Gründung befindlichen Akademie für Digitalität und Theater, einer gemeinsamen Initiative des Theater Dortmund, des Landes NRW und der Stadt Dortmund, gefördert. Mit der Akademie, die in Kooperation mit dem Deutschen Bühnenverein, der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft, der Folkwang Universität der Künste und der Fachhochschule Dortmund aufgebaut wird, entsteht für die Theater in Deutschland erstmals ein Ort der digitalen künstlerischen Forschung und der Aus- und Weiterbildung des künstlerischen wie auch technischen Personals.

Die Nachfrage nach Förderungen im 2011 gegründeten Fonds Doppelpass für Kooperationen im Theater zwischen festen Häusern und freier Szene ist durch die Erweiterung um internationale Partnerschaften im Jahr 2016 noch einmal enorm gestiegen. Deshalb wird der Fonds um 3,3 Mio. Euro bis 2022 aufgestockt. Bisher wurden bereits 85 Kooperationen in diesem Fonds gefördert.

Das Projekt Atlas der Sternenhimmel widmet sich der Erforschung, Dokumentation und digitalen Präsentation der Sternenhimmel und ihrer Deutung in den verschiedenen Kulturen. Die von dem Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Raoul Schrott aus aller Welt zusammengetragenen Erzählungen bilden die Grundlage für die Entwicklung eines digitalen Erzählformats für sphärische Kuppelprojektionen, das weltweit in Planetarien gezeigt werden kann. Die Kooperation der Stiftung Planetarium Berlin mit der auf Medieninszenierungen spezialisierten Agentur TRIAD garantieren Full-Dome-Präsentationen auf dem neuesten Stand der als Open Source frei zugänglichen Technologie von Planetarien. Für dieses Projekt stellt die Kulturstiftung des Bundes im Zeitraum 2018 bis 2023 insgesamt 955.000 Euro zur Verfügung.

Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Donaueschinger Musiktage im Jahr 2021 fördert die Kulturstiftung des Bundes ein drei Jahre währendes umfängliches Konzertprojekt zur Musik des Globalen Südens. Von Ländern auf dem afrikanischen Kontinent, der Region Südostasien oder dem iberoamerikanischen Raum gehen zahlreiche Impulse für die Neue Musik aus, die in den deutschen Musikszenen mehr Beachtung finden sollen. Nach intensiver Recherche sollen zehn Kompositionsaufträge vergeben und drei Ensembles aus diesen Weltgegenden zum Jubiläum nach Donaueschingen eingeladen werden. Die Donaueschinger Musiktage erhalten dafür 385.000 Euro.

In der antragsgebundenen Allgemeinen Projektförderung empfahl die Jury 25 Projekte mit einer Gesamtförderung in Höhe von 4 Mio. Euro, unter anderem folgende Projekte:

  • Das Staatsschauspiel Stuttgart gründet mit dem Nowy Teatre in Warschau und dem Zagreb Youth Theatre ein gemeinsames „Europa Ensemble“ mit Schauspielern und Regisseurinnen aus Kroatien, Bosnien, Polen, Griechenland und Deutschland.
  • In seiner diesjährigen Ausgabe befasst sich das internationale Rudolstadt-Festival mit der Geschichte und Aktualität des Arbeiterliedes.
  • Die Münchner Kammerspielediskutieren im Rahmen eines interdisziplinären Themenfestivals die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz.
  • Der Berliner Verein Kulturbrücke sucht im Rahmen einer Akademie nach neuen Impulsen für die Lyrikkritik.
  • Die Schwetzinger Festspiele befassen sich musikalisch mit dem Motiv Sprache im Mythos vom Turmbau zu Babel.
  • Das Kulturzentrum Kampnagel Hamburg richtet die erste Einzelausstellung zur Musikerin, Producerin und Performerin Peaches aus.
  • Mit einem internationalen Tanzprojekt zum Wandel der Ideen von Körperlichkeit thematisiert das Düsseldorfer tanzhaus nrw den menschlichen Körper der Zukunft.
  • Das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen widmet sich spartenübergreifend den unterschiedlichsten künstlerischen Pflanzendarstellungen.
  • Die Kunsthalle Rostock fokussiert mit einem internationalen Ausstellungsprojekt den ehemaligen Palast der Republik.
  • Der Schinkel Pavillon in Berlin präsentiert eine internationale Auswahl zeitgenössischer feministischer Positionen.
  • Die Berliner Costa Compagnie widmet sich in einer Bühnenproduktion dem Outsourcing von Altenpflege in den Globalen Süden.
  • „ACHT BRÜCKEN“, Kölns Festival für zeitgenössische Musik, porträtiert den zeitgenössischen griechisch-französischen Komponisten Georges Aperghis.

Alle geförderten Projekte und detaillierte Informationen finden sich hier.

Das Programm Kultur digital (Arbeitstitel) will Kultureinrichtungen motivieren und sie darin unterstützen, die digitalen Möglichkeiten und Herausforderungen der Gegenwart selbstbestimmt und gemeinwohlorientiert mitzugestalten und ihnen kreativ, aber auch kritisch zu begegnen. Wie können Museen und Theater, Konzert- und Literaturhäuser auf die technologischen Innovationen reagieren? Welche Formen der Vermittlung, der Produktion und der Kommunikation mit ihren Besucherinnen und Besuchern bringen die Einrichtungen voran? Bisher haben in Deutschland erst wenige Kultureinrichtungen begonnen, digitale Konzepte und Angebote zu erarbeiten und ihre Institutionen in dieser Richtung weiterzuentwickeln. Oft fehlen im künstlerischen Betrieb noch die Kompetenzen und das fachliche Know-how, um die meist hochdynamischen digitalen Techniken und Angebote zu beurteilen oder zu nutzen. Kultur digital verfolgt grundsätzlich einen Open-Access und Open-Source Ansatz.

Das Programm besteht aus drei Modulen:
Modul I: Fonds digital

Das zentrale Vorhaben soll die Einrichtung des antragsoffenen „Fonds digital“ (Arbeitstitel) sein. Der Fonds bietet Kulturinstitutionen die Möglichkeit, auf Grundlage bereits erprobter Maßnahmen – wie Online Sammlungen oder dem Einsatz von Social Media – richtungsweisende digitale Strategien und Konzepte umzusetzen sowie begonnene Veränderungsprozesse auszubauen. Gefördert wird die Entwicklung und Umsetzung digitaler Vorhaben in den Bereichen digitales Kuratieren, digitale künstlerische Produktion, digitale Vermittlung und Kommunikation. Die Häuser arbeiten im projektbezogenen Verbund von mindestens zwei Kultureinrichtungen sowie mit Expertinnen und Experten für Digitales zusammen, um sich neue Kompetenzen anzueignen, Wissen und Inhalte auszutauschen und in offenen Netzwerken zu veröffentlichen. Für einen solchen Verbund können für die Dauer von vier Jahren bis zu 880.000 Euro bei der Kulturstiftung des Bundes beantragt werden. Für jede weitere Kulturinstitution in einem größeren Verbund können zusätzlich bis zu 200.000 Euro gewährt werden. Für dieses Modul stehen 15,8 Millionen Euro zur Verfügung. Voraussichtlich im Herbst 2018 wird der Fonds für Anträge geöffnet.

Als Informations- und Beratungsangebot veranstaltet die Kulturstiftung Informationstouren im Bundesgebiet. Um die geförderten Institutionen und Verbünde darüber hinaus fachlich zu begleiten, den gemeinsamen Austausch zu befördern und auch Beispielvorhaben aus dem internationalen Raum einzubeziehen, sind ein regelmäßiges Digital Lab sowie einmalig ein bundesweiter Ideenkongress geplant – mit Workshops, Fach-Kolloquien, internationalen Exkursionen und Fortbildungen für das Personal in Kultureinrichtungen.

Modul II: Kultur-Hackathon Coding da Vinci

Um weniger erfahrenen Institutionen Einblicke in die Möglichkeiten digitaler Technologien zu bieten, soll der Kultur-Hackathon Coding da Vinci bis zu achtmal programmbegleitend und an bundesweit wechselnden Standorten ausgerichtet werden. Der Kultur-Hackathon Coding da Vinci ist ein Veranstaltungsformat, das Kultureinrichtungen aller Sparten mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Programmierung, Entwicklung, Design oder Computerspiel zusammenbringt und sich dafür einsetzt, das Angebot offener und frei zugänglicher Kulturdaten auszubauen. Die Kulturstiftung kooperiert hierfür mit den Gründerinstitutionen des Kultur-Hackathons,  dem Wikimedia Deutschland e.V., der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Open Knowledge Foundation und dem Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS):Für dieses Modul stehen in den Jahren 2019 bis 2022 1,2 Millionen Eurozur Verfügung.

Modul III: Akademie für Digitalität und Theater

Als drittes Vorhaben im Rahmen des Programms werden in den Jahren 2019 bis 2021 insgesamt 54 Künstlerstipendien für Theaterschaffende an der in Gründung befindlichen Akademie für Digitalität und Theater, einer gemeinsamen Initiative des Theater Dortmund, des Landes NRW und der Stadt Dortmund gefördert. Mit der Akademie, die in Kooperation mit dem Deutschen Bühnenverein, der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft, der Folkwang Universität der Künste und der Fachhochschule Dortmund aufgebaut wird, entsteht für die Theater in Deutschland erstmals ein Ort der digitalen künstlerischen Forschung und der Aus- und Weiterbildung des künstlerischen wie auch technischen Personals. Die künstlerischen Forschungsstipendien an der Akademie werden mit 1 Million Euro gefördert.

Die Kulturstiftung des Bundes stellt für das Programm Kultur digital im Zeitraum 2018 bis 2024 insgesamt 18 Millionen Euro zur Verfügung.

Quelle: kulturstiftung-des-bundes.de/kulturdigital

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