Rück- und Vorschau der Deichtorhallen/Sammlung Falckenberg

Gepresst, gedrückt, gequetscht

2022 bei Falckenberg: DieterRoth - EingerissenerHase, 1990 (© Dieter Roth Foundation, Hamburg Courtesy Hauser & Wir)

Im Jahr 2022 präsentieren die Deichtorhallen Hamburg wieder ein breit gefächertes Ausstellungsprogramm mit zahlreichen jungen und internationalen Positionen sowie groß angelegten Einzelausstellungen.Auch in Harburg.

Im Mittelpunkt des Programms steht die im Mai 2022 eröffnende 8. Triennale der Photographie Hamburg. Neben der Erweiterung digitaler Formate setzen die Deichtorhallen Hamburg auch ihre konzeptionelle Öffnungsstrategie fort.

RÜCKBLICK AUF 2021

Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg blickt auf ein erfolgreiches Ausstellungsjahr 2021 zurück: »Trotz der komplizierten Situation mit zahlreichen Verlängerungen und Verschiebungen wurden die in 2021 gezeigten Ausstellungen in allen drei Häusern hervorragend von unseren Besucher*innen wahrgenommen. Mit dem PHOXXI wurde ein temporäres Ausstellungshaus direkt an die Deichtorhallen angeschlossen, um unser Programm über die dreijährige Sanierungszeit des Hauses der Photographie fortzusetzen. Obwohl die Halle für aktuelle Kunst, das PHOXXI und die Sammlung Falckenberg für rund drei Monate im Lockdown geschlossen waren, ist bis zum Jahresende 2021 mit über 80.000 Besucher*innen zu rechnen. Dahinter steht das große Engagement nicht nur unseres Teams, sondern auch das unserer Partner, Förderer, Sponsoren und Freund*innen.«

»Wir freuen uns, dass wir mit Hapag-Lloyd und dem Unternehmen Peter Kölln in dieser schwierigen Zeit zwei herausragende neue Partner an unser Haus holen konnten, die unsere bestehenden Hauspartnerschaften mit WhiteWall und Ernst & Young ideal ergänzen«, reflektiert Bert Antonius Kaufmann, kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen Hamburg. »Mit der bis Herbst 2024 andauernden Sanierung des Denkmals der südlichen Deichtorhalle, in dem sich das Haus der Photographie befindet, konnte eines der größten Bauprojekte der Stadt Hamburg erfolgreich begonnen werden. Außerdem ist es uns gelungen, mit dem Berliner Bahnhof und der Außengastronomie Containers on the Green eine kulinarisch anspruchsvolle und atmosphärische Gastronomie zu eröffnen, die perfekt zu einem Besuch in den Deichtorhallen passt.«
 
Die Ausstellung zu KATHARINA SIEVERDING in der Sammlung Falckenberg, deren Beginn ursprünglich für November 2020 geplant war, konnte Anfang März 2021 mit viermonatiger Verspätung eröffnet und bis Ende Juli verlängert werden. Sie wurde an das Museum Frieda Burda in Baden-Baden weitergegeben. Ebenfalls verschoben und um mehrere Monate verlängert werden konnten die Ausstellungen FAMILY AFFAIRS – FAMILIE IN DER AKTUELLEN FOTOGRAFIE (ab Mitte Mai 2021) und die in 2020 nur für vier Tage geöffneten Werkschau von WILLIAM KENTRIDGE (ab 23. Oktober 2020) bis in den Sommer verschoben bzw. verlängert werden. Zur Kentridge-Ausstellung fand erstmalig das digitale Symposium »Zwischen Magie und politischem Diskurs« mit hochkarätigen internationalen Referent*innen statt.

Das spektakuläre SPACE PROGRAM: RARE EARTHS (SELTENE ERDEN) von TOM SACHS erweist sich seit Mitte September 2021 als großer Publikumserfolg. Auch das neue Ausstellungshaus PHOXXI. Haus der Photographie temporär, das Ende September mit Ausstellungen der drei jungen Künstler*innen JACK DAVISON, OMER FAST und FRIDA ORUPABO eröffnet wurde, erfreut sich seither großer Beliebtheit. In der Sammlung Falckenberg war die ABY WARBURG-Ausstellung mit der vollständigen Präsentation des originalen Bilderatlas Mnemosyne von großem Interesse für die Besucher*innen.

Das vom DAAD, dem Museum für Naturkunde Berlin und der HTW Berlin organisierte und vom Auswärtigen Amt finanzierte deutsch-afrikanische Pilot-Austauschprogramm »The MuseumsLab«, an dem die Deichtorhallen Hamburg teilnahmen, setzte in 2021 die programmatische Öffnungsstrategie der Ausstellungshauses fort. Dieses innovative Format sorgte an den Deichtorhallen Hamburg u.a. durch die Hospitation von Janine Gaëlle Dieudji, Ausstellungsleiterin des Museum of Contemporary Art Africa Al Maaden (MACAAL) in Marrakesch, für einen lebendigen transkulturellen Dialog, der in das multiperspektivisches Ausstellungsprogramm der nächsten Jahre einfließen wird.

Auch das digitale Angebot der Deichtorhallen Hamburg wurde in 2021 ausgebaut. In Kooperation mit ByteFM wurde im März 2021 der Podcast »Das ist Kunst« gestartet, der mit sechs bisher veröffentlichten Folgen bereits zu den erfolgreichsten Podcasts Deutschlands im Bereich Kunst und Kultur gehört. Die bei den Besucher*innen beliebte Videoreihe INTRO wurde fortgesetzt und im Online-Magazin HALLE4 erschienen über 30 Interviews, Artikel und Kolumnen.

AUSBLICK AUF 2022

»Die unsteten Zeiten, in denen wir uns befinden, spiegeln sich immer auch im künstlerischen Blick auf die Gesellschaft wider. Der Blick von ‚Außen‘ auf die menschliche Existenz, die Kunst im Exil, aber auch der Wert der Kunst für die globale Gesellschaft sind Themen, die sich 2022 in unseren Ausstellungen wiederfinden. Was macht uns aus? Was erschaffen wir gemeinsam im Austausch mit anderen Kulturen? Das sind Fragen, die in den ausgewählten Ausstellungsprojekten sichtbar und spürbar werden«, erklärt Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg.

Das neue Ausstellungsprogramm 2022 beginnt mit GUTE AUSSICHTEN 2020/2021 – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE. Im PHOXXI werden vom 11. Februar – 1. Mai 2022 die Preisträger*innen des renommierten Nachwuchspreises für Fotografie-Absolvent*innen präsentiert. Im 17. Jahrgang von gute aussichten wählte die Jury acht Preisträger*innen aus, welche ihre Modelle und Motive in zahlreiche mögliche Wirklichkeiten, die allesamt das Schöne, das Schäbige oder das Schwankende offenbaren, zerlegen.

Die unter dem organisatorischen Dach der Deichtorhallen Hamburg ausgerichtete 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 wird in insgesamt zwölf Ausstellungen das Thema »Currency« aus verschiedenen Blickwinkeln und in unterschiedlichen Interpretationen beleuchten. Vom Fotoalbum aus der Kolonialzeit über bildgewordene Phantasien, experimentelle Aufnahmen bis zur sozialen Dokumentarfotografie reicht die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Möglichkeiten, mit denen Fotografien produziert, zirkuliert und interpretiert werden.

Im Rahmen der Triennale präsentieren alle drei Häuser der Deichtorhallen Hamburg ab dem 20. Mai 2022 ihre Ausstellungsprojekte: Die umfangreiche, von einem internationalen Kuratorinnenteam kuratierte Gruppenausstellung in der Halle für aktuelle Kunst CURRENCY: PHOTOGRAPHY BEYOND CAPTURE untersucht die künstlerische Auseinandersetzung mit Fotografie im »retinalen Zeitalter«, in dem Bilder nicht nur Themen und Ereignisse dokumentieren, sondern das Sehen und Gesehenwerden grundlegend prägen. Die Ausstellung zeigt bis zum 18. September 2022 Fotografie nicht als Dokument von Essenz oder verbindlicher Wahrheit, sondern als Rahmen und Kontext für erzählerische Erfindungen. CURRENCY betrachtet, wie Wissen gewonnen wird und wie dieses über die konzeptuellen Ansätze des Mediums Fotografie neu gedacht werden kann.

Die ebenfalls im Rahmen der Triennale laufende zweiteilige Ausstellung BEHIND THE SCENES im PHOXXI dreht sich um Prozesse von Austausch und Veränderung, mit denen die Sammlung F.C. Gundlach konfrontiert ist. Christoph Irrgangs Fotografien bieten Einblicke in den Mikrokosmos dieser privaten Sammlung, deren kultureller Wert als machtvolle »Währung« vor Augen geführt wird. Im zweiten Teil der von Sabine Schnakenberg kuratierten Ausstellung thematisieren die Photonews Redakteur*innen Anna Gripp und Denis Brudna das Geschehen auf der Paris Photo, der weltweit größten Messe für Fotografie, als »Börse« dieses Mediums.

Die groß angelegte Werkschau von CHARLOTTE MARCH (1929–2005) in der Sammlung Falckenberg legt im Rahmen der Triennale den Fokus auf die bisher wenig bekannten Arbeiten der für ihre Mode- und Werbeaufnahmen bekannten Hamburger Fotografin. Ihr Interesse an den Menschen und wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, ihr Blick auf die Ränder der Gesellschaft und der Stadt führt sie auch an marginalisierte Orte und zeigt uns die Lebensumstände von Bonbon-Machern, Schmieden und Kassiererinnen wie auch das Leben auf der Reeperbahn.

Die Herbstsaison eröffnet vom 9. September 2021 bis 8. Januar 2022 mit den jungen Künstler*innen JASON EBEYER (*1992), ALIX MARIE (*1989), PAUL MPAGI SEPUYA (*1982). Sie beschäftigen sich unter Anwendung verschiedener künstlerischer Methoden mit dem menschlichen Körper, Sexualität und Gender. Die von Ingo Taubhorn kuratierte Ausstellung stellt diese aktuellen Diskurse um Genderfluidität und die Hinterfragung gesellschaftlicher Betrachtungen von Körperlichkeit mit den ausgewählten Positionen in ein spannungsvolles Gefüge.

Seit 1981 vergibt die Behörde für Kultur und Medien jährlich das ARBEITSSTIPENDIUM FÜR BILDENDE KUNST DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG und unterstützt bildende Künstler*innen dabei, sich nach Beendigung ihrer Ausbildung künstlerisch weiterzuentwickeln, neue Projekte zu verfolgen und Netzwerke aufzubauen. In Kooperation mit der Sammlung Falckenberg werden zwanzig Künstler*innen, die in den Jahren 2020 und 2021 ausgezeichnet wurden, eine Auswahl ihrer Arbeiten vom 10. September bis 23. Oktober 2022 präsentieren.

Die zeitgenössische Kunst des Nahen und Mittleren Ostens seit den 1960er-Jahren steht im Fokus der von Omar Kholeif konzipierten Ausstellung IN THE HEART OF ANOTHER COUNTRY – WERKE AUS DER SHARJAH ART FOUNDATION in der Halle für aktuelle Kunst. Erstmals wird damit im deutschsprachigen Raum vom 28. Oktober 2022 bis 14. März 2023 Kunst aus dem arabischen Raum von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart in einer umfassenden Ausstellung vorgestellt. Die Sammlung der Sharjah Art Foundation präsentiert Künstler*innen, deren Kunst größtenteils im Exil entsteht. Dabei steht einerseits die Bewahrung der jeweiligen kulturellen Wurzeln und zum anderen das künstlerische Schaffen in Abgrenzung vom und zugleich Öffnung zum dominierenden westlichen Kunstgeschehen im Vordergrund.

Der deutsch-schweizerische Künstler und Dichter Dieter Roth (*1930 in Hannover, †1998 in Basel) zählt zu den prominentesten Vertreter*innen der Konkreten Poesie. Die Deichtorhallen Hamburg widmen ihm in der Sammlung Falckenberg eine große Ausstellung, in der sein druckgrafisches Werk mit Mittelpunkt steht. Die Ausstellung GEPRESST GEDRÜCKT GEQUETSCHT. DIETER ROTH UND DIE DRUCKGRAPHIK präsentiert vom 3. Dezember 2022 bis 19. März 2023 mit rund 1.100 Werken die Motivschwerpunkte seines künstlerischen Schaffens in 16 Sektionen – von Landschaftsbildern über Stillleben hin zu Selbstbildnissen. Dieter Roths Œuvre gilt als eines der facettenreichsten und interdisziplinärsten der bildenden Kunst.

Zusätzlich starten die Deichtorhallen Hamburg im März 2022 in Kooperation mit Kampnagel ein Residenzprogramm zu Kunst und Digitalität, das im Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes gefördert ist. Bis Ende 2024 werden die Deichtorhallen Hamburg und Kampnagel insgesamt fünf dreimonatige Staffeln planen, in denen jeweils drei Resident*innen neue Möglichkeiten der Produktion an der Schnittstelle von Kunst und Technologie erproben. Das Residenzprogramm eröffnet im März 2022 mit HOW TO BEAM: DO-IT-YOURSELF TELEPORTATION FOR HYBRID TIMES, gehostet von der kanadischen Künstlerin Darsha Hewitt und wird im Herbst mit dem britischen Kunst- und Designstudio Hyphenlabs fortgesetzt.

Quelle: www.deichtorhallen.de

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