Was, wenn Kunst und Leben verschmelzen? Die Deichtorhallen zeigen, wie es geht: mit Spoerri, Caland und Co.
Die Deichtorhallen Hamburg laden in den kommenden Herbst- und Wintermonaten zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit dem Wechselspiel zwischen Kunst und Leben ein. Mit gleich vier hochkarätigen Ausstellungen aus den Bereichen Malerei, Fotografie und Objektkunst wird das spannungsvolle Verhältnis zwischen diesen beiden Welten ausgelotet und neu beleuchtet.
Daniel Spoerri: „Ich liebe Widersprüche“
Den Auftakt macht die in Harburg ansässige Sammlung Falckenberg mit einer großen Übersichtsschau zum Werk des 2024 verstorbenen Künstlers Daniel Spoerri, der in diesem Jahr 95 geworden wäre. Unter dem Titel „Ich liebe Widersprüche“ stellt die Ausstellung das vielseitige Schaffen Spoerris in den Dialog mit ausgewählten Positionen der Sammlung, darunter Werke von Ray Johnson, Jonathan Meese und Mariella Moser. Die Schau beleuchtet Spoerris typisches Spiel mit Alltagsmaterialien und gefundenen Objekten und sein humorvoll-subversives Hinterfragen von Konventionen. Sie verdeutlicht die ungebrochene Relevanz seines künstlerischen Denkens und seinen großen Einfluss auf nachfolgende Künstler*innengenerationen.
Huguette Caland: „A Life in A Few Lines“ & Walther Collection: „Into the Unseen“
Gleich zwei Ausstellungen in der Halle für aktuelle Kunst widmen sich ab dem 24. Oktober der Kraft der Emanzipation und der Fotografie. Die Retrospektive „A Life in A Few Lines“ zu Huguette Caland ist ihre erste große Solopräsentation in Europa. Das Werk der libanesischen Künstlerin, die 1931 geboren wurde, ist zugleich sinnlich und intellektuell, filigran und plakativ. Die Ausstellung erzählt in zehn Kapiteln von Calands Reise zwischen Kulturen und Kontinenten und ihrem unbedingten Widerstand gegen gesellschaftliche und sexuelle Normen.
Parallel dazu eröffnet die Ausstellung „Into the Unseen“, die letztmalig in Europa Fotografien aus der renommierten Walther Collection zeigt. Die Sammlung geht danach als Schenkung an das Metropolitan Museum of Art in New York. Die Schau lädt dazu ein, über das rein Visuelle hinauszugehen und Bilder sprechen, riechen und fühlen zu lassen. Mit Positionen wie David Goldblatt und Santu Mofokeng erforscht sie Themen wie Spiritualität, Trauma und Transformation.
Philip Montgomery: „American Cycles“
Im PHOXXI, dem temporären Haus der Photographie, zeigt der New Yorker Fotograf Philip Montgomery in seiner ersten großen institutionellen Einzelausstellung weltweit seine ikonischen Portraits und dokumentarischen Arbeiten. Unter dem Titel „American Cycles“ taucht er in die Konflikte und Allianzen der amerikanischen Gesellschaft ein – von Donald Trumps populistischer Wahlkampagne über die Black-Lives-Matter-Bewegung bis hin zu ökologischen Krisen. Seine Fotografien sind eine bildstarke Chronik der Suche nach Gemeinschaft in Zeiten des Umbruchs.
Ausstellungen im Überblick:
DANIEL SPOERRI: ICH LIEBE WIDERSPRÜCHE
Sammlung Falckenberg |Wilstorfer Straße 71, Tor 2 | 21073 Hamburg
27. September 2025 – 26. April 2026
HUGUETTE CALAND: A LIFE IN A FEW LINES
Halle für aktuelle Kunst | Deichtorstr. 1–2 | 20095 Hamburg
24. Oktober 2025 – 26. April 2026
INTO THE UNSEEN: THE WALTHER COLLECTION
Halle für aktuelle Kunst | Deichtorstr. 1–2 | 20095 Hamburg
24. Oktober 2025 – 26. April 2026
PHILIP MONTGOMERY: AMERICAN CYCLES
PHOXXI. Haus der Photographie temporär | Deichtorstr. 1–2 | 20095 Hamburg
28. November 2025 – 10. Mai 2026
