Verleihung des Aby Warburg-Preis in der Sammlung Falckenberg

Georges Didi-Hubermans Lebenswerk

Sammlung Falckenberg

Im vergangenen Jahr wurde der renommierte Kunsthistoriker und Philosoph Georges Didi-Huberman für sein Lebenswerk mit dem Aby Warburg-Preis ausgezeichnet, dieses Jahr endlich auchn die Preisverleihung. Doch der Geehrte war nur online dabei.

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis der Stadt Hamburg wird alle vier Jahre an eine herausragende Persönlichkeit aus Wissenschaft oder Kultur verliehen. Der Aby Warburg-Förderpreis in Höhe von 10.000 Euro wurde an die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Kathrin Rottmann vergeben, die unter anderem an der Universität Hamburg forscht und lehrt. Die Verleihung der Auszeichnungen musste 2020 pandemiebedingt abgesagt werden und wurde nun ein Jahr später in der Sammlung Falckenberg nachgeholt – passenderweise inmitten der von Axel Heil und Robert Orth kuratierten Ausstellung „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne“. Die Preisverleihung fand am Dienstag, 26. Oktober, statt.  Georges Didi-Huberman konnte leider nicht persönlich an der Verleihung teilnehmen, wurde aber live zugeschaltet.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Ein Jahr später als geplant können wir endlich den Aby Warburg-Preis und den Aby Warburg-Förderpreis überreichen. Dafür vergeben wir diese renommierten Preise der Stadt Hamburg heute im Herzen der Ausstellung ‚Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne‘ und damit an einem Ort, der kaum besser dafür geeignet sein könnte. Georges Didi-Huberman denkt Warburgs Schaffen weiter, fügt ihm neue Dimensionen – wie den Film – hinzu und sucht neue Linien, neue Lesarten. Er stellt ‚die Befassung mit Warburg auf neue und zeitgemäße Grundlagen‘, wie es in der Jury-Begründung heißt, und trägt zur Internationalisierung von Warburgs Schaffen bei. Er hilft uns, Dinge zueinander in Relation zu setzen und appelliert an uns, uns ein Bild vom Ganzen zu machen. Gerade die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass das notwendig ist. Wir haben einmal mehr gelernt, wie wichtig es ist, Erlebtes in Beziehung zu setzen und anzuerkennen, dass keine Disziplin eine Deutungshoheit besitzt. Für die gemeinsame Wahrheitssuche kommt es darauf an, Verbindungen zu anderen Positionen herzustellen. Kathrin Rottmann öffnet mit ihrem Augenmerk auf Themen, die wir sonst eher an der Peripherie der Kunstgeschichte verorten würden, der Disziplin neue Türen. Sie schult uns mit ihrer Monographie ‚Ästhetik von unten‘ ganz im Sinne Warburgs im Sehen dessen, was wir sonst leicht übersehen. Beide halten das Werk Warburgs lebendig und denken es in unsere heutige Zeit weiter.“

Georges Didi-Huberman

Erhielt den Aby Warburg-Preis: Georges Didi-Huberman (Foto: Privat Huberman)

In zahlreichen Büchern und Ausstellungen trägt Georges Didi-Huberman fundamental zur Aktualisierung von Aby Warburgs intellektuellem Vermächtnis bei. Nicht nur in seiner Studie „Das Nachleben der Bilder. Kunstgeschichte und Phantomzeit nach Aby Warburg“ (Berlin 2010) hat er die Befassung mit Warburg auf neue und zeitgemäße Grundlagen gestellt. Didi-Huberman arbeitet wissenschaftshistorisch, weiß sich aber auf höchst geistesgegenwärtige Weise Warburgs Verfahren anzueignen und daraus einen eigenen, unverwechselbaren Zugriff auf die Bildkultur insgesamt zu entwickeln. Er forscht nicht nur über Aby Warburg, er arbeitet auch wie dieser – als ebenso geschichtsbewusster wie sensibler Beobachter der Kunstgeschichte wie des aktuellen Bildgeschehens. Eindrücklich entfaltet hat er dies in seinen Forschungen zur Kunst der Renaissance („Vor einem Bild“, München 2000) oder zum Umgang mit den visuellen Zeugnissen des Holocaust („Bilder trotz allem“, München 2007). Seine Ausstellung und der Katalog „Uprisings“ (Paris 2016) führen die Bildbeobachtung und -analyse etwa in Hinblick auf die Bildmacht im Kontext der Flüchtlingsdramatik bis in die Jetztzeit fort. Als Autor hat Georges Didi-Huberman die Neuwürdigung von Warburgs Hinterlassenschaft zudem maßgeblich internationalisiert. Die Übersetzungen seiner Schriften in viele Sprachen ziehen einen Radius, der die auf Aby Warburg zurückgehende Kulturwissenschaft zu einer globalen geisteswissenschaftlichen Disziplin werden lässt. Das enorme auch internationale Interesse an Aby Warburg ist namentlich auf Didi-Hubermans ebenso wissenschaftlich fundierte wie bildkritisch wachsame Blickarbeit und Autorschaft zurückzuführen.

Der Aby Warburg-Preis

Der nach dem Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg benannte Preis wurde 1979 vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg gestiftet. Er wird seit 1980 alle vier Jahre verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Preisträgerinnen und Preisträger sollen im Sinne Aby Warburgs Beispiel geben für ein Denken und Forschen, das die wissenschaftlichen Disziplinen übergreift und in der europäischen Kultur fundiert ist. An Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wird ein Stipendium in Höhe von 10.000 Euro vergeben. Zur Jury gehörten neben Prof. Dr. Bill Sherman, Prof. Dr. Sigrid Weigel als Preisträgerin 2016, Prof. Dr. Andreas Beyer, Prof. Dr. Margit Kern, Prof. Dr. Andrea Pinotti, Prof. Dr. Barbara Plankensteiner und Prof. Dr. Birgit Recki. Den Aby Warburg-Preis erhielten bisher Sigrid Weigel, Martin Warnke, Werner Hofmann, Horst Bredekamp, Natalie Zemon Davis, Claude Levi-Strauss, Carlo Ginzburg, Michael Baxandall, Meyer Schapiro und Jan Białostocki.

Aby Warburg

Aby Warburg wurde 1866 in Hamburg geboren, wo er auch am 26. Oktober 1929 verstarb. Er zählt heute zu den einflussreichsten Kunsthistorikern des 20. Jahrhunderts. Sein Denken sprengte die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen und seine Forschung etablierte die Ikonologie als kunstwissenschaftliche Methode. Warburg gilt heute als einer der Gründer der modernen Kunst- und Kulturwissenschaften.

In der Sammlung Falckenberg ist derzeit die Ausstellung „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne“ zu sehen (www.sammlung-falckenberg.de)

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