Die Harburger Herzblatt-Kolumne

Harburgs Liebes-Statistik im Keller

Clara Klatsch hat wieder genau hingehört ...

Meine Lieben, wo ist sie nur hin, die große Romantik? Früher haben sich die Paare vor den Standesämtern die Klinke in die Hand gegeben, wenn der Kalender eine mathematische Symmetrie hergab. Da wurde im Minutentakt „Ja“ gesagt, nur damit der Gatte am Ende des Tages den Hochzeitstag nie wieder vergessen kann.

Und heute? Gähnende Leere auf den Fluren, wie die Zahlen aus unserem Harburger Rathaus schwarz auf weiß belegen. Das Bezirksamt Harburg gibt nämlich federführend für die Standesämter in Hamburg die Daten heraus.

Die Hamburger*innen sind offenbar viel zu pragmatisch geworden, um sich vom Kalender vorschreiben zu lassen, wann die Ringe getauscht werden.

Beim Haarewaschen meinte meine Friseurin ganz trocken: „Clara, die Leute haben heute einfach andere Sorgen, als sich am 26.6.26 den schönsten Tag des Lebens vorschreiben zu lassen.“ Recht hat sie! Aber wenn wir ehrlich sind: Wer braucht schon ein mathematisches Datum, wenn das wahre Drama des Zusammenlebens doch sowieso viel bessere Kulissen parat hält?

Wenn unser Bezirksamt schon die Hochzeitsdaten für die ganze Stadt verwaltet, dann sollten wir den Kolleg*innen dort mal ein paar echte, emotionale Harburger Meilensteine vorschlagen, die das Leben schreibt. Da bewährte sich Ehezusammenhalt schließlich ganz ohne Schnapszahl: Wie wäre es mit einer feierlichen Trauung genau an dem Tag, an dem die Buxtehuder Straße nach dem Rohrbruch endlich wieder trockengelegt wurde? Wer gemeinsam im Stau stand und sich die Gummistiefel geteilt hat, beweist doch viel mehr Liebe als ein Paar, das sich nur am 6.6.26 bei Sonnenschein anschmachtet. Oder wir erinnern uns alle noch mit feuchten Augen an das Tinder-Märchen vom Bahnhof, wo sich zwei Verliebte dank einer fetten Zugverspätung gefunden haben. Das ist wahre Romantik! Statt im edlen Saal im Hamburger Rathaus vor den Altar zu treten, schlage ich für solche Fälle eine feierliche Zeremonie direkt auf dem zugigen Bahnsteig vor – mit dem Metronom-Schaffner als Trauzeugen.

Und wo wir gerade bei ungenutzten Räumlichkeiten und Harburger Behörden sind: Warum macht das Bezirksamt aus der Schnapszahl-Not nicht eine Tugend? Im ehemaligen Karstadt-Gebäude am Ring suchen wir doch seit gefühlten Ewigkeiten nach einer sinnvollen Nutzung für die 26.000 Quadratmeter. Wenn die Verwaltung eh so lange braucht, um der Bücherhalle oder der Volkshochschule die Türen zu öffnen, warum richten wir dort nicht einfach ein riesiges Pop-up-Heiratszentrum ein?

Platz genug für eine ordentliche Hochzeitsgesellschaft wäre da allemal. Und das Beste: Die Reste der illegalen Goldschmelze, die die Polizei neulich im Hinterzimmer hochgenommen hat, könnten direkt upgecycelt werden! Da werden die Eheringe einfach vor Ort frisch gegossen, während die Hochzeitsgesellschaft im Erdgeschoss im improvisierten „Vortragsraum“ das Hochzeitsvideo anschaut. Das wäre doch mal echte, nachhaltige Kreislaufwirtschaft made in Harburg!

Meine Lieben, ob mit oder ohne Schnapszahl im Stammbuch: Am Ende zählt doch nur, dass man jemanden findet, mit dem man auch den ganz normalen Harburger Wahnsinn durchsteht. Ich rate euch fürs Wochenende: Genießt die Zeit zu zweit, geht eine Runde an der Außenmühle spazieren (auch wenn das MidSommerland immer noch auf sich warten lässt) und lasst den Kalender einfach mal Kalender sein.

Ich bleibe jedenfalls erst mal im Salon – da wird zwar viel über die Ehe gelästert, aber der Sekt zum Wochenende schmeckt auch ohne Hochzeit ganz hervorragend!

Bussi, eure Clara!


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