Es gibt Momente, da muss man die Lupe beiseitelegen und das ganze Bild betrachten. Im Dezember 2026 feiert das Online-Feuilleton tiefgang.net sein zehnjähriges Bestehen.
Was damals als ambitioniertes Projekt startete, um dem Hamburger Süden eine intellektuelle und künstlerische Stimme zu geben, ist heute eine Institution. Doch während wir die vergangenen 120 Monate Revue passieren lassen, steht eine existenzielle Frage im Raum: Wird es dieses Fenster zur Welt auch 2027 noch geben?
Ein Blick in das Archiv von tiefgang.net zeigt, dass hier weit mehr passiert ist als bloße Berichterstattung. Das Portal hat sich als unverzichtbarer Kompass für die Kulturschaffenden etabliert. In einer Zeit, in der die bürokratischen Hürden für Vereine immer höher werden, bot tiefgang.net handfeste Expertise im Vereinsrecht. Wir haben nicht nur über Kunst geschrieben, wir haben den Künstler*innen geholfen, ihre rechtliche Basis zu sichern. Wenn Ausschreibungen für Fördergelder veröffentlicht wurden, war tiefgang.net oft der erste Ort, an dem die Szene davon erfuhr.
In den Rubriken Musik, Kunst, Film und Literatur wurde der Finger immer wieder in die Wunde gelegt. Wir haben die Darstellenden Künste nicht nur als Unterhaltung begriffen, sondern als Spiegel der Gesellschaft. Dabei war der Service für die Nutzenden stets kostenfrei – eine bewusste Entscheidung für die Zugänglichkeit von Kultur.
Doch diese Freiheit hat einen Preis, der hinter den Kulissen oft unsichtbar bleibt. Ein Online-Feuilleton zu betreiben, bedeutet mehr als nur Texte zu schreiben. Es bedeutet, Server- und Providerkosten zu stemmen, die mit steigenden Zugriffszahlen nicht kleiner werden. Es bedeutet aber auch, sich in einem juristischen Minenfeld zu bewegen. In den letzten Jahren mussten wir immer wieder Abmahnungen wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen, etwa bei Bildrechten, abwehren oder schmerzhafte Zahlungen leisten. Solche Vorfälle zehren nicht nur an den finanziellen Reserven, sondern auch an der moralischen Substanz eines ehrenamtlich geprägten Projekts.
Die aktuelle Situation in Harburg verschärft diesen Druck. Wenn die Politik, wie im Schreiben des Vorsitzenden der Bezirksversammlung Holger Böhm deutlich wurde, künftig eine dauerhafte Förderung für viele Projekte infrage stellt, dann trifft das auch die indirekte Infrastruktur der Kultur. Wenn Einrichtungen wie die Kiezläufer*innen oder die SuedLese (siehe „Ein politischer Offenbarungseid“) um ihre Existenz bangen müssen, braucht es erst recht ein Medium, das diese Missstände benennt und die Akteur*innen vernetzt.
tiefgang.net steht an einer Wegscheide. Wir möchten auch 2027 über die Vielfalt im Hamburger Süden berichten, Tipps geben und kritische Fragen stellen. Aber wir können das nicht mehr allein aus eigener Kraft stemmen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, und genau diese Gemeinschaft rufen wir nun an.
Unter www.paypal.com haben wir eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Es geht dabei um mehr als nur um Technik und Anwält*innen. Es geht um das Versprechen, dass der Hamburger Süden auch künftig einen Ort hat, an dem Kultur mit der Tiefe behandelt wird, die sie verdient.
Es liegt an Dir, ob wir auch im elften Jahr gemeinsam abtauchen können. Damit aus dem Schweigen der Brückenbauer*innen keine dauerhafte Funkstille für das Feuilleton des Südens wird.
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