Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Zum Spaß – oder Ironie des Schicksals

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Ich mache mir Sorgen um den Humor. Wenn der verloren geht, dann sind Hopfen und Malz auch gleich weg.

Das Leben kann so schrecklich sein! In schwierigen Phasen, wenn Schwierigkeiten einem wie Wegelagerer auflauern und die Gefahr des Scheiterns in düsteren Farben ausmalen, ist – und das ist der Witz an der Sache – Humor angesagt, um auch das Unerträgliche zu ertragen, selbst auf die Gefahr hin, dass einem das Lachen mal im Hals steckenbleibt. Von solchen Kollateralschäden einmal abgesehen, wirkt es sowohl körperlich als auch seelisch entlastend, schmerzlindernd, ja geradezu erlösend.

Ich hatte einmal das Vergnügen, mich im Rahmen einer Projektarbeit mit den vielen Facetten des Humors zu befassen. Das selbstgewählte Thema hatte allerhand zu bieten. Bei der Recherche stieß ich auf Schwank und Schadenfreude, konstruierte Witze und unfreiwillige Situationskomik, Parodien und Satire, Sketche, Cartoons, Komödien und Karikaturen. Das war alles sehr aufschlussreich.

Humor hat die kluge Angewohnheit, etwas durch den Kakao zu ziehen, um uns zum Lachen zu bringen. Er neigt zu maßloser Übertreibung und provoziert mit Tabubrüchen. Alles in allem hat er also einen schwierigen Charakter. Weil er auf ausgefallene Denkhürden steht, nennt er sich auch Checkpoint Toleranzgrenze.

Mit all seinen Ecken und Kanten macht er sich nämlich nicht nur Freunde. Es gibt beispielsweise Machthaber, die verstehen überhaupt keinen Spaß! Die wollen das Lachen am liebsten unterdrücken. Also den Anlass der Belustigung, denn das Lachen selbst ist ein reflexartiger motorischer Vorgang – Humor hingegen eine Frage der inneren Einstellung: eine geniale Erfindung des Geistes, um sich auf ungewöhnliche Weise über Schwächen und Unzulänglichkeiten lustig zu machen und diese damit zu entkräften. Humor ist selten sinnlos, sondern bezweckt etwas: eine befreiende Umdeutung in einem ernstzunehmenden Kontext.

Apropos Sinn: Mal nachzählen, der wievielte es wohl ist… 1-5: hören, sehen, riechen, schmecken, tasten. Der 6. vermittelt eine Ahnung und der 7. lief mal im Fernsehen. Also nominiere ich den Sinn für Humor für die formschöne 8.

Manchen Menschen fehlt er leider, die sind komplett humorlos. Die können einem leidtun, denn sie haben es besonders schwer. Andere finden nur, dass man sich in bestimmten Zusammenhängen nicht lustig machen darf, z. B. weil das pietätlos wäre.

„Treffen sich zwei Jäger im Wald. Beide tot.“ Also, Vorsicht: Humor kann sehr verletzend sein! Auf der einen Seite ist es lustig, auf der anderen nicht – dazwischen liegt der bodenlose Abgrund. Horizontal können wir den Ernst der Lage überbrücken. Die Methode gleicht einer morschen Hängebrücke. Ob der Humor trägt, ist meistens eine Frage der Kultur und des persönlichen Geschmacks. Das Niveau kann schwanken und hat bekanntlich viel Luft sowohl nach oben als auch nach unten.

Trotz alledem. In erster Linie ist Humor ein starker Trost, denn Lachen ist gesund. Schweinchen Schlau mit dem Schlusswort: „Zwischen Auslachen und Humor besteht ein wesentlicher Unterschied, denn man sollte sich möglichst nicht auf Kosten anderer amüsieren. Am besten ist es, wenn man über sich selber lachen kann.“

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