Sensationsfund im Museum Kunststätte Bossard

Bossards „Tatkraft“ wieder entdeckt

Duisberg-Groth mit Dachbodenfund Museum Kunststätte Bossard (Foto: Museum Bossard)

Monumental und doch 100 Jahre unentdeckt. Jetzt wurde Bossards „Tatkraft“ zutage gefördert.Bei den Sanierungsarbeiten am Wohn- und Atelierhaus im Museum Kunststätte Bossard legen die Dachdecker gerade Stück für Stück den Dachstuhl frei. Dabei machten sie jetzt einen sensationellen Fund. In einem nicht zugänglichen Dachraum über dem sogenannten „Schatzkämmerchen“ im Eddasaal lagerten mehr als 100 Jahre lang die eingerollten Einzelbilder von Johann Michael Bossards Monumentalgemälde „Tatkraft“ aus dem Jahr 1907/08. Die Handwerker beförderten nicht nur 22 zu diesem Monumentalgemälde gehörende Leinwände aus dem unbekannten Lager, sie entdeckten auch drei weitere Gemälde und eine Zeichnung aus dem Frühwerk Bossards vor 1900 und aus dem Jahr 1918 sowie Teile einer bemalten Rahmung.

„Dieser sensationelle Fund ist ein bedeutender Gewinn für unser Museum“, so Heike Duisberg-Schleier, Leiterin des Museums Kunststätte Bossard. „Er eröffnet uns neue Perspektiven auf das Werk von Johann Michael Bossard und hilft uns, das Bild des Künstlers weiter zu schärfen.“

Das Monumentalgemälde ist nicht unbekannt. Ein Entwurf, Einzelstudien sowie historische Fotografien zu diesem Werk befinden sich im Bestand der Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard. Doch der Verbleib des beeindruckenden Gemäldes war bisher nicht geklärt. „Tatkraft“ besteht vermutlich aus 27 Einzelleinwänden mit einer Gesamtlänge von 18 Metern und einer Höhe von etwa 5 Metern und entstand in den Jahren 1907 bis 1908.

„In Johann Michael Bossards Briefen an seinen Freund und Förderer Emil Hegg berichtet der Künstler von der Arbeit an diesem Monumentalgemälde“, berichtet die Kuratorin und stellvertretende Leiterin des Museums, Katharina Groth, und ergänzt: „Bossard fertigte das Gemälde „Tatkraft“ für eine Präsentation auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1908. Vor dieser Ausstellung erhielt Bossard jedoch die Möglichkeit, sein Werk bereits im Februar 1908 in der Aula der Hamburger Kunstgewerbeschule zu zeigen. Nach seiner Präsentation in Berlin, die von verschiedenen Kunstzeitschriften und Zeitungen begleitet wurde, zeigte Bossard das großformatige Gemälde vermutlich auch in Ausstellungen in Chemnitz, Danzig und Zug in den Jahren 1909 und 1910.“

Das Werk ist ein wichtiges Schlüsselwerk, mit dem sich Johann Michael Bossard zum Antritt seiner Stelle als Lehrer für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Hamburg als Monumentalkünstler in der Hansestadt vorstellte und auf anschließende Aufträge hoffte. Die Kuratorin steht jetzt vor der Aufgabe, die weitere Geschichte der insgesamt 26 gefundenen Werke zu erforschen. Erste Ideen, die Funde und ihre ungewöhnliche Fundgeschichte in den Mittelpunkt einer Sonderausstellung im Winterprogramm 2025 zu stellen, hat Katharina Groth schon.

Die Fundstücke werden in den kommenden Tagen von der Restauratorin des Museums, Stefanie Nagel, vom Staub befreit, auf mikrobiologischen Befall untersucht, gereinigt und anschließend in das Schaumagazin zur Einlagerung überführt. Über den weiteren Umgang mit den Funden wird im Laufe der nächsten Monate entschieden. Mehr zur Bergung der Kunstwerke und zur Geschichte des Monumentalgemäldes erfahren Besucherinnen und Besucher beim Museumsfest am 15. September 2024. Der Stand der Sanierungsarbeiten des Wohn- und Atelierhauses wird unter www.bossard.de dokumentiert.

Kunsthandwerkermarkt

Am Sonnabend und Sonntag, dem 10. und 11. August 2024, findet im Museum Kunststätte Bossard der jährliche Kunsthandwerkermarkt statt. Von jeweils 10 bis 18 Uhr präsentieren rund 40 Künstler ihre einzigartigen Werke und Kunsthandwerksarbeiten in der inspirierenden Atmosphäre des Museums und bieten diese zum Verkauf an.

Die besondere Umgebung im Museum Kunststätte Bossard verleiht dieser Veranstaltung ihren besonderen Reiz. Stände und Pavillons reihen sich in der Gartenanlage, vor dem Neuen Atelier und auf der Ackerfläche ein. Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, handgefertigte Unikate zu entdecken – von Keramiken über Schmuck, Goldschmiede-, Metall – und Holzkunst bis hin zu Textilien. Einige Kunsthandwerker arbeiten direkt vor Ort und geben damit einen exklusiven Einblick in ihre Arbeitsweise.

An beiden Tagen hat das Café im Hof geöffnet. Die Besichtigung des Museums und der aktuellen Sonderausstellung ist parallel zum Kunsthandwerkermarkt möglich und im Eintritt inbegriffen. Kinder bis 18 Jahre und Mitglieder des Freundeskreises haben freien Eintritt. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 4 Euro.

Tipps für die Anfahrt: Mit dem Heide-Shuttle Ring 3 lässt sich das Museum Kunststätte Bossard erreichen. Außerdem fährt die Linie 4148 der KVG samstags und sonntags ab Hamburg-Harburg. Eine Liste der teilnehmenden Künstler ist unter www.bossard.de eingestellt. Infos unter 04183/5112 oder info@bossard.de.

 

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