Braucht Kunst immer einen stillen, weißen Kubus? Harburg liefert jetzt eine klare, urbane Gegenantwort: Die Kunst erobert die Harburger City Galerie und verwandelt einen einst ungenutzten Durchgang in eine lebendige »Kunstpassage«.
Ein kluger Schachzug, lokale Kunst direkt in den Trubel des Harburger Rings zu bringen und die Innenstadt mit neuer Kulturkraft aufzuladen.
Den Auftakt dieser ganzjährigen Passage liefert Frank Vaders, ein Harburger Künstler mit einer beeindruckenden internationalen Vita, dessen Werke bereits in Sammlungen von Moskau bis Tokio zu finden sind. Vaders, der in Heimfeld lebt und arbeitet, ist bekannt für seine kraftvollen, expressiven Arbeiten. Seine Ausstellung von »Köpf-Werken« und kubistischen Porträts im neuen Harburger »Schaufenster« schlägt einen Bogen von der Hochkultur zur Alltagswelt – und das im Vorbeigehen zwischen Einkauf und S-Bahn.

Vaders dekonstruiert das menschliche Antlitz. Seine Werke zeigen keine glatten, fehlerfreien Abbilder. Stattdessen sind die Köpfe in Farbfelder zerlegt, die sich überlappen, verschieben und neu zusammensetzen. Es sind Gesichter, die man auf den ersten Blick erkennen, aber nicht sofort einordnen kann.
Die Kunstleihe Harburg initiiert hier mehr als nur eine neue Ausstellungsfläche; es ist eine kulturelle Revitalisierung aus eigener Kraft. Unterstützt durch den Verfügungsfonds »Mitten in Harburg« dienen die bisher ungenutzten Glasvitrinen im Durchgang zwischen der Lüneburger Straße und dem Harburger Ring lokalen Künstler*innen nun als prominentes Forum. Harburgs Kunst wird sichtbar, zugänglich und holt die Menschen dort ab, wo sie sind.
Für Frank Vaders, der während seiner Zeit in New York von der renommierten Galerie Jason McCoy – Neffe und Nachlassverwalter von Jackson Pollock – entdeckt wurde, ist diese lokale Präsenz eine willkommene Rückkehr. Seine Werke sind eine spannungsvolle Mischung aus abstrakter Expressivität und figürlicher Dichte. Das Spiel mit kubistischen Köpfen fordert Betrachter*innen dazu auf, die gewohnte Perspektive zu verlassen und tiefer zu blicken – eine perfekte Metapher für das Harburg von heute.
Die Initiative reiht sich ein in eine beeindruckende Serie von Projekten, mit denen die ehrenamtlich arbeitende Kunstleihe Harburg seit 2019 die lokale zeitgenössische Kunst fördert. Ob mit dem »Harburger Kunstfest« auf dem Schwarzenbergplatz, der großen Ausstellung »SuedArt24«, die sich von Stade bis Harburg erstreckte, oder kuratierten Führungen zu Orten wie der Sammlung Falckenberg: Das Team der Kunstleihe agiert als Motor der südlichen Kunstszene.
Mit der neuen Kunstpassage in der City Galerie hat Harburgs Innenstadt nun einen festen, ganzjährigen Ankerpunkt für die bildende Kunst gewonnen. Er zeigt auch, dass die Attraktivität eines Zentrums nicht nur durch Handel, sondern vor allem durch mutige, öffentliche Kulturprojekte wächst.
Die »Kunstpassage« in der City Galerie (Durchgang zwischen Lüneburger Straße und Harburger Ring)
Kunstaktion von Frank Vaders – Köpfe und kubistische Köpfe
