Die Harburger Herzblatt-Kolumne

Ein Match made in Metronom

Clara Klatsch hat wieder genau hingehört ...

Meine Lieben, setzt euch, nehmt euch einen Keks! Ich komme gerade frisch vom Friseur am Sand – und ich sage euch, die Lockenwickler sind fast von alleine rausgefallen …

Meine Lieben, wer hätte das gedacht? Jahrelang schimpfen wir über die Pendel-Misere im Hamburger Süden, über Weichenstörungen und Züge, die sich im Schneckentempo über die Elbe quälen. Aber wie ich gerade beim Spitzen-Schneiden erfahren habe, gibt es jetzt den ultimativen Beweis: Warten macht glücklich – zumindest wenn man die richtige App und eine ordentliche Portion Geduld im Gepäck hat!

Habt ihr die Geschichte gelesen, über die gerade ganz Hamburg schmunzelt? Ein Pärchen hat sich tatsächlich durch eine Zugverspätung in Harburg kennengelernt. Das berichtete der Nachtichtendienst von hamburg.t-online.de. Während andere frustriert auf die Anzeigetafel starrten, haben die beiden bei Tinder nach rechts gewischt – und siehe da: Das Schicksal (und die Bahn) führten sie zusammen.

Die Kundin vom Metronom hat die Meldung mit dem wohl charmantesten Satz der Woche kommentiert: „Tinder hat einen Kunden weniger, ihr einen mehr.“ Ist das nicht herrlich? Endlich mal eine positive Schlagzeile aus dem Pendler-Dschungel!

Ich musste ja sofort schmunzeln: Während im ehemaligen Karstadt-Gebäude neulich die Polizei eine illegale Goldschmelze auffliegen ließ, wird am Bahnhof offenbar das ganz große emotionale Gold geschürft. Man stelle sich das mal vor: Da rückt die Feuerwehr am Harburger Ring wegen einer nicht angemeldeten Firma an, während ein paar Meter weiter am Gleis die Funken ganz ohne Brandmelder sprühen.

Vielleicht ist das die neue Strategie für unseren „Planet Harburg“? Wenn wir schon keine Ankermieter wie die Bücherhalle oder die VHS ins Haus bekommen, könnten wir das leerstehende Kaufhaus doch als riesige „Love-Lounge“ für wartende Pendler*innen nutzen! Wer braucht schon funktionierende Rolltreppen, wenn man Schmetterlinge im Bauch hat?

Passt das nicht sogar perfekt zum Kultursommer-Motto „Neue Wege“? Während die Künstlerinnen in Jesteburg experimentieren, proben die Harburgerinnen am Gleis offenbar den Aufbruch in die Zweisamkeit. In der Zeit, in der die Stadt über Brandschutzkonzepte für einen „Vortragsraum“ mit bewegten Bildern grübelt, haben diese zwei Verliebten ihre eigene kleine Premiere gefeiert – ganz ohne Baugenehmigung für die Schmetterlinge.

Meine Lieben, ich sage euch: Nächstes Mal, wenn der Zug wieder auf sich warten lässt, nicht meckern! Einfach mal umschauen. Wer weiß, vielleicht wartet euer persönliches „Match“ direkt neben euch auf dem zugigen Bahnsteig. Ich werde beim nächsten Friseurbesuch auf jeden Fall horchen, ob es schon Hochzeitspläne gibt – am besten direkt im Planet Harburg, zwischen Schaufensterpuppen und Goldschmelze.

Bussi, eure Clara!



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