Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Ansteckungsgefahr

Foto: Alexandra Koch / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Erleichtert denke ich: Zum Glück hat ES mich noch nicht erwischt.

Bisher habe ich mich weder mit dem Virus infiziert noch von der ganzen Feindseligkeit anstecken lassen. Ich finde die Situation zwar sehr anstrengend und empfinde Unmut angesichts der Tatsache, wie lange sich der Notstand schon hinzieht. Seit über einem Jahr hangeln wir uns von Woche zu Woche, im Ohr die Endlosschleife der Durchhalteparolen und schnaufen entnervt in unsere Masken. Jedenfalls diejenigen, die bereit sind, eine zu tragen, die sich nicht verarscht fühlen oder den Politiker*innen die Schuld geben, dass dieses Virus unser Leben auf den Kopf gestellt hat.

Die Gegner der Corona-Maßnahmen sprechen mir vermutlich meine Kernkompetenz ab. Demnach wäre ich gar keine Denkerin, sondern ein Schlafschaf. Träume ich etwa nur davon, einen eigenen Kopf zum Denken zu haben, der in Wirklichkeit längst abgeschraubt wurde?

Ich habe mich diesbezüglich testen lassen. Mehrmaliges Zwicken beweist: Nein, ich träume nicht. Ich fühle mich allerdings müde angesichts dieser heftigen, und zum Teil unterirdischen Verbalattacken der einen gegen die anderen.

Können wir nicht einfach davon ausgehen, dass wir alle voll gestresst sind? Und uns etwas Mühe geben, nicht auch noch aufeinander herumzuhacken? Wir müssen keine Stoiker werden, die alles mit größter Gelassenheit hinnehmen, aber Bürgerkrieg in den Köpfen ist auch keine Lösung.

Zu Ostern dachte ich: Das Gelbe vom Ei liegt vermutlich wie immer irgendwo in der goldenen Mitte. Wir sollten uns auf die Suche danach machen.

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