Im pulsierenden Herzen des Hamburger Südens, wo die Geschichte in jedem Winkel spürbar ist, gibt es Bauten, die mehr sind als nur Stein und Mörtel.
Sie sind Hüter von Erinnerungen, Zeugen vergangener Zeiten und – im besten Fall – lebendige Orte, die auch die Zukunft prägen. So ein Ort ist die Schule am Park, die 5. Juni eine besondere Ehrung erfahren hat: Der Museumsverein Harburg hat ihr zum siebten Mal seinen renommierten Denkmalpreis verliehen.
Es war ein Moment der Anerkennung für ein Projekt, das beispielhaft zeigt, wie sich Denkmalschutz und moderne Nutzung auf harmonische Weise verbinden lassen. Die Schule am Park, einst ein prächtiges neugotisches Mädchengymnasium, wurde durch die gemeinsame Initiative der Schule selbst, des GMH | Gebäudemanagements Hamburg und des Architekturbüros Fehlig Moshfeghi Architekten vorbildlich saniert. „Wer Denkmäler erhält, bewahrt Lebensraum und stiftet Identität für die Zukunft“, betonte Prof. Dr. Ing. Wolfgang Stein, der Vorsitzende des Museumsvereins Harburg, bei der Verleihung. Es ist diese tiefe Überzeugung, die den Verein antreibt, Bauherren zu motivieren, sich für den Erhalt des baukulturellen Erbes Harburgs einzusetzen.
Eine Reise durch die Jahrhunderte: Von der Höheren Mädchenschule zum modernen Lernort
Die Geschichte der Schule am Park ist so facettenreich wie Harburg selbst. Idyllisch am Harburger Schwarzenbergpark gelegen, nahe der Innenstadt, des Binnenhafens und der Technischen Universität, zeugt das Gebäude von einer reichen Vergangenheit. Eingeweiht im Jahr 1902 als Höhere Mädchenschule, entstand sie nach einem Entwurf des Stadtbaumeisters Friedrich Homann im Stil der Neugotik. Zeitgenossen beschrieben ihre Architektur und Ausstattung damals als „äußerst stattlich“ – ein Prädikat, das sie sich bis heute bewahrt hat.
Doch das Gebäude hat auch Narben getragen: Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde es in den 1950er Jahren wiederaufgebaut und erweitert. Aus dem Gymnasium für Mädchen Harburg wurde ab 1969 eine koedukative Einrichtung, später das Lessing-Gymnasium und schließlich die Lessing-Stadtteilschule. Ab 2021 erfolgte dann die umfassende Transformation zur heutigen Grundschule am Park.

Diese Sanierung war keine leichte Aufgabe. „Die Arbeit mit bestehender Bausubstanz sowie die Berücksichtigung der Bedürfnisse schulischer Nutzerinnen und Nutzer stellen für uns sowohl eine der anspruchsvollsten als auch eine der spannendsten Aufgaben der Architektur dar“, erklärte Niels-Arne Fehlig von Fehlig Moshfeghi Architekten. Das Aufdecken der unterschiedlichen Zeitschichten der Gebäudeteile und deren Integration in ein modernes Konzept war dabei besonders faszinierend. Eine zusätzliche Treppenanlage, moderne Brandschutzmaßnahmen und eine optimierte Raumaufteilung sorgen nun für eine zeitgemäße Nutzung. Bemerkenswert ist auch die Wiederherstellung der ehemaligen farbigen Fassadengestaltung der 1950er Jahre, die dem Gebäude seinen historischen Charme zurückgibt.
Mehr als nur Mauern: Ein lebendiger Lern- und Lebensort
Für Frank Rohweder, den Schulleiter der Schule am Park, ist die Auszeichnung eine Bestätigung eines mutigen Schrittes: „Wir haben eine große Herausforderung gemeistert: Aus einer altehrwürdigen, denkmalgeschützten Flurschule – also einer Schule mit reiner Vormittagsnutzung und eindimensionaler Raum-Klassenzuordnung – Flächen mit multifunktionaler Ausrichtung zu schaffen, die den Anforderungen einer modernen Ganztagsschule gerecht werden und Schule als Lern- und Lebensort für alle Schülerinnen und Schüler verstanden wird.“
Die Freude über die gelungene Sanierung ist auch bei GMH | Gebäudemanagement Hamburg groß. Jan Schneck, der die Geschäftsführung vertrat, betonte: „Die Sanierung und der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes der Schule am Park sind ein wichtiger Baustein für unser Ziel, gute Räume für gute Bildung zu schaffen.“ Es ist die Anerkennung dieser Bemühungen, die mit dem Denkmalpreis verbunden ist, eine Bestätigung für alle Beteiligten.
Der „Denkmalpreis Museumsverein Harburg“ ist zwar nicht dotiert, doch die Urkunde und die Plakette, die am Denkmal angebracht wird, sind von unschätzbarem Wert. Sie sind sichtbare Zeichen für den Idealismus und das Engagement der Eigentümer, die sich für den Erhalt und die Bewahrung von Harburger Denkmälern einsetzen. Die Schule am Park ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Geschichte und Zukunft Hand in Hand gehen können, um einen attraktiven Lernort und Identität für die kommenden Generationen zu schaffen.
