Meine Lieben, eure Clara Klatsch meldet sich heute aus der politischen Waschküche Harburgs
… denn nirgendwo sonst wird so heiß gewaschen und so viel schmutzige Wäsche aufgehängt wie bei den Diskussionen um unseren lieben Haushalt!
Die letzten Tage, meine Lieben, da ging es in der Bezirksversammlung wieder rund wie beim Sonntags-Tango im Seniorenheim. Und das alles für… ja, für was eigentlich? Für die Verteilung unseres sauer verdienten Steuer Euros, versteht sich.
Die Lokalpresse, allen voran Harburg Aktuell und das Hamburger Abendblatt, berichteten mal wieder ausführlich über die hitzigen Debatten. Da wurde gefeilscht, gestritten und geflucht – natürlich alles im Rahmen der Geschäftsordnung, versteht sich. Aber zwischen den Zeilen konnte man schon das ein oder andere Augenrollen und genervte Seufzen der Volksvertreter förmlich hören.
Es ist ja auch immer das Gleiche, meine Lieben. Jeder Stadtteil hat seine dringenden Wünsche, seine Herzensprojekte, die natürlich die allerwichtigsten sind. Der eine will endlich einen neuen Spielplatz für die Kleinen, der andere kämpft für mehr Parkplätze vor der eigenen Haustür (am besten natürlich kostenlos!), und wieder andere fordern mehr Geld für Kultur und Soziales. Und wer darf am Ende entscheiden, wer den Zuschlag bekommt und wer mit leeren Händen dasteht? Unsere tapferen Damen und Herren in der Bezirksversammlung.
Manchmal, meine Lieben, stelle ich mir das so vor wie beim Kaffeekränzchen meiner Nachbarin Erna. Da hat auch jeder seine ganz genauen Vorstellungen, wer den größten Kuchen bekommt und wer die letzte Tasse Kaffee. Und am Ende gibt es meistens ein bisschen Gemurre und lange Gesichter. Nur dass es bei Erna um ein Stück Apfelkuchen geht und in der Bezirksversammlung um Millionen von Euros. Aber das Prinzip ist irgendwie dasselbe, oder?
Da wird dann seitenlang über einzelne Posten diskutiert. Ob nun 5.000 Euro mehr für die Hundeauslaufzone wirklich notwendig sind oder ob die Sanierung der maroden Bushaltestelle nicht doch noch ein Jahr warten kann. Und während sich die Politiker die Köpfe heiß reden, frage ich mich manchmal, ob die wirklich wissen, was uns Harburgerinnen und Harburger so auf dem Herzen liegt.
Wir wollen doch eigentlich alle dasselbe, meine Lieben: eine lebenswerte Umgebung, sichere Straßen, gute Schulen für unsere Kinder und vielleicht ab und zu ein nettes Fest im Quartier. Und natürlich, ganz wichtig, genügend Parkplätze in der Nähe des Friseursalons meines Vertrauens! Aber zwischen all den Paragraphen und Anträgen geht das manchmal ein bisschen unter.
Manchmal habe ich das Gefühl, die da oben verlieren sich ein bisschen im Klein-Klein der Zahlen und vergessen dabei die großen Linien. Oder vielleicht auch einfach nur den Blick dafür, was uns Otto Normalverbrauchern wirklich wichtig ist.
Aber hey, jammern hilft ja auch nicht, wie meine Oma immer sagte. Und schließlich engagieren sich unsere Politiker ja ehrenamtlich und opfern ihre Freizeit für unser Wohl. Das muss man ihnen ja auch mal zugutehalten. Vielleicht sollten wir sie alle mal zu Ernas Kaffeekränzchen einladen. Vielleicht lernen sie da, wie man auch bei unterschiedlichen Meinungen zu einer halbwegs friedlichen Einigung kommt – und dass am Ende für jeden ein Stück Kuchen da sein sollte.
Bis dahin, meine Lieben, bleibt tapfer im Angesicht des Haushalts-Hickhacks. Und denkt daran: Am Ende des Tages wollen wir doch alle nur ein schönes Harburg. Und vielleicht, ganz vielleicht, kommt ja bei der nächsten Verteilung auch mal ein bisschen mehr für unsere Harburger Herzen raus. Eure Clara Klatsch bleibt optimistisch – irgendwie! Bis bald!
