Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Galgenhumor

Foto: enriquelopezgarre / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Derzeit fühle ich mich etwas verloren zwischen dem Hier und Jetzt.

Einerseits scheint die Zeit stillzustehen, andererseits überschlagen sich die Ereignisse. Die Corona-Krise stellt alles auf den Kopf, was ich bisher dachte und für un- bzw. möglich hielt.

Nur der Zweifel am eigenen Urteilsvermögen hält tapfer die Stellung und weicht nicht von meiner Seite, die treue Seele! Ohne den Mindestabstand einzuhalten, hocken wir daheim und stecken die Köpfe zusammen, dass es nur so qualmt.

Gemeinsam machen wir uns noch lustig, weil wir finden, wir sollten unseren Humor nicht verlieren, was auch kommen mag. Und im nächsten Moment werden wir wieder todernst, was ja ebenfalls ganz angebracht ist.

Im Wechselbad der Gefühle und mit einem Wirrwarr aus Gedanken verbringen wir die Zeit zuhause und hoffen, dass das Virus uns hier nicht findet. Oder verschont. Ich habe mir überlegt, es hereinzubitten und auf eine Tasse Tee einzuladen, sollte es überraschend vor der Tür auftauchen.

Mein Zweifel findet das keine so gute Idee. Er plädiert für Espresso. Klein, stark und schwarz! Ich widerspreche, weil ich gerne das letzte Wort habe: Nein, abwarten!

Dabei bin ich mir meiner Sache überhaupt nicht sicher. Wie auch? Bin ich Experte? Eigenwilliges Denken, kritisches Hinterfragen und vor allem Besserwisserei kann ich mir momentan kaum erlauben.

Meine persönliche Lage stellt sich mir derzeit so dar: Ich bin gefangen in einer Manege. Die Gedanken traben oder galoppieren in eine Richtung, wechseln diese bei einem kurzen Peitschenknall und kreisen dann gegensätzlich, aber weiterhin um Corona, der neue Mittelpunkt der Erde.

Ich werde mich heute mal hinsetzen und meine Hausaufgaben machen. In mir sieht es nämlich aus wie bei Hempels unterm Sofa. Ein Kopf voller Flausen und diffuser Ängste. Die werde ich einmal näher beleuchten und sortieren. Einige zerfallen bei Licht betrachtet hoffentlich zu Staub wie Vampire.

Tatsächlich ist diese Kolumne leicht geschwindelt. In Wirklichkeit ging mein Humor schon vor Tagen in den Keller. Ich dachte, nur kurz, zum Lachen oder so. Doch weil er gar nicht wieder herauf kommt, frage ich mich leicht besorgt: Er wird sich doch nicht etwa schon einen Galgen basteln?

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