Der Harburger Autor Baudy im Gespräch:

Lyrik als Auszeit

Foto: Gisela Baudy

Der Harburger Chris Baudy hat beim Harburger Verlag awsLiteratur kürzlich sein Debüt veröffentlicht. „Blätter unter Bäumen“. Simone Erdmann sprach mit ihm.

Der Lyrikband „Blätter unter Bäumen“ (´Tiefgang` berichtete) enthält Reisenotizen durch die Brille eines Stadt-Radlers und Fußgängers.

Christian Baudy skizziert in verspielten Kurzgedichten die kleinen Besonderheiten des Alltags – Momente, die Auge und Ohr für unsere Umwelt schärfen.

Tiefgang (TG): Deine Gedichtsammlung „Blättern unter Bäumen“ ist gerade bei aws-Literatur erschienen. Erzähl mal, worum es in deinem Debüt-Band geht.

Christian Baudy: Es geht um das Erleben von Stadt-Natur. Momentaufnahmen, Beobachtungen, die ich auf diversen Radtouren, Jogger-Runden und Spaziergängen „im Grünen“ gemacht habe. Und dann in Gedichtform aufgeschrieben habe.

TG: Also reden wir hier von einer Art lyrischer Reisenotizen. Was hat dich dazu motiviert?

Baudy: Ich musste diese Augenblicke einfach irgendwie festhalten. Auch für andere.

TG: Mit welcher Botschaft?

Baudy: Ich möchte meine Leserschaft einladen, draußen mal innezuhalten, Natur zu atmen, zu schmecken, zu riechen und mal genauer hinzusehen und hinzuhören. Praktisch Tuchfühlung mit der natürlichen Umwelt aufzunehmen und den Gefühlen dabei nachzuspüren. Denn das ist sehr wohl auch in der Stadt möglich und auch in vielerlei Hinsicht nötig.

TG: Warum?

Baudy: Wir alle brauchen eine Auszeit vom meist hektischen Alltag: Man vergisst ja fast vor lauter beruflichen Terminen und privaten Verpflichtungen das Luftholen, besonders in der Stadt. Und wenn ich an die Zukunft unseres Planeten denke, die ja letztlich auch unser aller Zukunft ist, dann sollten wir uns unsere Umwelt innerlich und direkt, quasi „vor Ort“ zurückerobern, entspannt betrachten, auf sich wirken lassen und vor allem ihren Wert schätzen lernen.

TG: Aha, daher weht der Wind. Schreibst du bevorzugt Gedichte?

Baudy: Zurzeit schon.

TG: Was bedeutet speziell Dichten für dich?

Baudy: Für mich ist Dichten eine komprimierte Kunstform der Sprachführung, des Erzählens, des Kommunizierens. Da steckt Rhythmus und Klang, Kopf-Kino und Dialogangebot in einem drin. Mit Gedichten kann ich Emotionen, Beobachtungen, Erfahrungen, Reaktionen und Reflektionen relativ kurz, aber nicht mal so eben, zum Ausdruck bringen – mal verspielt, experimentell, mal gereimt, mal humorvoll oder ernsthaft. Und wenn meine Dichtkunst beim Gegenüber eine Saite (gerne auch mehrere) zum Klingen bringt, bin ich am Ziel meiner Träume.

TG: Seit wann schreibst du eigentlich?

Baudy: Gedichtet habe ich bereits als Teenager, meist leichte Kost und kurz. Zuerst auf Deutsch, dann zunehmend auch auf Englisch und insgesamt mit mehr Tiefe, aber immer noch kurz. In den letzten Jahren sind auch Kurzgeschichten dazugekommen, die sich, wie viele meiner kurzen Gedichte, entweder auf Online-Portalen und oder in Anthologien tummeln. Ja, und nun liegt ja mein Erstlingswerk vor.

TG: Woher kommen deine Ideen zu den Gedichten?

Baudy: Mal abgesehen von bestimmten Anlässen ist es der Augenblick, der mich zum Dichten bringt. Und die Herausforderung, mit wenigen, aber effektiven Mitteln viel zu sagen und durch geschickte, sprachliche Schachzüge mein zentrales Anliegen und Empfinden auf den Punkt zu bringen. Es braucht nicht immer viele Worte.

TG: Gibt es literarische Vorbilder für dich?

Baudy: Ja im Grunde alle, deren Werke mich sehr ansprechen. Auf Lyrik bezogen fallen mir da spontan ein: die klassischen japanischen Dichter wie Matsuo Bashō und Yosa Buson, der libanesisch-amerikanische Dichter und Philosoph Kahlil Gibran, der österreichische Dichter Erich Fried; auch Janosh oder Wilhelm Busch. Aber auch zeitgenössische Schriftsteller:innen wie etwa Angelika Seithe.

TG: Hast du schon neue literarische Projekte in petto?

Baudy: Och, so einige. Ein weiterer Gedichtband liegt an. Auch das eine oder andere Kinderbuch entsteht gerade im Kopf und so manche Kurzgeschichte wartet auf ihren öffentlichen Auftritt.

TG: Da liegt ja noch Einiges vor dir.

Baudy: Ja, und gut Ding will Weile haben, besonders wenn der Brot-Job ständig dazwischenfunkt, damit die Kasse stimmt.

TG: Und womit verdienst du deine Brötchen?

Baudy: Die Butter zum Brot kommt über freiberufliche Tätigkeiten. Genauer über das Schreiben deutscher und manchmal auch englischer Sachtexte oder Online-Artikel. Manchmal kommen auch deutsch-englische Übersetzungsarbeiten dazu.

TG: Du bist also auch beruflich ein Textarbeiter.

Baudy: Ja, aber ebenso ein Event-Koordinator, Netzwerker und gelegentlich auch Bildungstätiger.

TG: Du bist also ein vielseitig beschäftigter Mann. Ich danke dir für das Gespräch.

(Das Interview für ´Tiefgang“ führte Simone Erdmann)

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