Die Harburger Herzblatt-Kolumne

Wenn Eisblumen Herzen schmelzen lassen

Clara Klatsch hat wieder genau hingehört ...

Meine Lieben, schnallt euch an! Oder besser gesagt: Zieht die dicken Socken über, wickelt den Schal dreimal um den Hals und sucht eure Spikes für die Schuhe.

Der Winter hat uns seit heute Morgen so richtig in der Mangel. Harburg sieht aus wie eine überdimensionierte Puderzuckerdose, und während die einen über das Chaos auf den Schienen fluchen, habe ich Geschichten entdeckt, die mich trotz Minusgraden innerlich zum Glühen bringen.

Wusstet ihr, dass in den hügeligen Ecken von Eißendorf und Heimfeld heute Morgen kleine Wunder passiert sind? Da gab es nicht nur den üblichen Kampf gegen die Schneemassen vor der eigenen Haustür. Nein, in einer kleinen Sackgasse haben sich junge Nachbarn zusammengetan und eine spontane Schnee-Brigade gegründet. Bewaffnet mit Schaufeln und guter Laune haben sie systematisch die Gehwege der älteren Bewohner freigeschaufelt, die sich bei diesem Glatteis kaum vor die Tür getraut hätten. Ohne Bezahlung, ohne großes Aufheben – einfach nur, weil man in Harburg zusammenhält, wenn es brenzlig wird.

Aber mein absolutes Highlight der Woche kommt von einem kleinen Kioskbesitzer in der Nähe des Harburger Rathauses. Als die S-Bahn heute Morgen mal wieder ihre ganz eigene Interpretation von Pünktlichkeit pflegte und hunderte Pendler bibbernd am Bahnsteig und am ZOB standen, hat er kurzerhand eine Kanne heißen Tee und Pappbecher nach draußen gestellt. Kostenlos für alle, die eine Aufwärmpause brauchten. Er sagte nur: Wir frieren hier doch alle gemeinsam. Das ist genau der Geist, den ich an unserem Bezirk so liebe!

Auch die Stadt hat reagiert und das Winternotprogramm sowie die Warmen Orte hochgefahren. Es ist beruhigend zu sehen, dass in einer Metropole wie Hamburg niemand vergessen wird, wenn die Temperaturen in den Keller rauschen. Dass Gemeinden ihre Türen öffnen und Menschen einen Platz zum Aufwärmen bieten, ist gelebte Mitmenschlichkeit.

Was lernen wir daraus? Der Winter mag uns die Wege versperren und die S-Bahn-Anzeigen in den Wahnsinn treiben, aber er zwingt uns auch dazu, einen Gang runterzuschalten und mal wieder nach links und rechts zu schauen. Die Kälte da draußen ist nur halb so schlimm, wenn wir uns gegenseitig mit einer kleinen Geste oder einem heißen Tee ein bisschen Wärme schenken.

Also, meine Lieben: Seid heute auch ein bisschen Schnee-Held oder Winter-Engel für jemanden. Ein Lächeln im Schneegestöber kostet nichts und ist das beste Frostschutzmittel für die Seele. Passt auf euch auf, rutscht nicht aus und genießt das weiße Wunder, solange es da ist!

Eure Clara

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