Archäologisches Museum Hamburg hat neue Sonderausstellung eröffnet:

Die Mobilität des Menschen

Ein Familienbild von tausenden von Jahren. (Bilder: AMH)

Migration ist allgegenwärtig. Aber ist sie wirklich neu? Das Museum in Harburg bietet einen verblüffenden Perspektivwechsel an …

 „Zwei Millionen Jahre Migration“ ist der Titel der Sonderausstellung, die das Archäologische Museum Hamburg nun eröffnete und bis zum 2. September 2018 zeigt. Die Ausstellung verdeutlicht mit einem Blick in unsere früheste menschliche Entwicklungsgeschichte, dass Mobilität und Migration selbstverständliche Bestandteile des Menschseins und kein modernes Phänomen sind. Die Spurensuche im Museum führt dabei von den Wurzeln des Menschen in Afrika über Asien bis nach Europa. Wie begann die Reise des Menschen, welche Ursachen, Mechanismen und Auswirkungen stehen hinter dem Phänomen der Migration? Die Schau lädt dazu ein, diese Fragen zu ergründen.

Die aktuelle Einwanderung von Menschen aus Afrika und Westasien nach Europa löst umfassende Debatten aus und wird die europäischen Gesellschaften über Jahre hinaus begleiten. Menschen waren aber zu allen Zeiten mobil. Auf der Suche nach Nahrung, Wasser und anderen Ressourcen haben sie sich sowohl kleinräumig bewegt als auch andere Regionen und Kontinente besiedelt. Die Ausstellung präsentiert unsere unterschiedlichen Wurzeln aus Afrika und Westasien. Dabei werden vier wichtige Migrationsereignisse vorgestellt: Vor zwei Millionen Jahren kamen erstmals Vertreter des Homo erectus aus Afrika nach Asien und Europa und haben sich von dort ausgebreitet. Vor 100.000 Jahren erfolgte dann über dieselbe Route die Auswanderung der modernen Menschen. Erst vor 7.000 Jahren wanderten Ackerbauern und Viehzüchter aus dem heutigen Anatolien nach Europa ein. Sie vermischten sich mit der hier ansässigen Bevölkerung. Schließlich wanderten vor 4.000 Jahren Menschen aus den östlichen Steppen Richtung Westen, und es kam erneut zu einer Vermischung und zum Kulturaustausch.

„Mit der Darstellung der vielen Migrationsereignisse in der frühen Geschichte des Menschen möchte das Museum den Besuchern einen Perspektivwechsel ermöglichen: Sie können das Thema aus dem archäologischen Blickwinkel betrachten und so einen distanzierten Standpunkt einnehmen, der nicht von Tagesaktualität geprägt ist, sondern von der Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis“, erklärt Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg.

Die Ausstellung lädt die Besucher ein zu ergründen, welche Ursachen, Mechanismen und Auswirkungen hinter dem Phänomen der Migration standen und stehen. Besucher können die Ausstellung auf unterschiedlichen Informationsebenen erleben. Mit Audio-Reiseführern für Kinder und Erwachsene reisen sie zu den wichtigsten Migrationsereignissen in unsere Vergangenheit. Dazu bieten spezielle Informationsboxen in jedem Bereich passende Spiele und vielfältige zusätzliche Materialien. 

Faszinierende Spuren der Migrationsgeschichte auch in Hamburg

Zur Ausstellung gehören auch die Geschichten heutiger Migranten. Das Museum hatte im Vorfeld der Schau Neu-Hamburger und Hamburger mit Migrationshintergrund in der ersten, zweiten und dritten Generation aufgerufen, ihre Geschichten zur Ausstellung beizutragen. Dabei interessierten sich die Ausstellungsmacher besonders dafür, was die Themen Kultur, Heimat oder Herkunft für die Neu-Hamburger bedeuten und welche Gründe sie nach Hamburg geführt haben. Die Erfahrungen und Motive der modernen Migranten sind in der Ausstellung als Videos zu sehen. Dabei erfährt der Besucher nicht nur etwas über die Geschichten von Geflüchteten aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan, sondern lernt auch ganz überraschende Migrationsbiographien kennen: So erzählen zum Beispiel eine australische Barkeeperin und eine ukrainische Stadtplanerin, wie sie in Hamburg eine neue Heimat gefunden haben. 

Der Extra-Rundgang: Auf den Spuren der Migration durch die Archäologische Dauerausstellung

Ergänzend zur Sonderausstellung empfiehlt sich ein Gang durch die Archäologische Dauerausstellung des Museums. Auch hier können viele Hinweise entdeckt werden, die zeigen, dass Migration auch in unserer Geschichte schon immer eine wichtige Rolle gespielt hat. In der Dauerausstellung sind viele herausragende archäologische Exponate des Museums zu sehen, die im Kontext der Migrationsgeschichte stehen. Der Rundgang ist für die Besucher mit besonderen Hinweisen gekennzeichnet. 

Kooperation mit dem Auswanderermuseum BallinStadt Hamburg

Die Fortsetzung der spannenden Geschichte der Ein- und Auswanderung können die Besucher in der BallinStadt Hamburg erleben: Gegen Vorlage eines Tickets von „Zwei Millionen Jahre Migration“ erhalten Museumsbesucher in der BallinStadt Hamburg einen „2 für 1“-Rabatt: Nur die erste Person zahlt Eintritt, die zweite hat freien Eintritt (nicht mit anderen Rabatten kombinierbar). Im Gegenzug dürfen Besucher der BallinStadt Hamburg zu den gleichen Konditionen in das Archäologische Museum Hamburg. Zwischen den beiden Ausstellungen liegen nur zwei S-Bahn-Stationen (S3/S31). 

Begleitprogramm zur Ausstellung

Im Rahmen der Sonderausstellung hat das Archäologische Museum Hamburg ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm zusammengestellt: Bei Führungen durch die Ausstellung, aber auch bei Workshops und Vorträgen erfahren die Besucher viel über die Bedeutung archäologischer Forschung für heutige gesellschaftliche Herausforderungen. Den Fragen, woher wir kommen und was genau die Reise unserer Vorfahren mit unserer Gegenwart und Zukunft zu tun hat, wird zum Beispiel in einer spannenden Führung durch die Ausstellung nachgegangen. Im Rahmen eines Workshops begeben sich die Teilnehmer auf einen Streifzug durch die Vergangenheit und entdecken, welches genetische Erbe in ihnen steckt. Neue Forschungen geben dabei ungeahnte und überraschende Einblicke. Das Archäologische Museum Hamburg hält Angebote für alle Alters- und Interessengruppen bereit.

„Zwei Millionen Jahre Migration“ ist eine Ausstellung des Neanderthal Museums in Mettmann.

Informationen zum Ausstellungsbesuch:

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 17 Jahre frei; Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10:00 – 17:00 Uhr

Ort: Archäologisches Museum Hamburg, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg

Laufzeit: bis 2. September 2018

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