Fundus knackt 400-Werke-Marke, doch Raumnot bremst Vermittlungsarbeit aus

Erfolgsmodell Kunstleihe Harburg wächst weiter

Gruppenbild mit Kunst: Die Kunstleihe bei der Jahreshauptversammlung (Fotos [2]: PR)

Die Kunstleihe Harburg ist ein Leuchtfeuer der kulturellen Teilhabe, ein Ort, an dem die sogenannte Share Economy – also das gemeinschaftliche Nutzen statt Besitzen von Gütern (hier der Kunst) – auf den ästhetischen Eigensinn eines Originals trifft. Doch dieser anhaltende Erfolg bringt den Verein an schmerzhafte Grenzen.

Wie aus der jüngsten Bilanz der Jahreshauptversammlung hervorgeht, hat der Fundus mittlerweile die Marke von 400 Werken lange geknackt. Darunter befindet sich ein bemerkenswerter Neuzuwachs: Werke des bekannten früheren Harburger Künstlers und Bühnenbildners Carl Ihrke, darunter ein Akt und ein farbiger Druck, die eine spannende Erweiterung zu seinem ansonsten vor allem für Schwarz-Weiß-Arbeiten bekannten Œuvre darstellen. Es ist diese nahbare Vermittlung von Gegenwartskunst, die ich erst kürzlich in einer mehrteiligen Betrachtung (siehe die Tiefgang-Beiträge Das Wohnzimmer als Kunst-Labor, Sharing Geist ohne Kunst, Die Ästhehtik des Teilens oder Der Weg zu Hamburgs größter Kunstausstellung) als demokratisierenden Motor gewürdigt habe. Die Idee, Kunst aus den staubigen Depots direkt in den alltäglichen Lebensraum zu holen, verändert unweigerlich die Wahrnehmung von Raum und Ästhetik von Grund auf.

Doch genau diese Vermittlungsarbeit droht nun an harten räumlichen Gegebenheiten zu scheitern. Für kreative Workshops, Kurse oder die einst so florierenden Kunstsalons von und mit der Harburger Künstlerin Petra Hagedorn fehlt in den aktuellen Räumlichkeiten schlicht der Platz. Auch thematische Sonderausstellungen lassen sich im zu engen Domizil kaum realisieren. Die intensive Suche nach geeigneten, größeren Wirkungsstätten – man sondierte dabei Optionen wie das ehemalige Karstadt-Gebäude in Harburg, das Ex-Miskatonic-Theater oder leerstehende Ladengeschäfte – blieb in den vergangenen Monaten leider ausnahmslos ohne greifbares Ergebnis.

Neu im Fundus: ein ungewöhnliches Werk des bekannten Harburger Künstlers Carl Ihrke.

Dennoch gibt es ein unmissverständliches Bekenntnis zum Standort. Der Vorstand, bestehend aus Heiko Langanke als erstem Vorsitzenden, Sabine Schnell als zweiter Vorsitzender und Peter Leibrock als Schatzmeister, wurde im Amt bestätigt und treibt die Suche mit Nachdruck voran, um das kulturelle Angebot im Hamburger Süden langfristig zu sichern. Harburg braucht diesen Freiraum für den Diskurs.

Man kann nur die Daumen drücken, auf kunstverständige Mäzen hoffen oder dort Kunst leihen, um diesen Schatz eigentümlicher Kunstsammlung zu erhalten, zu fördern und zu heben.

Informationen zur Kunstleihe unter: www.kunstleihe-harburg.de


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