´Tag des offenen Denkmals` lädt auch im Süden der Stadt an zahlreiche Orte:

Geh mal ins Denkmal!

Ende des 19. Jahrhunderts war das Warten auf die Bahn noch ein Erlebnis - damals Wartesaal, heute Kunstverein im Harburger Bahnhof.

Am Sonntag, 9. September, wird bundesweit zum „Tag des offenen Denkmals“ geladen. Auch in Harburg gibt es viel zu entdecken …

Obwohl es schon freitags (7.9.) los geht, ist der offizielle „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 9. September. Unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ finden dann bundesweit und so auch in Hamburg und gar Harburg jede Menge Veranstaltungen statt, bei denen mal bestehende Denkmäler besuchen, erkunden, entdecken kann. Viele von ihnen sind sonst nämlich der Öffentlichkeit verschlossen.

In Hamburg sind es allein über 140 Veranstaltungen vom 7. bis 9. September. Eine große Anzahl der Denkmäler wurde mit Unterstützung der Stiftung Denkmalpflege Hamburg restauriert oder erhalten.

Das bundesweite Motto des Denkmaltages „Entdecken, was uns verbindet“ greift den Leitgedanken „Sharing Heritage“ des Europäischen Kulturerbejahres 2018 auf, der das gemeinsame kulturelle Erbe jenseits nationaler Grenzen in den Fokus stellt. So lässt sich in Hamburg das Wirken zugereister Künstler, Baumeister, Ingenieure und Handwerker entdecken – wo haben sie ihre Spuren hinterlassen und welche Entwicklungen sind von Hamburg aus in die Welt gegangen?

Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien: „Das Programm zum ‚Tag des offenen Denkmals‘ verdeutlicht, wie vielschichtig und international geprägt die Denkmallandschaft in Hamburg ist. Von ihrer kulturellen Attraktivität zeugen die zahlreichen Veranstaltungen, die gleichzeitig Anknüpfungspunkte für einen grenzüberschreitenden Austausch bieten. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement.“

Irina von Jagow, Stiftung Denkmalpflege Hamburg: „Seit 40 Jahren fördert unsere Stiftung Denkmäler in der Hansestadt und trägt zum Erhalt der historischen Baukultur bei. Viele Denkmäler, an deren Restaurierung oder Rettung die Stiftung beteiligt war, sind an diesem besonderen Wochenende zu besichtigen. Sie erkennen Sie durch das Türmchen-Logo.“

Der Hamburger „Tag des offenen Denkmals“ startet am Freitag, 7. September um 16 Uhr mit der Auftaktveranstaltung „Was uns verbindet – in Hamburg internationale Kulturgeschichte entdecken“ in einem historischen Pumpwerk von William Lindley auf dem Gelände von Hamburg Wasser.

Am Wochenende gibt es neben Führungen, Vorträgen und kulturellen Angeboten für Erwachsene für die jüngeren Besucher und ihre Familien ein vielfältiges Familienprogramm. Auch in diesem Jahr verbindet der Barkassen-Shuttle am Sonntag den Hamburger Hafen mit dem Harburger Binnenhafen. In Bergedorf wird es eine Ringlinie mit einem historischen Omnibus geben, ein historischer S-Bahn Zug ist auch unterwegs.

Das ausführliche und tagesaktuelle Programm für den „Tag des offenen Denkmals“ ist hier www.denkmalstiftung.de erhältlich. Kostenlose Programmbroschüren liegen ab sofort unter anderem in Bücherhallen und Bezirksämtern, in der Tourist Information am Hauptbahnhof, im Rathaus und in der Landeszentrale für politische Bildung aus.

Organisiert wird der „Tag des offenen Denkmals“ in Hamburg gemeinsam vom Denkmalschutzamt der Behörde für Kultur und Medien und der Stiftung Denkmalpflege Hamburg. Bundesweit wird der Denkmaltag von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Er steht als Teil der „European Heritage Days“ unter der Schirmherrschaft des Europarats und findet jedes Jahr europaweit am zweiten Sonntag im September statt.

Und das gibt es im Süden:

Finkenwerder:

– Kutterhafen Finkenwerder

Seit 1994 liegen segelnde ehem. Berufsfahrzeuge im Kutterhafen. Die stählernen Ewer FRIEDA und JOHANNA sicherten Anfang des vorigen Jahrhunderts den Warenstrom zwischen Hamburg und den niederelbischen Marschen. Sie transportierten Baumaterial aus den Ziegeleien der Unterelbe, Obst und Gemüse aus dem

Alten Land sowie Stückgüter wie Kisten und größere Gepäckstücke. Komplettiert wird das Ensemble durch den kleinen Haseldorfer Ewer DIE VERÄNDERUNG, den ehemaligen Fischkutter HF 329 WILMA und das Kulturschiff ALTENWERDER. Auf der alten ausrangierten Hafenfähre finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Veranstalter: Finkenwärder-Gaffel-Gemeinschafte. V., Ort: Köhlfleet-Hauptdeich, Offen: Sa. 11–17 h, So. 11–16 h, Führung: nach Bedarf

– Fritz-Schumacher-Kapelle Finkenwerder

Die von Fritz Schumacher 1926 entworfene Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder wurde 2014/15 renoviert. 2016 folgte die Freilegung der Dekorationsmalerei am Bogensturz. Die Kapelle wurde der Finkenwerder Geschichtswerkstatt zur Nutzung überlassen. Es finden Ausstellungen und Veranstaltungen statt, zudem dient sie als außerschulischer Lernort. Durch die Besonderheit des Ortes mit Kriegsgräbern aus zwei Weltkriegen liegt der thematische Schwerpunkt bei Krieg, Vertreibung, Migration und Integration.

Veranstalter: Finkenwerder Geschichtswerkstatt im KFN – Kunstförderung Nord, Ort: Norderkirchenweg/Finkenwerder Landscheideweg, Offen: Sa. 10–18 h, So. 10–17 h, Führung: halbstdl. (Kapelle), lfd. (Friedhof)

Harburg:

– Barkassen-Shuttle zwischen Hamburger Hafen und Harburger Binnenhafen

Fahrzeiten am Sonntag, 9. September 2018: ab Ponton Hohe Brücke 2 („Mäuseturm“ ggü. Miniaturwunderland) – bis Kanalplatz, Harburger Binnenhafen: 10.30, 13.30 und 16.30 h ab Kanalplatz, Harburger Binnenhafen – bis Ponton Hohe Brücke 2: 12, 15 und 18 h, Fahrpreise: Einfache Fahrt 12 Euro, Hin- und Rückfahrt 19 Euro (Kinder 50 %). Reservierung unter barkasse@muhahar.de. Restkarten an Bord. Fahrzeit 75 Min., „Hansa III“ von Barkassen-Bülow, Veranstalter: Museumshafen Harburg e. V.

– Harburger Rathaus

Das Harburger Rathaus wurde 1892 nach Entwürfen des Architekten Christoph Hehl im Stil der flämischen Renaissance fertig gestellt. Das Stadthaus von 1830 am Sand war für die Verwaltungsaufgaben Harburgs zu klein geworden. Das Rathaus besitzt eine prachtvolle Fassade, die sich in einen vorspringenden Mitteltrakt und zwei kleinere Seitenrisalite gliedert. Der Rundgang führt in den Großen Sitzungssaal mit historischen Buntglasfenstern, in das repräsentative Treppenhaus und unter das Dach, wo sich seit dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg an Stelle des Wappens das Uhrwerk der Turmuhr befindet.

Veranstalter: Bezirksamt Harburg, Harburger Rathausplatz 1, Führung: Fr. 11.30 und 13.30 h, nur nach Anm. bis 5.9. bei pressestelle@harburg.hamburg.de oder Tel. 040-428713505

– Ehem. Wartesaal Harburger Bahnhof

Der 1872 in Betrieb genommene Fernbahnhof Harburg befindet sich in einem Backsteinrohbau mit romanischen und norddeutsch-gotischen Formen (1896/97, Hubert Stier). Im prunkvollen ehemaligen Wartesaal 1. Klasse mit Holz-Kassettendecke befindet sich heute ein Kunstverein. Der Raum ist neben dem Literaturhaus einer der wenigen erhaltenen Versammlungsräume mit freistehender Deckenkonstruktion und zugleich die letzte historische Bahnhofswartehalle Hamburgs. Am Denkmaltag führen Bahnhofs- u. Eisenbahnexperten.

Veranstalter: Kunstverein Harburger Bahnhof, im Bahnhof über Gleis 3 & 4, Hannoversche Str. 85, im Bahnhof über Gleis 3 & 4, Offen: So. 12–18 h, Führung: So. ab 12.30 h stdl.

– Dreifaltigkeitskirche Harburg

Die Dreifaltigkeitskirche Harburg wurde nach Plänen der Architekten Ingeborg und Friedrich Spengelin (1962/63, Glockenturm 1966) an Stelle des 1944 zerstörten Vorgängerbaus errichtet, von dem nur Portal und Westfront (1650-52) und wenige Ausstattungsstücke erhalten sind. Seit Juni 2018 werden neue Konzepte für das Ensemble (Kirche, Höfe, Turm u. Gebäude) erarbeitet, die am Denkmaltag unter dem Motto „3falt – Kunst – Kultur – Kreativität: Erkundung, Erforschung & Erprobung der Dreifaltigkeitskirche“ vorgestellt werden. Anfang 2019 wird über die Zukunft der Kirche entschieden.

Veranstalter: Initiative Suedkultur & Stadtkultur Hafen e. V., Neue Straße 44, Offen: Sa. und So. 10–18 h, Führung: Sa. und So. 15 h und nach Bedarf, Programm: Nachzeichnen hist. Ansichten auf div. Maluntergründen. Musik, Speisen u. Getränke a.d. Entstehungsjahrzehnt

– Fahrradtour „Entdecken, was uns verbindet … in Harburg”

Die Tour durch Harburg mit eigenem Fahrrad steht unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet”. Angefahren werden u. a. die „Salzburger Häuser“, die an die 1733 ausgesiedelten 42 Berchtesgardener Protestanten erinnert, sowie der Schwarzenberg mit dem 1690 angelegten Jüdischen Friedhof und wenn möglich auch einige Kirchen mit „Migrationshintergrund” sowie der ab 1890 angelegte „Neue Friedhof“. Auf 32 ha befinden sich dort mehr als 32.000 Grabstätten, was ihn zum größten zusammenhängenden Friedhof Norddtl. in kirchlicher Trägerschaft macht.

Veranstalter: Geschichtswerkstatt Harburg e. V., Führung: Sa. 10 h (Dauer: 4 Std., Strecke ca. 20 km). Treff: Kanalplatz 16/Fischhalle

– Kontor- und Wohnhaus Kanalplatz 6

Das Gebäude in zentraler Hafenlage wurde 1854 vom Harburger Kaufmann L. W. Brammer als Wohnhaus mit „Comptoir“ errichtet. 1906 erfolgte der Umbau zu einem repräsentativen Kontorhaus für die Reederei und Schifffahrtsgesellschaft Renck & Hessenmüller durch die Architekten Distel & Grubitz. Aus der nahezu 100-jährigen Nutzungsgeschichte der Harburger Traditionsfirma sind Teile der hist. Kontor- und Konsulatsausstattung (C. Renck war Vizekonsul von England und Portugal) erhalten. Seit 2010 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Das alte Kontor wird heute von der Kulturwerkstatt Harburg genutzt.

Veranstalter: Birgit Caumanns, Kanalplatz 6, Offen: So. 12–18 h, Führung: So. 15 h

– Portalkran am Lotsekai

Der Liebherr-Portalkran von 1972 symbolisiert die industriell-gewerbliche Epoche der etwa 1000-jährigen Geschichte des Harburger Binnenhafens. Er wurde von der Firma Mulch Güterservice bis 2006 für den Umschlag von Schüttgut genutzt. Nach Verlagerung des Betriebs rettete die KulturWerkstatt Harburg den Kran, der jetzt im Museumshafen Harburg e. V. integriert ist. Denkmalgerecht saniert, ist der betriebsbereite, begehbare „KulturKran“ heute ein Open-Air-Veranstaltungsort. Zwei Eisenbahnwaggons, ein Schiebewandwagen, Bauart Hbis 299 und ein Güterwagen, Bauart Gbs 213, ergänzen das Industrie-Ensemble.

Veranstalter: Museumshafen Harburg e. V., Lotsekai, Harburger Binnenhafen Offen: So. 12–18 h, Führung: lfd. (Kran und Waggons) Programm: stdl. Kran in Bewegung

Speicher am Kaufhauskanal

Das „Neue Kaufhaus“ wurde 1827 als Ergänzung am Ende des Kaufhauskanal erbaut, musste aber 1881 der Eisenbahn nach Stade weichen, deren Strecke die Stadt teilte. Daraufhin wurde es an den heutigen Standort versetzt. Zum Fachwerkbau mit 3 Lagerböden kam 1888 ein „verputztes” Comptoirgebäude. Nach aufwendiger, denkmalgerechter Renovierung ist die historische Nutzung als Lebensmittel- und Werkzeuglager noch gut sichtbar. Im Schuppen sind noch die alten Balken, Winden, Luken und Waagen vorhanden. Er gilt als ältester Großspeicher Hamburgs.

Veranstalter: LIVE GmbH, Blohmstr. 22, Offen: So. 11–17 h, Führung: halbstdl. Nach Bedarf

– Friedrich-Ebert-Gymnasium

Das Friedrich-Ebert-Gymnasium wurde 1928 gegründet und ist das zweitälteste Harburger Gymnasium. 1929/30 wurden das Friedrich-Ebert-Gymnasium und die Friedrich-Ebert-Halle durch das Hochbauamt der Stadt Harburg-Wilhelmsburg errichtet. Der Entwurf stammt von Nicolas van Taack-Takranen, fertiggestellt wurden die Gebäude von Otto Kleeberg. Der Backsteinbau steht in der Tradition der Bauhausarchitektur und folgt Prinzipien, die der Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher für moderne Schulgebäude gefordert hatte. Die Restaurierung des Gebäudekomplexes wurde Anfang diesen Jahres abgeschlossen.

Veranstalter: Friedrich-Ebert-Gymnasium, Alter Postweg 30–38, Offen: So. 14–17 h, Führung: So. 14–17 h, lfd. nach Bedarf. Treff: Foyer im linken Flügel des Hauptgebäudes, Programm: So. 14–17 h Orgelmusik (Ebert-Halle)

Wilhelmsburg:

– Windmühle „Johanna”

Die Mühle wurde 1875 als zweistöckiger Galerieholländer errichtet und ist heute das Wahrzeichen der Elbinsel Wilhelmsburg und Hamburgs „Hochzeitsmühle“. Ihre stattliche Erscheinung verleihen ihr die Reeteindeckung und der aufwendig gestaltete steinerne Unterbau. Sie besitzt noch eine umfangreiche und funktionsfähige technische Ausstattung, bestehend aus vier Mahlgängen, Elevator, Sichter, Silos, Mischer, Sackaufzügen und Getreidequetsche. 1997/98 restaurierte der Mühlenverein das technische Denkmal vollständig. 2013 wurde das Backhaus nach hist. Vorbild neu erstellt.

Veranstalter: Wilhelmsburger Windmühlenverein e. V., Schönenfelder Str. 99a, Offen: So. 12–18 h, Führung: nach Bedarf, Programm: Vorführungen der Mühlentechnik (bei entspr. Wind, sonst mit Motorantrieb), „Hamburger Mühlenladen“ u. Backhaus geöffnet

– Ehem. Hannoversches Amtshaus Wilhelmsburg

Das ehem. Hannoversche Amtshaus wurde 1724 auf den Grundmauern des Schlosses der Groten erbaut, von dem Gewölbekeller sowie Burggraben noch vorhanden sind. Das Amtshaus bildet mit Kreuzkirche, Dorfkrug sowie alten Häusern das Milieuschutzgebiet Kirchdorf. Das Museum im Amtshaus informiert über die Eindeichungen im 14. Jh., die von den Welfen geprägte Barockzeit bis zum Umbruch von der bäuerlichen Kultur hin zum Hafen- und Industriegebiet. Dabei wird neben landwirtschaftlichen Techniken auch über die Gewerke der vielen damaligen Werften informiert.

Veranstalter: Museum Elbinsel Wilhelmsburg e. V., Kirchdorfer Str. 163, Offen: So. 11–17 h, Führung: nach Bedarf Programm: So. 10 h, Openair-Gottesdienst der Kreuzkirche Kirchdorf vor dem Amtshaus

Hintergrund:

Im Jahr 1920 wurde in Hamburg die staatliche Denkmalpflege eingerichtet. Heute bildet das inzwischen mehrfach novellierte Denkmalschutzgesetz vom 5. April 2013 die Grundlage. Demnach sind die Kulturdenkmale wissenschaftlich zu erforschen, zu schützen und zu erhalten sowie in die städtebauliche Entwicklung einzubinden. Voraussetzung ist, dass an ihrer Erhaltung aus historischen, wissenschaftlichen, künstlerischen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Aktuell stehen rund 12.300 Gebäude und Objekte unter Schutz, darunter vorgeschichtliche Grabhügel, Kirchen, Bauern- und Bürgerhäuser, Fabrikanlagen, Kontorhäuser und sogar Schiffe. Es ist Aufgabe des Referates Denkmalkunde, die Denkmaleigenschaft festzustellen. Die Denkmale eines ganzen Stadtteils werden in der so genannten „Denkmaltopografie“ publiziert, besondere Denkmalgattungen oder Themen in den „Arbeitsheften zur Denkmalpflege in Hamburg“.

Quelle und Programm als PDF: www.denkmalstiftung.de/denkmaltag

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