Kunststätte Bossard lud zu Vortragsabend über Provenienzforschung

„Machen Sie damit weiter!“

v.l.: Bernd Bertram (Mitorganisator des Vortragsabends), Heike Duisberg-Schleier (Leiterin der Kunststätte Bossard), Dr. Angelika Enderlein (Kunsthistorikerin), Roberto Graetz (argentinischer Unternehmer).

Die Kunststätte Bossard lud zu einem Vortragsabend in der Reihe „Reden wir über Bossard“ ein, der unter dem komplexen Titel „Zum Schicksal des jüdischen Textilfabrikanten und Kunstsammlers Robert Graetz im Nationalsozialismus.Rekonstruktion seiner Sammlung.“ viele Emotionen verbarg.

Im Mittelpunkt des Gesprächs in Jesteburg stand das Thema Provenienzforschung am Beispiel des Berliner Unternehmers und Kunstsammlers Robert Graetz, das einmal mehr deutlich machte, wie wichtig die Aufarbeitung der deutschen NS-Vergangenheit auch nach über 70 Jahren ist und dass der Generationenwechsel diese Aufarbeitung nicht stoppen darf.

Roberto Graetz, Enkelsohn des Kunstsammlers, wurde 1952 in Argentinien geboren und spürt bis heute seinen deutschen Wurzeln nach. „Meine Mutter musste mit 17 Jahren aus Deutschland fliehen. Aber sie hatte Deutschland im Herzen und hat unsere Familie zusammengehalten und mir beigebracht, nicht ärgerlich auf unsere deutsche Vergangenheit zu sein“, so Graetz.

Die Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Geschichte der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern. Sie ist eine noch sehr junge Teildisziplin der Kunstgeschichte. Provenienzforschung erfüllt eine wichtige wissenschaftliche Aufgabe. Mit der 1998 erarbeiteten „Washingtoner Erklärung“, so klärte die Referentin des Abends, die Kunsthistorikerin Dr. Angelika Enderlein, auf, verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland neben mehr als 40 weiteren Staaten, nach durch NS-Willkür entzogenem Kulturgut in den Museen zu suchen und gemeinsam mit den rechtmäßigen Eigentümern gerechte Lösungen zu finden.

Die Suche nach seinen Wurzeln und die Suche nach den verloren gegangenen Kunstwerken seines Großvaters hat Roberto Graetz seine Familie besser kennenlernen und Netzwerke in der ganzen Welt aufbauen lassen. So kann er den Wunsch weitertragen, Gerechtigkeit nicht nur für seine Vorfahren, sondern für alle Opfer des Nationalsozialismus zu erlangen. „Vielen Dank, dass sie Interesse an diesem Thema haben“, ist darum auch seine erste Antwort auf Fragen aus dem Publikum. Er bestätigte dem Team der Kunststätte Bossard: „Diese Gesprächsreihe ist eine fabelhafte Idee. Machen Sie damit weiter. Nur wenn man spricht, kann man Gerechtigkeit erreichen.“ 

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Reden wir über Bossard“ findet bereits am Donnerstag, dem 14. Juli 2022, um 18 Uhr statt. Zu Gast und im Gespräch mit dem Vorstandsmitglied der Kunststätte Bossard, Hans-Jürgen Börner, ist Dr. Christina Krafzcyk, Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege zum Thema „Erhalten und Vermitteln – Die Bedeutung des Denkmalschutzes für Orte mit einem schwierigen Erbe“. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter Telefon 04183/975 92 33 oder per Mail: witmuetz@bossard.de

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