Fabian Pleiser liest am 16. Juni bei der 7. SuedLese im Old Dubliner

Gruseln mit der Eisernen Jungfrau

Fabian Pleiser und die Eiserne Jungfrau (Foto: F. Pleiser)

Wussten Sie, dass die Eiserne Jungfrau eine der großen Touristenattraktionen von Nürnberg war? Und nun in Rothenburg ob der Tauber steht?

Nein. Wir auch nicht. Fabian Pleiser aber schon. Und erlässt uns bei der SuedLese an seinem Wissen und Grusel teilhaben. Wir haben mal nachgefragt …

Tiefgang (TG): Viele Harburger kennen Dich aus ganz unterschiedlichen Bereichen: mal als Mitglied der Geschichtswerkstatt, dann – gerne auch verkleidet – bei historischen Stadtführungen durch Harburg oder eben als Youtuber zur Erklärung der Architektur etwa des Harburger Rathauses. Wie kommt es zu diesen Tätigkeiten?

Fabian Pleiser: Neben den Sprachen und meiner schauspielerischen Tätigkeit ist Geschichte eine weitere große Leidenschaft von mir. Privat und beruflich bin ich mit Harburg fest verbunden und da habe ich dann schließlich begonnen, mich mit der Geschichte der ehemals eigenständigen Stadt zu befassen. Anfang 2016 hat mich Klaus Barnick von der Geschichtswerkstatt dann überredet, dort Mitglied zu werden. Überredet insofern, als ich nach vielen Mitgliedschaften in Vereinen eigentlich keinem Verein mehr beitreten wollte. Ich habe es aber nicht bereut! Ich habe bereits zu verschiedenen Themen Vorträge gehalten und Führungen angeboten, unter anderem eben den von dir genannten historischen Stadtrundgang durch Harburg „Vom Hauptbahnhof zum Sande“, bei dem meine Partnerin Kirstin Rachow und ich – beide kostümiert – die Besucher mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1907 nehmen. Darüber hinaus habe ich das Glück, seit ein paar Jahren am Tag des offenen Denkmals für das Bezirksamt Harburg Führungen um und durch das Harburger Rathaus machen zu dürfen. Die von dir angesprochenen Videos sind im Corona-Jahr 2020 entstanden. Wir wollten unbedingt was machen und da hatten wir die Idee zu dem digitalen Format. Somit musste die Führung nicht ausfallen.

Playlist hier:

TG: Nun lernen Dich viele als Buchautor kennen – über Nürnberg? Ein Debüt oder Wiederholungstäter?

Fabian Pleiser: Tatsächlich ist es meine erste Publikation, eine literarische Übersetzung einer Kurzgeschichte von Bram Stoker. Eine weitere Publikation habe ich vor zwei Jahren mit meinen wunderbaren Geschichtswerkstattskolleginnen und -kollegen Kirstin Rachow, Jan Stöver, Thomas Steege und Regine Wörmer zum 100. Jahrestag des Harburger Blutmontags herausgebracht. Für das kommende Jahr plane ich eine Publikation über das Harburger Rathaus. Also definitiv Wiederholungstäter – auch wieder etwas Literarisches habe ich schon im Kopf…

TG: Du bist auch Übersetzer – in welchen Sprachen und wie wird man das?

Fabian Pleiser: Neben meiner künstlerischen Tätigkeit habe ich auch noch was Anständiges gelernt, wie man so schön sagt. Ich bin Dolmetscher und Übersetzer. Zu deiner Frage, wie man das wird: Man studiert es. Ich habe vier Jahre lang an einer Dolmetscherakademie Englisch, Französisch und Spanisch studiert. Nach drei Jahren hatte ich dann die Prüfung zum staatlich anerkannten Fremdsprachenkorrespondenten und nach einem weiteren Jahr die zum Wirtschaftsdolmetscher und -übersetzer. Italienisch habe ich auch gelernt und ist neben Französisch meine Hauptsprache.

TG: Was verbindet dich mit Harburg?

Fabian Pleiser: In Harburg findet fast alles für mich statt: mein Privatleben, meine Arbeit, ein Teil der Geschichte, für die ich mich interessiere, viele liebe Menschen… Harburg ist großartig! Nur wohnen tue ich nicht in Harburg.

TG: Was verbindet dich mit Nürnberg?

Fabian Pleiser: Nürnberg ist ein Sehnsuchtsort für mich. Ich liebe diese Stadt und bin regelmäßig dort. Sie ist wunderschön, voller Geschichte – leider auch voller Wunden – und war Heimat der Eisernen Jungfrau.

TG: Worum geht es im Buch?

Fabian Pleiser: Ein frisch vermähltes Paar macht auf der Kaiserburg in Nürnberg eine unsagbar unheimliche Begegnung mit der Eisernen Jungfrau… Mehr möchte ich noch nicht verraten, ansonsten kommt ja niemand mehr zu meiner Lesung. Die Publikation enthält zudem zwei Aufsätze von mir. Der eine behandelt Mythos und Realität der Eisernen Jungfrau, in dem anderen erzähle ich, wie Bram Stoker zu dieser Geschichte kam.

TG: Was hat dich an der Story am meisten fasziniert? Wie kommt man überhaupt auf die Story?

Fabian Pleiser: Mir erging es genauso wie dem Autor meiner Übersetzung, Bram Stoker, der Nürnberg in den Jahren 1885 und 1893 besuchte. Er besichtigte dort auf der Kaiserburg die kriminalhistorische Ausstellung, in deren Mittelpunkt ein Folterinstrument namens die Eiserne Jungfrau die Anwesenden das Fürchten lehrte. Er war derart von ihr fasziniert, dass er 1893 seine Kurzgeschichte The Squaw verfasste. Heute steht die Eiserne Jungfrau im Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber. Als ich sie dort zum ersten Mal sah, zog sie auch mich in ihren Bann. Ich recherchierte viel dazu, besorgte mir einschlägige Fachliteratur und stieß dabei auch auf Stokers Kurzgeschichte The Squaw. Es gab bereits zwei ältere deutsche Übersetzungen davon. Diese gefielen mir nicht besonders, und da dachte ich, ich kann es besser und habe sie selbst neu übersetzt, und eben auch Aufsätze zur Hintergrundgeschichte verfasst. Ich habe der Geschichte den Titel „Nürnberg“ gegeben, da sie, wie ich finde, eine Hommage an die Stadt ist. Über viele Jahrzehnte war die Eiserne Jungfrau DIE Touristenattraktion dort. Ich habe die Kurzgeschichte im Übrigen auch auf Französisch übersetzt, wie auch die Aufsätze. Der Titel der französischen Ausgabe lautet „La Vierge de Nuremberg“.

TG: Was erwartet uns im Old Dubliner?

Fabian Pleiser: Dort erwartet die Besucher eine atmosphärische szenische Lesung, in der ich als Bram Stoker die Zuhörenden mit auf eine Reise zur Kaiserburg in Nürnberg im Jahre 1893 nehme. Es wird unheimlich, versprochen! Die Publikation – auch die französische – kann dort selbstverständlich erworben werden, Signierung und Selfies inbegriffen. (lacht)

TG: Was kommt evtl. als nächstes von Fabian Pleiser?

Fabian Pleiser: Zur Zeit bin ich mit diesem Bühnenprogramm etwas unterwegs. Im Spätsommer, zum Tag des offenen Denkmals, mache ich in Harburg wieder Führungen durchs Rathaus, und dann will ich ja im kommenden Jahr die Publikation über das Harburger Rathaus fertig haben. Man wird also weiterhin von mir hören.

TG: Das wollen wir doch hoffen! Vielen Dank für die Einblicke!

 

Termin: Do., 16. Juni 2022 – Fabian Pleiser – Nürnberg!,  20 Uhr, Eintritt frei

The Old Dubliner – Irish Pub, Lämmertwiete, 21073 Hamburg-Harburg, www.olddubliner.de –  suedlese.de

 

 

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