Die neue Kolumne von Frau Selbst-Zweifel im "Tiefgang"

Einsatz in vier Wänden

Manche Schönheit erkennt man erst, wenn ihr ein Rahmen gegeben wird. (Foto: Der Specht)

Ab heute gibt es regelmäßig Erhellendes von unserer neuen Mitstreiterin (Philo)Sophie Selbst-Zweifel (SZ). Sie gehört zum bunten Haufen von Autorinnen und Autoren der Heimfelder Schreib-Werkstatt und läßt uns künftig an manch´ kreativer Wort-Tat teilhaben.

 

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin.
Ich wohne südlich von Irrenhausen und meine Wahlheimat ist mein zuhause.
Kürzlich bewarb ich mich an dieser Stelle als Kolumnistin, weil ich eine alteingesessene Stubenhockerin bin, die gerne auf dem Sofa sitzt und aus dem Fenster schaut. Doch ich bin dabei nicht untätig, sondern mache mir viele Gedanken und ein Bild von Gott und der Welt. Ich sitze gerade in meinem Homeoffice und freue mich darüber, dass meine Bewerbung gut bei der Redaktion der Suedkultur ankommt und ich womöglich diese freie Stelle besetzen und Artikel mit Tiefgang verfassen kann.
Stadt, Land, Fluss trennen mich von der Millionenmetropole. Ich bin in Harburg verwurzelt und liebe Land und Leute. Vielleicht ist Harburg nicht gerade das, was man eine Hochburg nennt, doch auch hier gibt es in kleinerem Kreis eine großartige Kulturlandschaft zu entdecken. Aus meiner Sicht befinde ich mich auf der richtigen Seite der Elbe.
Da ihr wahrscheinlich in Zukunft regelmäßig etwas von mir zu lesen bekommt, will ich mich gerne kurz vorstellen. Ich bin nicht mehr ganz frisch, aber trocken hinter den Ohren bzw. im reifen Alter. Ich habe ein paar graue Haare und viele graue Zellen, die immer schön mitdenken. Ich bin eine sehr ambivalente Person, die viele Fürs und Widers kennt. Das mag an meinem Partner liegen. Ich wurde schon in sehr jungen Jahren mit dem Zweifel bekannt, vertraut und geradezu verkuppelt. Seither sind wir ein Paar und unser gemeinsamer Doppelname Selbst-Zweifel drückt unsere Verbundenheit aus. Doch durch den Bindestrich kann man uns ganz gut auseinanderhalten.
In der Vergangenheit versuchte ich mehrmals, mich vom Zweifel zu trennen, weil er mich nervte, aber wir kommen immer wieder zusammen. Inzwischen habe ich mich mit ihm arrangiert und manchmal finde ich unsere Meinungsverschiedenheiten sogar ganz inspirierend. Außerdem weiß ich, dass er es gut mit mir meint und mich eigentlich nur beschützen will. Er macht sich zwar nicht gerade beliebt mit seiner Unkerei, aber man kann über ihn sagen, was man will: auf ihn ist Verlass. Er gehört zu mir wie mein Name an der Tür: Sophie Selbst-Zweifel.
Das soll als erster Einblick in meine gespaltene Persönlichkeit reichen, denn ich habe eine heitere und eine nachdenkliche Seite. Es herrscht Uneinigkeit darüber, welches meine bessere Hälfte ist. Ihr werdet mich noch besser kennenlernen – wenn ihr wollt.

(19. Dez. 2016, Sophie Selbst-Zweifel)

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