Lüneburger Leuphana lädt Ende August zu „Utopie-Konferenz“

Und wie ist das übermorgen?!

Wo wenn nicht hier soll man Utopien reden? Der Libeskind-Bau der Leuphana Universität (Foto: obs/Leuphana Universität Lüneburg)

Wie wollen wir übermorgen zusammenleben? Wie stehen die Aussichten, den digitalen Epochenumbruch in eine demokratische Gelegenheit zu verwandeln? In Lüneburg wird das Thema im Rahmen einer Utopie-Konferenz nun bearbeitet – und von niemand Geringerem als David Precht.

Gemeinsam mit Lüneburgs Uni-Präsidenten lädt der seit einigen Jahren von allen deutschen Medien aber auch Denkorten stark nachgefragte Philosoph David Precht zu einer Konferenz, die nicht weniger als Utopia im Titel veranschlagt. Aber was so hochtrabend daher kommt, ist für viele Beobachter Prechtscher Diskussionen und Schriften wahrlich nicht weit hergeholt. Denn viele Themen wie Digitalisierung, gesellschaftliche Transformationen, Ende der Nationalstaatlichkeit sind begrifflich innaller Munde. Aber in welchem Kontext  eigentlich?

Richard David Precht lädt daher vom 20. bis zum 22. August 2018 zur Utopie-Konferenz ein. Und dabei sind Studierende aus der ganzen Republik aufgerufen, ihre Ideen für 2025 zusammen zu denken und in konkrete Utopie-Entwürfe zu übersetzen. Über drei Tage hinweg leuchten die Studierenden mit Richard David Precht Zukunftspfade aus, die sich vom technologischen Imperativ des Silicon Valley emanzipieren. Mit dabei sind skeptische Kritiker*innen und visionäre Optimist*innen, die nach einer veränderten Praxis suchen: Etwa die Europa-Vordenkerin Ulrike Guérot, die Grundeinkommens-Expertin Marjukka Turunen und der IT-Berater Tu-Lam Pham.

Zum utopischen Mitdenken lädt auch der Konferenzort ein: Das von Daniel Libeskind entworfene Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg.

Die Übernachtung ist in der Sporthalle möglich. Der Aktionskoch Wam Kat sorgt zwischendurch für kulinarische Genüsse. Der Teilnehmer_innenbeitrag für Studierende beläuft sich für alle drei Tage auf 30 €. Falls der Beitrag nicht aufgebracht werden kann, ist ein Stipendium beantragbar.

 

Die Liste der derzeit bereist feststehenden Gäste ist schon vielversprechend und wird noch fortlaufend aktualisiert. Einige in Kurzvorstellung:

Ute Fischer ist Volkswirtin und Soziologin und seit 2010 Professorin für Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund. Im Jahr 2003 hat sie gemeinsam mit Kollegen die Initiative „Freiheit statt Vollbeschäftigung“ gegründet und fördert seitdem die Diskussion um ein Bedingungsloses Grundeinkommen in der politischen Öffentlichkeit mit Vorträgen und zahlreichen Veröffentlichungen. Auch in Forschung und Lehre mit angehenden Sozialarbeitenden ist das BGE Gegenstand. So etwa in ihrem neusten Buch, das sie im Herbst mit Dierk Borstel veröffentlicht: „Politisches Grundwissen für die Soziale Arbeit“.

Ulrike Guérot ist seit 2016 Professorin an der Donau-Universität Krems und Leiterin des dortigen Departments für Europapolitik und Demokratieforschung. Zudem ist sie Gründerin des European Democracy Labs in Berlin. Zuvor arbeitete sie in europäischen Think Tanks in Paris, Brüssel, London, Washington und Berlin. Ihr erstes Buch „Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie“ erschien 2016 im Dietz-Verlag. Ihr aktuelles Werk „Der Neue Bürgerkrieg – Das offene Europa und seine Feinde“ ist im Ullstein-Verlag erschienen. Ab Oktober 2017 hat Sie die Alfred-Grosser-Gastprofessur an der Goethe-Universität Frankfurt inne.

Anna Henkel studierte Ökonomie und promovierte in der Soziologie. Ihr geht es darum, sozialtheoretisches Denken zum Verstehen und Erklären sozialer Tatsachen zu nutzen. Nach Aufenthalten an der Universität Bielefeld und der Copenhagen Business School war sie Juniorprofessorin für Sozialtheorie in Oldenburg und ist seit 2016 Professorin für Kultur- und Mediensoziologie an der Leuphana.
Sie verbindet gesellschaftstheoretische Perspektiven mit empirischer Forschung, etwa bei der Frage nach dem Wandel von Verantwortungsverhältnissen oder in der Wissens-,  Materialitäts- und Nachhaltigkeitsforschung.

Reinhard Kahl ist Erziehungswissenschaftler, Journalist und Filmemacher. Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Lust am Denken und Lernen, die Zumutung belehrt zu werden und die endlosen Dramen des Erwachsenwerdens. Kahl arbeitet in verschiedenen Rundfunk- und Fernsendern sowie Zeitungen, u.a. DIE ZEIT und PÄDAGOGIK und ist seit 1999 Gastgeber des monatlich stattfindenden Philosophischen Café im Hamburgger Literaturhaus. 2007 gründete er das Netzwerk „Archiv der Zukunft“, das unter anderem im Festspielhaus Bregenz Lernaufwiegler aus den deutschsprachigen Ländern zu einer Bildungsbiennale versammelt und verschiedene Veranstaltungen durchführt. 2013 erhielt Kahl auf dem „Vision Summit“ in Berlin den „Vision Award“.

Uwe Lübbermann ist Gründer vom Premium-Kollektiv und einer von allen Konsumenten und Stakeholdern kollektiv gesteuerten Getränkemarke. Dabei steht er für die System-Perspektive auf Nachhaltigkeit und zielt mit Modulen wie z.B. „Anti-Mengenrabatt“, „Konsensdemokratie“ und „Open Franchise“ auf stetig wachsenden Einfluss. Sein „Geheimnis“ ist so simpel wie weitreichend: einfach ehrlich kommunizieren und alle Stakeholder in sämtliche Entscheidungen mit einbeziehen.

Ralf Otterpohl ist Leiter des Institutes für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität Hamburg. Aktuelle Forschungsinteressen im Rahmen der Arbeitsgruppe „Ländliche Entwicklung“ sind Humusaufbau, bio-intensiver Gartenbau mit hoher Biodiversität und hoher Produktivität, Wiederbelebung und Wiederherstellung der ländlichen Räume durch das Neue Dorf. Hintergrund dazu im aktuellen Oekom-Buch „Das Neue Dorf – Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren“.

Niko Paech ist Wirtschaftswissenschaftler und lehrt als außerplanmäßiger Professor an der Universität Siegen im Masterstudiengang „Plurale Ökonomik“. Er vertrat von 2008 bis 2016 den Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg, hat dort diverse Forschungsprojekte zur ökonomischen Nachhaltigkeitsforschung geleitet. Zu seinen Arbeitsfeldern zählt die Postwachstumsökonomik als ein heterodoxes Lehr- und Forschungsprogramm zur wachstumskritischen Ökonomik. Darüber hinaus betätigt er sich in vielen Praxisprojekten zum Klimaschutz, zur Reparaturökonomie und zu anderen Handlungsbereichen einer nachhaltigen Entwicklung.

Tu-Lam Pham ist Experte für digitale Technologien, Innovation und Geschäftsmodelle. Er berät internationale Konzerne wie auch Start-Ups zu Themen wie E-Commerce und Social Media. Insbesondere interessiert er sich für die Auswirkungen neuer Technologien auf die Bereiche Bildung, Arbeit und Gesellschaft. Er reist einmal im Jahr ins Silicon Valley oder nach China, um dort die neuesten digitalen Trends zu erforschen.

Günter Seubold studierte Philosophie, Germanistik und Katholische Theologie in Würzburg, Frankfurt, Heidelberg und Berlin; Dr. phil. Universität Würzburg 1984; Dr. phil. habil. Universität Bonn 1994; seit 2001 Apl. Professor für Philosophie an der Universität Bonn; Gastdozent an den Universitäten Lodz (2004) und Wroclaw/Breslau (2005); seit 2006 Professor für Philosophie und Kunsttheorie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter/Bonn.Veröffentlichungen (Auswahl): Heideggers Analyse der modernen Technik, Freiburg: Verlag Karl Alber 1987; Das Ende der Kunst und der Paradigmenwechsel in der Ästhetik. Philosophische Untersuchungen zu Adorno, Heidegger und Gehlen in systematischer Absicht, 4. Aufl. DenkMal Verlag 2017; Destruktionen der Kultur. Philosophischer Versuch über Kulturheuchler, Kulturflüchter und Kulturfolger, Bonn: DenkMal Verlag 2006; Der idealische Körper. Philosophische Reflexionen über die Machtergreifung der Körpertechnologien, Bonn: DenkMal Verlag 2008.

Marjukka Turunen ist studierte Anwältin und arbeitet seit 2000 in unterschiedlichen Positionen in der Sozialversicherungsbranche, die längste Zeit davon in der finnischen Sozialversicherungsbehörde Kela. Nach fünf Jahren wurde sie Leiterin einer Expertengruppe, durch die zusammen mit dem finnischen Ministerium für Gesundheit und Soziales die grundlegenden Sozialgesetze erneuert wurden. Seit 2017 leitet Turunen die Umsetzung des Projekts zum Bedingungslosen Grundeinkommen, an dem 2000 Personen teilnehmen. Finnland ist eines der ersten Länder weltweit, das dieses Experiment real testet und damit auf die sozialen Folgen der Digitalisierung vorbereitet sein will.

Und die Gastgeber?

Hon.-Prof. Dr. Richard David Precht

Der bekannte Philosoph, Publizist und Bestseller-Autor Dr. Richard David Precht ist Honorarprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit dem Wintersemester 11/12 bietet er im Leuphana College und an der Graduate School Lehrveranstaltungen in Philosophie an. Er ist Autor mehrerer wissenschaftlicher Fachaufsätze zur Philosophie und Autor von sieben (davon sechs populären) Sachbüchern und zwei Romanen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er vor allem durch sein Buch „Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ bekannt. Zuletzt von ihm erschienen ist der Band „Die Kunst kein Egoist zu sein“.

Prof. Dr. Christoph Jamme

Christoph Jamme ist seit Oktober 1997 Professor für Philosophie in den Angewandten Kulturwissenschaften der Universität Lüneburg. Nach Studium der Germanistik, Philosophie und Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft Promotion an der Ruhr-Universität Bochum 1981 mit der Arbeit „Ein ungelehrtes Buch“. Danach war Jamme als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hegel-Archiv der Ruhr-Universität Bochum tätig, 1989/90 dann als Fellow am Netherlands Institute for Advanced Study (NIAS). Er habilitierte 1990 in Bochum mit der Arbeit „Gott an hat ein Gewand“. Von 2001-2005 war Christoph Jamme außerdem Dekan des Fachbereichs Kulturwissenschaften und ist seit 2002 Vorstand des Instituts für Kulturtheorie.

Prof. Dr. Sascha Spoun

Sascha Spoun ist seit 2006 Präsident der Leuphana Universität. Zudem ist er Gastprofessor für Management an der Universität St. Gallen (HSG). Er ist gemeinnützig tätig im Kuratorium der Haniel Stiftung sowie im Aufsichtsrat der Hertie School of Governance. Er ist Herausgeber der Bände „Erfolgreich Studieren“ (2004)“, Studienziel Persönlichkeit“ (2005) und „Die Stadt als Perspektive. Zur Gestaltung und Theorie urbaner Visionen“ (2006).

Ort: Leuphana Universität Lüneburg
Universitätsallee 1
21335 Lüneburg 
Fon +49.4131.677-1007
Fax +49.4131.677-1090
www.leuphana.de  

 

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