Einige Worte zur Decke, damit sie nicht auf den Kopf fällt …

Die Passivistin

Foto: lausitz360 / Pixabay

John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Judith war am Telefon. Sie ist schon lange Zeit „Aktivistin“, hängt sich in Moorburger Bäume, um das Harburger Hambi zu erhalten oder macht Radtouren als „critical mass“. Ich weiß nicht genau, warum das eigentlich kritische Masse heißt, aber ist jetzt eh wurscht, weil als Aktivistin hat Judith es derzeit schwer. Und Passivistin, wer will das schon sein?

Sie ist wie so oft und eigentlich immer empört über die Blödheit aller Leute außerhalb ihres Körpers. Dass Sie mich damit einbezieht, sagt sie nicht explizit, aber ich gehe mal ein Stück weit davon aus. Und ganz falsch ist man ja nicht nie mit Pauschalisierungen.

Aber sie hat es schwer. So lange sie kritische Masse oder Baumsteigerin ist, ist sie ja auch bescheidene Heldin, die sich als letzte in einer kritischen Masse dem unbelehrbaren Konsumterror des menschenverachtenden Kapitalismus in den Weg stellt und die Welt zu retten sucht. Nun aber ist sie regelrecht kaltgestellt. Nicht nur, weil kritische Massen im Moment nicht angesagt sind und Radtouren per Videokonferenz nur auf dem Trimmdichrad möglich wären. Sondern auch, weil die Themen selbst abhandengekommen sind.

Keine Flugzeuge am Himmel, wenig Autos auf den Straßen, Fabrikschlote und selbst das Moorburger Kohlemonster ragen emissionslos in den blauen Himmel. Die Kröten wandern fröhlich über unbefahrene Straßen, um sich in nahegelegenen Tümpeln in Sexorgien zu ergehen und selbst auf den Bundesstraßen und Autobahnen sieht es aus, als hätte man den autofreien Sonntag der 70ßer wieder ausgerufen.

Eigentlich, könnte der Naivling John meinen, müsse nun auch für Judith eine Zeit des Glücks und der inneren Zufriedenheit herrschen. Doch weit gefehlt.

„Dass die Leute immer so doof klatschen für die Alltagshelden. Die spinnen doch!“ oder „Wie soll nur das ganze Klopapier durch die Kanalisation kommen?“ und natürlich „Hier sitzen sie am Rechner und spielen Homeoffice und an der syrische Grenze spielen sie Staub-Puzzle mit leerem Magen! Merken die noch was?!?“

Ich weiß nicht, ob Judith Recht hat. Also ob Leute das merken oder einfach nicht wissen, wie sie social distancing und Weltretten in Einklang bringen können. Aber Judith sieht den Weltuntergang nahen, den Blödsinn der Menschheit unaufhaltsam voranschreiten und kommt zu dem Schluss: „ Wenn das hier vorbei ist, gehe ich auf die Straße!“

„Da wirst Du nicht alleine sein“, sage ich und merke, dass es sich solidarisch anhört. Bestimmt gut für Judith. Dabei wird es wohl so sein. Ob mit oder ohne Judith.

 

Euer John Pütz

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