Die Wilhelmsburger Geschichtswerkstatt hat ein neues Buch herausgegeben:

Geschichte liegt auf den Straßen

Die Wilhelmsburger Reichsstraße von 1952 - kaum wieder entdeckt, bald schon wieder Geschichte. (Fotos: Archiv der GeWi Wilhelmsburg)

Jeden Tag nutzen wir sie, googeln nach ihnen und verabreden uns in ihnen. Doch warum manche Straße ihren Namen trägt, fragen wir uns selten. Die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg schon. Nun erschien ein Buch dazu …

Was erzählen Straßennamen? Dieser Frage gingen die Leute aus de Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg nach und stießen auf allerlei Dubioses. Jugendstilgiebel, stuckverzierte Fassaden, in den Eingängen farbige Kacheln mit maritimen Motiven: das ist die Fährstraße im Wilhelmsburger Nordwesten – plötzlich durchschnitten von einem Deich. Wie kam das? Geschichte liegt auf der Straße! Man muss sie nur aufheben. Auf den Elbinseln Wilhelmsburg und der Veddel sind es ungeheuer viele Geschichten. Das unterscheidet sie von fast allen Hamburger Stadtteilen.

Das Kuriose

Kaum zu glauben, Passierzettel soll eine Straße sein? Aber es stimmt. Dahinter steht eine fast vergessene Geschichte das Hamburger Hafens:  Passierzettel heißt eine kleine Straße auf der Veddel – ein Hinweis auf die direkte Nachbarschaft zum Freihafen, den man nur mit dem besagten Papier betreten durfte.

Das Geläufige

das man überall findet: Straßen erinnern an bedeutende Persönlichkeiten. Gängig als Namensgeber sind die Vorbesitzer des Geländes, die mit Land- und Grundbesitz Geschichte schrieben. Wie zum Beispiel Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, dem nicht nur die Insel, sondern auch eine der Hauptstraßen ihren Namen verdankt.

Per Anhalter durch die Galaxie Stillhorn

Das Neue

Wilhelmsburg verändert sich, neue Straßen erzählen neue Geschichten. Zum Beispiel die von Dursun Akçam: Nach ihm ist seit 2015 ein Uferweg am Veringkanal benannt. Der türkische Schriftsteller wirkte in Wilhelmsburg lange für das Verständnis zwischen Einheimischen und Migranten.

Geschichte der Inseln erkunden

Ungewöhnlich viele Straßennamen hier erzählen über frühere Landschaftsformen im Grenzgebiet zwischen Fluss und Land: Der Name Pollhornbogen zum Beispiel  im südwestlichen Gewerbegebiet Wilhelmsburgs geht zurück auf ‚Pullhorn‘: früheres Außengelände vor dem grünen Deich. Horn: Winkel, Ecke. Pull bedeutet Spitze. Pullhorn ist also vielleicht die spitze Ecke einer früheren Insel oder Halbinsel gewesen.

Das Alte

verschwindet. Die Wilhelmsburger Reichsstraße wird würdig verabschiedet…

Auf 60 Seiten bietet das kleine Buch einen aktuellen Überblick über alle Straßen Wilhelmsburgs und der Veddel und ihre Geschichte, reich bebildert mit 100 Fotos aus über 100 Jahren Stadtteilgeschichte.

Klütjenfelder Hauptdeich – mit Straßenbahn.

Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen. Text: Margret Markert, Gestaltung: Andrea Orth, 60 Seiten, 6 €.
Erhältlich in der Buchhandlung Ihres Vertrauens und so auch bei der Wilhelmsburger Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26, Tel. 753 13 53, im Museum Elbinsel Wilhelmsburg und natürlich in der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg, HONIGFABRIK, Industriestraße 125-131, 21107 Hamburg. Tel. 040 42 10 39 15, www.geschichtswerkstatt-wilhelmsburg.de.  markertm@honigfabrik.de

Die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg versteht sich als ein Archiv zu öffentlichem Leben und Geschichte der Elbinseln Wilhelmsburg und Veddel.
(05. Jul. 2017, TG)

Related Post

Druckansicht    

Facebook Kommentare