Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Gut getarnt

Ill.: Geralt / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Heute bekenne ich mich zu meiner Angst aufzufliegen.

Vor dem Moment, wenn herauskommt, wie ich wirklich bin. Wenn man in meinen Kopf schauen und all die Gedanken lesen kann, die ich lieber für mich behalte. Was ich hasse, verabscheue oder verachte.

Dass ich trotz meiner Gutmütigkeit oft aus der Haut fahren könnte. Bei aller Liebe und viel Verständnis für meine Mitmenschen, gehen manche mir mächtig auf die Nerven. Die Lauten, die Drängler, die Stinker, die Nörgler, die Rüpel, die Herzlosen, die Hetzer.

Ich reiße mich zusammen, mache gute Miene zum bösen Spiel. Eine vielversprechende Fehlentscheidung? Aus gutem Grund, um Deeskalation bemüht. Eine geborene Diplomatin. Doch kostet mich mein stetes Bemühen um Freundlichkeit viel Kraft, die ich lieber anders freisetzen würde.

Trotzdem will ich unbedingt die Geduldsprobe bestehen, wenn mir Zustände zusetzen und Menschen gegen den Strich gehen, deren Gebahren mir fremd ist, weil ich das für einen zivilisierten Umgang halte.

Statt mich in schwierigen Lebenslagen wie ein Rehkitz ins anscheinend schützende Gras zu ducken, würde ich allerdings lieber aufstehen und fliehen.

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