Die Goethe-Schule Harburg glänzt als Kulturschule

„Rücksicht und Respekt“

Fast selbstverständlich, dass die GSH auch bei der SuedKultur Music-Night dabei ist ... (Foto: GSH)

Die Harburger Goethe-Schule war eine der ersten Kulturschulen Hamburgs. Und das macht sich für Schüler*innen bezahlt.

Vierteljährlich erscheint das Magazin ´kju` der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur mit Beiträgen rund um die Themen Bildungs- und Kulturarbeit für Kinde rund Jugendliche. Im aktuellen Heft befasst sich Autorin Christiane Tauer mit der Harburger Goethe-Schule und gibt ihr für ihre Arbeit eine Eins mit Sternchen.

Von Christiane Tauer

Wenn es eine Note für künstlerisches Engagement an Schulen gäbe, die Goethe-Schule Harburg, kurz GSH, hätte jedes Jahr eine glatte Eins auf dem Zeugnis. „Kulturschule“ nennt sich die Stadtteilschule mit gymnasialer Oberstufe sogar offiziell. Erklärtes Ziel der Schulleitung: Möglichst alle der insgesamt rund 1800 Mädchen und Jungen sollen mindestens einmal in einem Kulturprojekt mitgewirkt haben, wenn sie die Schule verlassen.

Damit dieses Ziel auch tatsächlich erreicht wird, hat sich die GSH, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Technischen Universität Harburg befindet, eine ausgefeilte Struktur gegeben. Getragen und permanent weiterentwickelt wird diese Struktur von einer Kulturschulgruppe, die einmal in der Woche tagt und deren Mitglieder Lehrer*innen der unterschiedlichsten Fachrichtungen sind. Ein weiterer Teil der Angebote wird von den einzelnen künstlerischen Fachbereichen organisiert. „Jede*r in unserer Kulturschulgruppe ist für einen einzelnen kulturellen Bereich wie Theater oder Chor zuständig“, sagt Anke Preuße, die die achtköpfige Gruppe leitet. Dass diese Aufteilung auch dringend nötig ist, zeigt allein die unglaublich große Zahl an kulturellen Angeboten und Projekten, die jedes Jahr zu stemmen sind. „Einige von ihnen sind verbindlich, andere freiwillig“, erklärt Preuße.

Los geht es direkt in Klasse fünf mit einer Chorstunde für alle Klassen, Jahrgang sechs legt mit dem Projekt „Theater hoch 6“ nach, in dem alle Schüler*innen eine Woche Theater spielen. In Klasse sieben beginnen die Profilklassen, bei denen unter anderem ein ästhetisches Profil zur Wahl steht, das wiederum in jedem Jahrgang von Klasse sieben bis zur Oberstufe ein Klassenorchester, eine Theatergruppe und eine Kunstklasse garantiert. Ein Auftritt vor Publikum rundet das Ganze ab.

Das ist aber noch längst nicht alles. Es gibt unter anderem eine Kulturprojektwoche für alle Schüler*innen von Jahrgang fünf bis Jahrgang zehn, Werkstatttage in Jahrgang acht mit wechselnden thematischen Schwerpunkten, mobile Lesungen und Theateraufführungen, eine TUSCH -Kooperation und weitere mit dem Schauspielhaus, der Sammlung Falckenberg, der Harburger Bücherhalle, der Jugendmusikschule und darüber hinaus das Kulturagentenprogramm sowie zahlreiche AGs am Nachmittag.

Zählt man allein die Auftrittsformate zusammen, die fester Bestandteil des Kulturschuljahres und verbindlicher Teil der kulturellen Projekte sind, kommt man auf ganze zwölf. Ein harburgweit bekanntes Highlight ist beispielsweise das zweistündige Weihnachtskonzert in der Friedrich-Ebert-Halle, das von mehr als 250 Schüler*innen des Musikfachbereichs und der Musikprofilklassen veranstaltet wird und im Schnitt 1200 Zuhörer*innen anlockt. „Das Konzert hat einen gehobenen Anspruch, wir wählen genau aus, wer daran teilnimmt“, sagt Anke Preuße. Die Schüler*innen, die es nicht auf die große Bühne schaffen, haben die Möglichkeit, ihr Können beim Werkstattkonzert in der schulischen Aula zu zeigen.

Selbst vor der Bühnentechnik macht der große Einsatz der Schule nicht halt, die bereits im Jahr 2005 zur Pilotschule Kultur wurde und die anders als viele andere Stadtteilschulen jedes Schuljahr weitaus mehr Anmeldungen als Plätze hat. Alles wird von Schüler*innen selbst organisiert, ebenso die Gestaltung der Ankündigungsflyer, für die es sogar ein standardisiertes GSH-Layout gibt. Der hohe Stellenwert, den die Kultur für das gesamte Haus hat, spiegelt sich allein schon in der Ankündigung der Auftritte wider. Ein riesiger Kulturkalender hängt direkt neben dem Vertretungsplan, damit jeder weiß, wann was stattfindet.

„Kultur ist für uns die Auseinandersetzung mit der Welt“, erläutert Anke Preuße den Grund für die große Bedeutung, die die GSH der Kultur beimisst. Für die Schüler*innen sei es ein wesentlicher Teil der Persönlichkeitsentwicklung, wenn sie lernten, ihre Ideen der Allgemeinheit zu präsentieren. „So wird nach außen hin sichtbar, dass diese einen Wert besitzen.“ Rücksicht und Respekt, das würden die Kinder und Jugendlichen lernen, wenn sie sich die Darbietung ihrer Mitschüler anschauen. „Und sie sind ganz einfach glücklich, wenn sie am Ende eines Projektes sehen, dass sie gemeinsam etwas geschafft haben“, sagt Anke Preuße. Die Schüler spüren: Es gibt ein gemeinsames Ziel, und das motiviert selbst die, für die es in den restlichen Unterrichtsfächern nicht so gut läuft.

Goethe-Schule Harburg, Eißendorfer Straße 26, Tel. 040/428 87 10, WWW.GOETHE-SCHULE-HARBURG.DE

(mit frdl. Genehmigung der LAG Kinder- u. Jugendkultur Hamburg)

 

 

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