Auch der Herbst hat schöne Tage

Foto: Dennis P / Pixabay

Die Natur verändert ständig ihr Erscheinungsbild. Sonne, Wolken, Regen und Wind wechseln sich ab, sie sorgen für Wärme, saubere Luft und frische Farben.

Von Ute Holst

All das geschieht ohne menschliches Zutun, die Natur hat ihren ganz eigenen Rhythmus.

Wir Menschen sehen staunend zu, wie sich im Frühjahr die Blütenknospen öffnen und die Blätter sich entfalten. Die Vögel bauen Nester und brüten ihre Eier aus. In der gesamten Tierwelt werden Junge geboren und großgezogen.

Der Sommer erfreut uns mit seiner großen Farbenpracht in Parks und Gärten und nicht selten auch am Wegesrand. Eine Fülle von Beeren und Früchten begeistert unseren Gaumen und wir genießen die langen Tage und die warmen Nächte.

Doch, ehe wir uns versehen, werden die Tage schon wieder kürzer und die Temperaturen sinken. Die Natur bereitet sich auf den Winter vor. Die Bäume werfen ihre Früchte ab und das Laub färbt sich bunt und erstrahlt in wunderschönen Gelb- und Rottönen.

Glänzende braune Kastanien liegen am Boden und laden dazu ein aufgehoben und mitgenommen zu werden. Ihre glatte Schale fühlt sich schön an und schmeichelt den Händen. Beeren in leuchtenden Farben und Hagebutten bieten sich den Vögeln als Nahrung an. Eichhörnchen sammeln und vergraben emsig Nüsse und Eicheln als Wintervorrat. Im nächsten Frühling wird es wieder viele Schösslinge geben; denn nicht alle Früchte werden wieder gefunden.

In den Spinnweben, die kunstvoll in Büschen und Sträuchern gewoben wurden, haben sich viele kleine Tautropfen verfangen. In der aufgehenden Sonne glitzern sie wie winzige Diamanten. Die Luft ist kühl und lässt die noch am Baum verbliebenen Blätter leise rauschen. Es ist nicht zu übersehen, der Herbst ist da.

Doch er hat auch ein anderes Gesicht. Zuweilen kommt er mit Sturm daher und rüttelt an Dächern und Bäumen. Mit starken Böen treibt er uns vor sich her oder stemmt sich uns entgegen. Nicht selten peitscht er uns dicke Regentropfen ins Gesicht und zerrt an unserer Kleidung. Schon so mancher Regenschirm ist ihm zum Opfer gefallen.

An windstillen Tagen breitet sich oft Nebel aus, dessen Schwaden die Landschaft in ein geheimnisvolles Grau hüllen und uns die Sicht nehmen. Dann ist Vorsicht geboten, ebenso wie auf feuchten Wegen und Straßen, auf denen das nasse Laub schnell zur Rutschpartie werden kann.

Auch bei uns Menschen finden ständig Veränderungen statt. Wir kommen als hilflose Säuglinge auf die Welt und entwickeln uns nach und nach zu Erwachsenen. Manchmal fühlen wir uns vom Leben ungerecht behandelt, aber es gibt kein unbeschwertes Dasein.

Der Volksmund drückt es mit folgenden Worten aus: „Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“

Mit zunehmendem Alter sprechen wir vom Herbst des Lebens. Zu dieser Zeit haben wir Höhen und Tiefen erlebt und Kanten haben sich abgeschliffen. Wir bekommen wieder mehr Freiheit zurück und können uns um unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse kümmern.

Unsere Lebenserfahrung ermöglicht es uns viele Ereignisse gelassener zu sehen und zu erleben. Wir haben gelernt, dass sich eine vermeintliche Katastrophe als unverhoffte Chance entpuppen kann. Auf schwierige Zeiten folgen auch wieder fröhliche und unbeschwerte Tage.

Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden und gehen. Niemand kann die Beschaffenheit des vor ihm liegenden Weges vorhersehen. Er mag zeitweise steinig sein, aber sicher findet sich auch die eine oder andere schöne Blüte am Wegesrand.

So wie es im Meer Wellenberge, Wellentäler und überschäumende Wellenbrecher gibt, so gibt es auch im menschlichen Leben verschiedene Phasen mit Höhen und Tiefen.

Mag sein, dass wir körperlich und geistig nicht mehr so fit sind wie in jungen Jahren. Doch wir sollten immer daran denken, ob in der Natur oder auch im menschlichen Leben, auch der Herbst hat schöne Tage.02

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